Sieg in Mainz Die zwei Gesichter des FC Bayern

Eine schwache erste Hälfte, dazu einen Elfmeter verschossen: Der FC Bayern tat sich auch in Mainz zunächst schwer. Doch nach der Pause spielte der Rekordmeister wieder furios.

Bayern-Jubel in der Kurve: Nach der Halbzeit wie aufgedreht
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Bayern-Jubel in der Kurve: Nach der Halbzeit wie aufgedreht

Aus Mainz berichtet


Normalerweise gehören Witze nicht zu den Kernaufgaben von Matthias Sammer beim FC Bayern München. Doch nach dem 3:0-Erfolg bei Mainz 05 war der auffallend gut gelaunte Sportvorstand zum Scherzen aufgelegt: "Bisher sind wir sehr zufrieden und haben natürlich die optimale Punktausbeute, aber Lewy hat jetzt eine Krise, er hat nur zwei Tore gemacht", sagte Sammer über Robert Lewandowski.

Pure Ironie. Denn Lewandowski war nach seinen weltweit beachteten fünf Toren in neun Minuten gegen Wolfsburg auch vier Tage später wieder zum Mann des Tages geworden. Auch in Mainz hatte der Top-Stürmer zwei Mal getroffen und sein persönliches Torkonto damit auf zehn erhöht. Nach gerade mal sieben Bundesliga-Spieltagen.

Doch so ausgelassen die Stimmung der Münchener ob des siebten Sieges in Serie war, die schwachen ersten 45 Minuten hatten auch sie nicht vergessen: "Wir mussten in der ersten Hälfte extrem fighten. Ich habe selten eine so gut verschiebende Mannschaft gesehen wie Mainz", sagte Sammer. Und auch Doppeltorschütze Lewandowski suchte die Gründe dafür, dass es nach zähen 45 Minuten noch 0:0 stand, beim Gegner: "Die erste Halbzeit war nicht so leicht zu spielen, da hat Mainz sehr gut defensiv gespielt. Nach dem ersten Tor war es leichter, weil Mainz etwas offener spielen musste."

Mit den Räumen fallen die Tore

Nun ist es keine ganz neue Erkenntnis, dass es eine auf Ballbesitz und Dominanz ausgerichtete Mannschaft wie die Bayern einfacher hat, wenn der Gegner Räume offenbart, in denen man zum Abschluss kommen kann. Aber das Spiel in Mainz war ja kein Einzelfall. Derzeit tun sich die Münchener vor der Pause generell schwer. Gerade mal 4:3 lautet das Torverhältnis des Rekordmeisters in der ersten Hälfte, stolze 19:0 in der zweiten. Auch in der Champions League waren beim 3:0 in Piräus alle drei Tore nach dem Seitenwechsel gefallen.

"Die Gegner werden sich nicht kampflos ergeben, man muss die auch manchmal müde spielen. Und das ist in der zweiten Halbzeit der Fall gewesen", sagte Jérôme Boateng, der wegen der vielen englischen Wochen und leichten Knieproblemen zunächst draußen saß.

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Bayern gegen Mainz: Lewandowski dreht wieder auf
Ein Vergnügen war das für ihn und alle anderen Zuschauer nicht gerade. Zwar hatten die Bayern fast durchgängig den Ball und ließen ihn auch fein durch ihre Reihen laufen, gezielt in die Spitze ging es aber selten. Immer wieder mussten die Münchener den Rückwärtsgang einlegen und neu aufbauen. Weil sich vorne keine Lücken boten. Weil die entscheidenden Pässe zu ungenau kamen. Und weil selbst ausgemachte Eins-gegen-eins-Spezialisten wie Douglas Costa und Kingsley Coman regelmäßig an ihren Gegenspielern scheiterten. Als Coman nach 20 Minuten dann doch mal durchkam und im Strafraum gelegt wurde, schoss Thomas Müller den Elfmeter über das Tor.

