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FC Bayern vor der Rückrunde: Das große Ziel heißt München

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FC Bayern Triple-Hoffnung in der Wohlfühloase

Der FC Bayern München führt in der Liga die Tabelle an, ist Gruppensieger in der Champions League, steht im Pokal-Viertelfinale - der Rekordclub reist selbstbewusst ins Trainingslager nach Katar. 2012 soll ein perfektes Jahr werden. Deshalb ist der Druck riesig.

In dieser Saison ist beim FC Bayern München vieles anders. Es wird nicht gestritten, fast immer ist es ruhig. Ob Präsident Uli Hoeneß oder Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge: Die Verantwortlichen tun alles, um nach dem chaotischen Vorjahr mit dem Dauerkonflikt um Trainer Louis van Gaal den Eindruck zu erwecken, der FC Bayern sei jetzt eine Wohlfühloase. Ob das auch in der Rückrunde so bleibt, ist allerdings fraglich. Denn erst in den kommenden Monaten entscheidet sich, ob die Zufriedenheit in München von Dauer ist.

Der wichtigste Termin ist der 19. Mai: Wenn in der Münchner Arena der Sieger der Champions League ermittelt wird, wollen die Bayern unbedingt dabei sein. Vor dem Trainingslager in Doha im Wüstenstaat Katar, das am Montag beginnt, erklärte Hoeneß: "Normalerweise sage ich immer, die Meisterschaft ist das Wichtigste. Aber jetzt, wo du ein Champions-League-Finale in München hast, was im Leben eines Profis nur einmal vorkommt, musst du versuchen, möglichst das als Ziel zu haben." Ein vorzeitiges Scheitern wäre für die Bayern in diesem Jahr noch schmerzlicher als in den Jahren zuvor.

"Ich habe natürlich auch vor, Meister und Pokalsieger zu werden. Das ist unser tägliches Brot", sagt Bastian Schweinsteiger, "aber dadurch, dass ich noch keinen internationalen Titel gewinnen konnte, würden diese Titel mir noch mehr bedeuten." Erst die Champions League gewinnen und danach mit der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft triumphieren, so stellt sich der Mittelfeldspieler ein gelungenes erstes Halbjahr vor.

Niederlage gegen Inter hat geschmerzt

Das Ziel ist nicht unrealistisch, zumindest im Verein: Der FC Bayern wirkte in den vergangenen Monaten durchaus reif für den großen Wurf, das Triple. 2010 waren sie schon einmal ganz nah dran: Meister, Pokalsieger, aber das Champions-League-Finale gegen Inter Mailand verlor das Team 0:2. Es hat die Bayern-Macher mehr geärgert, als sie nach außen hin zugeben wollten. Zu überlegen war der von Star-Coach José Mourinho trainierte Gegner, zu deutlich der Klassenunterschied.

2012 scheinen die Voraussetzungen besser: Unter Trainer Jupp Heynckes blüht Mittelfeldstar Franck Ribéry wieder auf. In Manuel Neuer haben die Bayern einen der weltbesten Torhüter. Toni Kroos reift unter dem Coach zu einem echten Star heran. Vorne schießt Gomez die Bälle ins Tor. Dazu steht die Rückkehr des zuletzt verletzten und vermissten Schweinsteiger bevor. Die Probleme um den ebenso verletzungsanfälligen wie divenhaften niederländischen Topstar Arjen Robben treten da fast in den Hintergrund.

Hoeneß macht all das an der Trainer-Personalie fest, er lobt seinen alten Freund Heynckes, wo er nur kann: "Er ist genau der richtige Trainer für die kranke Seele des Vereins." Und: "Intern stimmt es." In der Vorsaison hatten die Querelen um van Gaal viel Kraft gekostet. Heynckes dagegen gilt als Sympathieträger - nicht zuletzt, weil er stets respektvoll über die Konkurrenz spricht, Überheblichkeit durch Ruhe ersetzt.

Status als Außerirdische der Liga eingebüßt

In der Bundesliga steht die Mannschaft zur Winterpause da, wo sie nach Ansicht der Münchner auch hingehört: an der Spitze. Zeitweilig spielte sie so stark, dass nur darüber diskutiert wurde, wann die Bayern Meister werden würden. Den Status als "Außerirdische" hat das Team im Herbst nach den Niederlagen in Hannover, gegen Dortmund und in Mainz schnell wieder eingebüßt, der Vorsprung gegenüber den Revier-Rivalen Borussia Dortmund und FC Schalke beträgt nur drei Punkte.

Wobei die Bayern letztlich nur den BVB als wirklich ernsthaften Gegner in Betracht ziehen. In der Liga hat man zuletzt dreimal gegen Dortmund den Kürzeren gezogen. "Wenn wir nicht gegen Mainz und Dortmund verloren hätten, wäre es eine perfekte Hinrunde gewesen", sagt Gomez. Wenn.

Eine perfekte Saison - das passt vielleicht am besten zum bisherigen Verlauf in der Champions League: So dominant, so souverän wie in der Vorrunden-Gruppe hätte man die Mannschaft nicht erwartet. Gegen die Hochkaräter Manchester City, FC Villarreal und SSC Neapel holten die Bayern als Gruppensieger 13 Punkte, schenkten die abschließende Partie in Manchester im Grunde ab, da man längst fürs Achtelfinale qualifiziert war. Der FC Bayern der Saison 2011/2012 kann sich so etwas erlauben.

Erreichen die Münchner im Achtelfinale Normalform, kann der FC Basel kein Stolperstein sein. Danach drohen Clubs wie der FC Barcelona und Real Madrid. Angst? Kapitän Philipp Lahm sagt: "Wir sind so selbstbewusst, dass wir jeden schlagen können."

Es ist nun fast elf Jahre her, dass die Bayern in der Königsklasse triumphierten. Es wäre wieder einmal an der Zeit. Der perfekte Ort wäre es sowieso.

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