FC Bayern ohne Stürmer Lewandowski Wie ersetzt man den Unersetzlichen?

Bayerns Weltfußballer Robert Lewandowski hat sich vor den Topspielen gegen Leipzig und Paris verletzt. Nun muss Eric Maxim Choupo-Moting mehr sein als ein gut gelaunter Back-up. Kann er das?
Von Florian Kinast, München
Eric Maxim Choupo-Moting kam zu dieser Saison zum FC Bayern und erfüllte bisher die Erwartungen

Eric Maxim Choupo-Moting kam zu dieser Saison zum FC Bayern und erfüllte bisher die Erwartungen

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LUKAS BARTH-TUTTAS / EPA

Vielleicht schon in knapp drei Wochen, beim Heimspiel gegen Leverkusen? Oder vier Tage später, auswärts in Mainz? Womöglich aber erst danach bei den beiden Halbfinal-Spielen in der Champions League – wenn es für den Klub überhaupt ein Halbfinale gibt? Wann Robert Lewandowski nach seiner Bänderdehnung im Knie sein Comeback geben wird, das ist die eine bange Frage, die den FC Bayern gerade schwer beschäftigt.

Die andere ist, wer den Toptorjäger, den derzeit besten Stürmer der Welt, der auf seiner Jagd nach dem 40-Tore-Rekord von Gerd Müller jäh ausgebremst wurde, bis dahin vertreten soll. Denn ersetzen kann den Weltfußballer keiner.

Eine langwierige Verletzung Lewandowskis hatten sie bei den Bayern schon immer befürchtet. Seit bald sieben Jahren spielt Lewandowski in München, bisher ging es noch immer gut. Drei Spiele wegen einer Schienbeinblessur vor rund einem Jahr, das war bislang die maximale Zwangspause, die die Bayern ohne Lewandowski zu überstehen hatten. Lewandowski galt als einer der wenigen unverletzlichen Spieler.

Der Ausfall jetzt aber dürfte länger dauern – und er kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: zu Beginn der entscheidenden Wochen der Saison mit dem Topspiel in der Bundesliga gegen Leipzig am Samstagabend (18.30 Uhr/Liveticker SPIEGEL.de; TV: Sky) und dem Champions-League-Viertelfinalhinspiel gegen Paris Saint-Germain am Mittwoch.

Wie also ersetzt man den Unersetzlichen?

Robert Lewandowski (links) verletzte sich bei einem Länderspiel der Polen gegen Andorra

Robert Lewandowski (links) verletzte sich bei einem Länderspiel der Polen gegen Andorra

Foto: Alexandra Szmigiel / REUTERS

Vieles spricht dafür, dass Bayern-Trainer Hansi Flick auf einen Spieler vertrauen wird, dessen Paraderolle schon länger die des gut gelaunten Back-ups ist: Eric Maxim Choupo-Moting. Ihn hatten die Münchner zu dieser Saison als Schnäppchen dazugeholt. Ablösefrei kam der 32-Jährige aus Paris. Er war die Low-Budget-Lösung, aber für die Bayern schien die Rechnung aufzugehen.

Choupo-Moting, einst beim Hamburger SV ausgebildet, kamerunischer Nationalspieler, der es fertigbrachte, über Stationen in Nürnberg, Mainz, Gelsenkirchen und Stoke beim ambitionierten Pariser Topklub mit Spielern wie Neymar und Kylian Mbappé zu landen, ohne je eine Ablöse zu kosten, sollte einspringen, wenn Lewandowski mal eine Pause brauchte. Den Rest der Zeit sollte er vor allem eines sein: ein guter Typ.

Für die Bayern war das lange schon ein großes Dilemma: An sich hätte man einen zusätzlichen Topstürmer mit internationalem Spitzenformat kaufen müssen, doch dann hätte es vielleicht Unruhe gegeben. Wer setzt sich schon freiwillig permanent auf die Bank und wartet auf eine Verletzungspause des Weltfußballers, der sich nie verletzt? Oder darauf, dass der Trainer Lewandowski in einem unwichtigen Spiel mal schont?