"Wir sind heute fünf, sechs Kilometer mehr gelaufen"

Dass sich die Bayern so schwer taten, lag aber auch an den Mainzern, die einen wahnsinnigen Aufwand betrieben. "Wir wussten, dass wir viel rennen müssen, um Löcher zu stopfen, die Bayern immer wieder aufmacht. Wir sind heute fünf, sechs Kilometer mehr gelaufen als der Gegner", stellte 05-Trainer Martin Schmidt zufrieden fest. Doch ganz fehlerfrei war seine durchaus hoch verteidigende Mannschaft auch vor der Pause nicht gewesen. Nur wussten die Bayern damit nichts anzufangen.

"Wenn sie einen Ball verlieren, sind wir nicht immer in der richtigen Aufstellung, um schnell umzuschalten", sagte Bayern-Trainer Josep Guardiola, der danach aber ebenfalls schnell noch den Gegner lobte, um die seltsame Anfangsschwäche seines Teams zu erklären. Philipp Lahm war da selbstkritischer: "Zurzeit kommen wir nicht immer so rund ins Spiel rein", sagte der Kapitän.

Nur was passiert, wenn der Gegner mal nicht müde wird? Nächste Woche kommt Dortmund zum Top-Spiel. Dass auch die Borussia irgendwann die Konzentration verliert und Fehler macht, darf bezweifelt werden. Das weiß auch Lahm, der der Theorie, dass die Bayern ihre Gegner wie eine Raubkatze müde laufen, um dann später zuzuschlagen, eine klare Absage erteilte: "Das ist keine Taktik, wir hätten heute gern das 1:0 vor der Pause genommen. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert." Nicht mal für den FC Bayern.

FSV Mainz 05 - Bayern München 0:3 (0:0)
0:1 Lewandowski (51.)
0:2 Lewandowski (63.)
0:3 Coman (68.)
Mainz: Karius - Brosinski, Bungert, Bell, Bengtsson - Baumgartlinger, Latza (73. Moritz) - Clemens (81. Balogun), Malli (67. Samperio), De Blasis - Muto
München: Neuer - Lahm, Martinez (67. Jerome Boateng), Alaba, Rafinha - Alonso, Thiago - Coman, Thomas Müller (58. Vidal), Costa (70. Götze) - Lewandowski
Schiedsrichter: Bastian Dankert
Zuschauer: 34.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Baumgartlinger (2) - Alonso (2)
Besonderes Vorkommnis: Thomas Müller schießt einen Foulelfmeter über das Tor (21.)



insgesamt 70 Beiträge
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minga1972 26.09.2015
1. Herzlichen Glückwunsch!
Was für ein sensationeller Saisonstart. Kein Straucheln, kein Schlendrian. Bellissimo.
ediart 26.09.2015
2. Keine Chance
für die anderen im Titelkampf. So ist es nun mal, Leider!
knumue 26.09.2015
3. Zugegeben:
Die Bayern sind nicht zu schlagen, weil sie die besten Spieler haben, und das, weil sie das meiste Geld besitzen, und das, weil Uli und Kalle so "clever" sind. Aber wem macht denn langfristig die Bundesliga noch Spaß, wenn jedes Jahr am 5. Spieltag München als Meister feststeht? Das muss doch auch dem größten Bayernfan auf Dauer langweilig werden. Fußball muss wieder ein Wettbewerb des Sports werden und nicht einer des Geldes, und das ist machbar.
Orthoklas 26.09.2015
4. In der Tat
Wenn es Pep gelingt, den ewigen Schlendrian konsequent zu vertreiben, ist Großes möglich.
leipz1ger 26.09.2015
5. selbstkritisch bleiben
Bei aller Freude muß man selbstkritisch bleiben: Zweimal war es verdammt knapp. In Hoffenheim, nach dem Platzverweis, hätten wir auch unglücklich verlieren können! Und das Elfmetergeschenk gegen Augsburg war auch glücklich. Aber wer solche Spiele gewinnt, der wird Meister :-) Zudem darf er darauf verweisen, daß nur der Tüchtige das Glück hat!
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