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05. Dezember 2013, 06:47 Uhr

Robben-Verletzung gegen Augsburg

Schuh im Knie

Aus Augsburg berichtet Sebastian Winter

Die Bayern haben das Viertelfinale im DFB-Pokal erreicht, der Sieg gegen Augsburg war eine klare Sache. Doch Arjen Robben hat es übel erwischt: Der Stollen eines gegnerischen Schuhs bohrte sich in sein Knie - der Holländer wird wohl wochenlang ausfallen.

Es dauerte sehr lange, bis Arjen Robben endlich vom Spielfeld durfte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht lag er auf einer Trage, die die Sanitäter dann doch irgendwann aufgetrieben hatten. Robbens rechtes Knie blutete stark, nachdem ihn Augsburgs Torwart Marwin Hitz in der 13. Spielminute gefoult hatte. Robben war alleine auf Hitz zugelaufen, beide hatten den Abseitspfiff des Schiedsrichters offenbar überhört. Bei dem Zweikampf bohrte sich ein Stollen von Hitz' Schuh in Robbens Knie.

Der Holländer blieb hinter der Torauslinie liegen und klopfte mit der Hand auf den Boden, um seine Schmerzen zu signalisieren. Kurz darauf legten ihm die Bayern-Ärzte einen Verband an, gestützt auf ihre Schultern humpelte Robben Richtung Spielerkabine.

Doch die Schmerzen waren so groß, dass Robben stoppte und die Trage in Anspruch nahm. Die erste Diagnose lautete: Tiefe Risswunde am Knie. Die Wunde wurde im Augsburger Krankenhaus gereinigt. Doch die Bayern haben nach ihrem mühevollen 2:0-Pokalsieg in Augsburg und dem Einzug ins Viertelfinale nun ihren nächsten Verletzten.

Der 29-jährige Offensivspieler hatte den Titelverteidiger in Augsburg in der dritten Spielminute in Führung geschossen, jetzt fällt er wohl wochenlang aus. Robben spielt seit Monaten in bestechender Form, auch weil er bislang, anders als in den Vorjahren, von schwereren Verletzungen verschont geblieben ist. In 22 Pflichtspielen hat er diese Saison 13-mal getroffen.

Nach seinem Siegtreffer im Champions-League-Finale gegen Dortmund ist der oft auf sein eigenes Wohl bedachte Robben auch in der Gunst der Bayern-Fans wieder gestiegen. Schon in der vergangenen Spielzeit hatte er viel mehr nach hinten gearbeitet, was ihm zusätzliche Sympathien brachte. Durch die Verletzung dürfte nun allerdings auch eine mögliche vorzeitige Verlängerung von Robbens bis 2015 laufendem Vertrag wieder in den Hintergrund rücken.

Das Positive für die Bayern an dieser Geschichte ist, dass sie selbst Ausfälle wie den von Robben zumindest kurzfristig gut kompensieren können. Thomas Müller sprang gegen Augsburg auf der rechten Seite ein, eine Viertelstunde vor Schluss traf er zum vorentscheidenden 2:0. "Es fällt überhaupt nicht auf, dass wir extrem viele Verletzte haben. Das ist auch der Bonus, den wir vielleicht gegenüber anderen Mannschaften haben", sagte Müller später frech.

"Mich stört eigentlich nur eins"

Eine gute Leistung zeigten die Bayern dennoch nicht, sie hatten einige Mühe mit den robusten Augsburgern, deren Trainer Markus Weinzierl später sagte: "So wie wir heute gegen Bayern gespielt haben, haben die anderen Mannschaften nicht gespielt. Wir standen sehr hoch und wollten sehr früh, sehr mutig verteidigen."

Die beiden Spielanalytiker der Bayern, die das Geschehen von der Tribüne aus verfolgten, waren zeitweise überhaupt nicht zufrieden. Bei Ballverlusten, und davon hatten die Bayern einige, regten sie sich fürchterlich auf. Doch ihre Flüche waren noch gar nichts gegen die Schimpftirade, die Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer nach dem Spiel anstimmte. Sie richtete sich jedoch nicht gegen die Mannschaft, sondern war an die Öffentlichkeit adressiert.

"Mich stört eigentlich nur eins", sagte Sammer: "Dass man hier so eine blöde Diskussion führt, dass wir, wenn wir hier auf den Platz gehen, schon automatisch der Sieger sind. Mir kommt viel zu kurz, anzuerkennen, dass wir ein großes Maß an Spielern ersetzen mussten und dass wir einen unglaublichen Aufwand dafür betreiben, dass wir täglich sehr hart arbeiten." Und weiter: Im Moment werde eine Scheindiskussion über die Dominanz von Bayern und vielleicht Dortmund geführt. "Ich möchte, dass man auch mal anerkennt, wenn wir gut spielen und gute Ergebnisse erzielen, und kein dummes Zeug redet."

Ob sich die Bayern mit solchen eher trotzigen Aussagen einen Gefallen tun, ist die Frage, vor allem nach eher durchwachsenen Leistungen wie gegen Augsburg. Der Kader ist jedenfalls breit genug, um in den verbleibenden Spielen vor Weihnachten zu bestehen. Auch ohne Robben.

FC Augsburg - Bayern München 0:2 (0:1)
0:1 Robben (4.)
0:2 Müller (78.)
Augsburg: Hitz - Verhaegh, Callsen-Bracker, Klavan, Ostrzolek - Baier - Hahn, Vogt, Altintop (63. Milik), Werner (76. Holzhauser) - Mölders (63. Bobadilla)
München: Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Alaba - Martínez - Robben (16. Müller), Thiago, Kroos (86. Höjbjerg), Götze (66. Ribéry) - Mandzukic
Schiedsrichter: Zwayer
Zuschauer: 30.660 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Hitz, Verhaegh - Müller

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