FC Bayern Ein schlechter Witz

Bei der Analyse des schwachen Pokalauftritts gegen den Zweitligisten Bochum schwankt der FC Bayern zwischen Sarkasmus und Selbstkritik. Trainer Kovac sieht die Schuld bei seinen Spielern.
Manuel Neuer: "Charakterlich war es in der ersten Halbzeit nicht so, wie es sich im Pokal gehört"

Manuel Neuer: "Charakterlich war es in der ersten Halbzeit nicht so, wie es sich im Pokal gehört"

Foto: INA FASSBENDER / AFP

Wortlos stapfte Robert Lewandowski aus der Kabine zum Mannschaftsbus. Wann hat diese Flaute endlich ein Ende? Der Stürmer des FC Bayern trifft einfach nicht mehr, jetzt schon 85 Minuten lang.

So hätte wohl auch Hasan Salihamidzic einen Text über das Pokalspiel begonnen, das der FC Bayern beim Zweitligisten VfL Bochum erst in den Schlusssequenzen gewonnen hatte (2:1). Schließlich sagte der Sportdirektor der Münchner nach der Partie, dass eine Analyse "ohne Ironie heute nicht geht". Sarkasmus aber traf es besser. "Topabend. Die haben wir hergespielt. War gut, richtig gut", ätzte Salihamidzic gegen eine Mannschaft, die tatsächlich vieles falsch gemacht, aber letztlich immerhin noch das Spiel gedreht hatte.

Ohne Lewandowski geht es nicht mal gegen Bochum

Ganz ohne Ironie mussten die Bayern feststellen, dass es ohne Lewandowski nicht geht. Nicht mal gegen den VfL Bochum, den Tabellen-16. der Zweiten Liga. Niko Kovac hatte den Versuch gestartet, den Stürmer auf die Bank zu setzen, der zuvor in 13 Pflichtspielen 19 Tore erzielt hatte, in jedem mindestens eines. Zur Pause aber war dem Bayern-Trainer wegen des Rückstandes und der spielerischen Armut so mulmig geworden, dass er das Experiment abbrach. Ein Tor schoss Lewandowski zwar nicht, dafür zeigte der Pole, dass er viel mehr Wert für eine Mannschaft hat, als im Strafraum Vorlagen zu verwerten.

Lewandowski ist einer, der auch für Kombinationen gebraucht wird, für Ballsicherheit, für Zeitgewinne, damit die Kollegen nachrücken können. In der 83. Minute zog er aus der Spitze zurück auf die Position des Zehners. Dort nahm er einen scharfen Flachpass von Jérôme Boateng mit, erkannte den großen Raum auf der rechten Seite. Von dort kam dann auch die Flanke von Joshua Kimmich, die Serge Gnabry zum 1:1 nutzte.

Thomas Müller, ebenfalls eingewechselt, erzielte gegen furchtbar müde und nach einer Roten Karte dezimierte Bochumer noch in der Regelspielzeit das 2:1. Die Bayern hätten zumindest mal müde lächeln können. Aber der Abgang von Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß von der Haupttribüne verriet schon, dass es eine frostige Nachlese geben würde.

Weder der Vorstandsvorsitzende noch der Präsident sprachen zwar, dafür geißelten sich andere Protagonisten. "Charakterlich war es in der ersten Halbzeit nicht so, wie es sich im Pokal gehört", sagte Manuel Neuer. Der Torwart und Kapitän hatte schon während des mühsamen 2:1 gegen den 1. FC Union Berlin öffentlichkeitswirksam die Kollegen zusammengestaucht. In den Frust mischte sich aber auch Ratlosigkeit: "Wir müssen einfach bessere Leistungen bringen", sagte Neuer.

Leon Goretzka antwortete auf die Frage, ob es "Bayern-Dusel oder letztlich nur peinlich" gewesen sei: "beides". Der gebürtige Bochumer sprach von einem "schlappen Auftritt", "unfassbar vielen Fehlern im Passspiel" und dass "wir eine gewisse Härte im Zweikampf haben vermissen lassen".

Kovac kritisiert die Einstellung

Schonungslos war auch die Kritik von Kovac. Ein "Fehlpassfestival" beklagte der Trainer: "Wir haben in den ersten 60 bis 70 Minuten sehr vieles falsch gemacht. Letztlich haben alle so gespielt, wie wir es eigentlich nicht spielen."

Bei Kovac war nicht so leicht zu erkennen wie bei Hasan Salihamidzic, ob sich auch er der Ironie bediente. Nach dem Lob für den Trainerkollegen Thomas Reis, der den VfL nach der schlimmen Leistung beim 1:2 in Kiel "einzigartig" aufgebaut habe, fügte Kovac an: "Da sieht man, dass es funktioniert, wenn alle das machen, was der Trainer sagt."

Das implizierte vermutlich den Vorwurf, dass seine Spieler seine Anweisungen missachtet hätten. Die Warnung, dass einem Gegner, der kaum mehr als Leidenschaft zu bieten hat, Leidenschaft entgegenzusetzen ist, schlugen die Profis der Bayern jedenfalls in den Wind. Das kam schon häufiger in dieser Saison vor. Gepaart mit dem biederen und pragmatischen Fußball bleiben daher latent die Zweifel, ob Niko Kovac der geeignete Trainer für den Meister ist.

"Das hat nichts mit Taktik zu tun, sondern mit der Einstellung", sagte Kovac über das schwache Spiel seiner Mannschaft. Das war dann ein klar formulierter Vorwurf an seine Spieler. Am Samstag bringt der Spielplan ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Klub Eintracht Frankfurt. Kovac sagte dazu: "Das wird ein heißes Spiel. Dort sind die besten Fans der Liga, das muss man ganz klar sagen." Das mag nicht jeder gern gehört haben beim FC Bayern.

VfL Bochum - FC Bayern München 1:2 (1:0)
1:0 Davies (36., Eigentor)
1:1 Gnabry (83.)
1:2 T. Müller (89.)
Bochum: Riemann - Celozzi, Decarli, Bella Kotchap, Danilo - Losilla, Tesche, Zoller (78. Osei-Tutu), Lee (66. Wintzheimer), Blum - Ganvoula
München: Neuer - Kimmich, Pavard, Boateng, Davies - Tolisso (65. T. Müller), Goretzka (57. Coutinho), Thiago, Coman, Perisic (46. Lewandowski) - Gnabry
Schiedsrichter: Schröder
Gelbe Karten: Lee, Losilla
Rote Karte: - / Bella-Kotchap
Zuschauer: 26.600 (ausverkauft)

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