Choupo-Moting hingegen meldete nie Ansprüche an. Weil er um seine Position in der Hierarchie weiß, weil er froh ist, im angehenden Spätherbst seiner Karriere überhaupt in München zu sein. Weil er außerdem über eine gesunde Gelassenheit und viel Humor verfügt. Eigenschaften, die es auch braucht, um sich mit der Rolle des ewigen Stellvertreters abzufinden. »Alles, was ich mir vorher vom FC Bayern versprochen hatte, hat sich mehr als bestätigt. Ich gehe jeden Tag mit einem Lächeln ins Training«, sagte er in der aktuellen Ausgabe des Klubmagazins »51«.

In der Kabine gilt Choupo-Moting, wie man aus dem Klub hört, als Garant für beste Stimmung, so wie auch im Kreis der sonst eher überschaubar euphorischen Mitspieler auf der Ersatzbank. Selbst wenn er nach dem Aufwärmen in der zweiten Halbzeit mal nicht zum Einsatz kommt und wieder Platz nimmt: Choupo lacht immer.

Doch nun muss Choupo-Moting eine übergroße Lücke füllen. Und er hat bereits bewiesen, dass er mehr ist als ein Kabinenspieler.

Choupo-Moting (rechts) wird von Trainer Thomas Tuchel umarmt, nachdem er gegen Bergamo im Sommer 2020 der Matchwinner für Paris war

Choupo-Moting (rechts) wird von Trainer Thomas Tuchel umarmt, nachdem er gegen Bergamo im Sommer 2020 der Matchwinner für Paris war

Foto: David Ramos / AP

In Paris war es Choupo-Moting, der den Klub im Sommer 2020 zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder in ein Halbfinale der Königsklasse geführt hat. Gegen Bergamo im Viertelfinale bereitete er nach seiner Einwechslung erst den Ausgleich vor und traf dann selbst zum späten Sieg.

Beim FC Bayern hat Choupo-Moting meist dann geliefert, wenn er gefragt war: In der Champions League gegen Moskau, als er von Beginn an Lewandowski vertreten sollte, traf er. Auch gegen Rom, als er den Polen nach knapp 70 Minuten ersetzte. Aber da waren die Spiele weniger wichtig und die Gegner schwächer. In der Liga kam er bisher zwar auf 16 Einsätze, zumeist aber nicht über mehr als 15 bis 20 Minuten zum Ende eines Spiels hinaus. Einen Treffer hat er erzielt.

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Denkbar ist natürlich auch, dass Flick am Samstag und in den nächsten Spielen Serge Gnabry ins Sturmzentrum beordert. Oder Gnabry und Thomas Müller als hängende Doppelspitzen positioniert. Aber wahrscheinlich ist das nicht.

Für Choupo-Moting spricht, dass er in den vergangenen Tagen anders als Nationalspieler Gnabry an der Säbener Straße trainieren konnte – was wiederum einem Malheur des kamerunischen Fußballverbands zu verdanken war. Dort hatte man den 53-fachen Nationalspieler per Mail für die beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Kap Verde und Ruanda eingeladen und sich nach Angaben von Nationaltrainer Toni Conceição gewundert, warum Choupo-Moting nicht geantwortet habe. Erst nach der Meldung des Kaders an die Fifa hätte der Verband bemerkt, dass man die Nachricht wohl an die falsche Mailadresse geschickt habe.

Choupo-Moting ist also ausgeruht. Gute Spiele in den kommenden Wochen wären auch eine Bewerbung in eigener Sache um eine erfolgreiche Weiterbeschäftigung über den Sommer hinaus. »Natürlich wäre es schön, länger zu bleiben«, sagte Choupo-Moting.

Das hängt wohl auch davon ab, wie die nächsten Wochen ohne Lewandowski laufen.

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