Bayerns gewonnenes Meisterduell mit Dortmund Der Drei-Minuten-Krimi

Spannung am letzten Spieltag? Gab es zwar, sie währte allerdings nur kurz. Dafür erhielten Bayerns Franck Ribéry und Arjen Robben den perfekten Abschied aus der Bundesliga.

Bayern-Profis: Jubel über das 2:1
Matthias Balk / DPA

Bayern-Profis: Jubel über das 2:1

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In drei Minuten zum Titel: Wer die Bundesliga nicht erst seit ein paar Jahren verfolgt, der kennt sie noch: die Meisterkonferenz. Wenn am letzten Spieltag Titelkandidaten auf fremden Plätzen miteinander konkurrieren, ein Team legt vor, das andere antwortet, erlebt die Liga ihre epischsten Momente. Nach Jahren der Bayern-Dominanz hätte es diesmal wieder so sein können wie einst. War es aber eher nicht. Nach 3:36 Minuten traf Bayerns Kingsley Coman zum 1:0. Und als Frankfurt mit dem Ausgleich Spannung heraufbeschwor, antworteten die Münchner erneut in rund drei Minuten.

Die Ergebnisse: Bayern München besiegte Eintracht Frankfurt 5:1 (1:0). Dass Borussia Dortmund bei Borussia Mönchengladbach 2:0 (1:0) gewann, war damit irrelevant. Die Bayern sind Meister, zum siebten Mal in Folge. Hier geht es zum Spielbericht.

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Bayerns Meisterfeier: Robbens letzte Weißbierdusche

Zweiter Sieger: Es ist ein halbes Jahr her, da lag Borussia Dortmund (Platz eins) in der Tabelle neun Punkte vor den Bayern (Platz fünf). Vorm letzten Spieltag wäre ein BVB-Titel dann aber die größte Bundesliga-Überraschung seit einer Dekade gewesen. Dortmunds Vorsprung war dahin. Dass es nicht zum Titel reichte, mag den BVB schmerzen. Die Sicht auf diese Saison sollte das aber nicht trüben. Eine junge Mannschaft samt neuem Trainer, Lucien Favre, hat 76 Punkte geholt. Das bedeutet nicht nur, dass der BVB der zweitbeste Zweite der Ligageschichte ist. Es ist auch ein Erfolg. Und kein Trostpreis.

Bayern-Fans vor dem Anpfiff
Adam Pretty / Getty Images

Bayern-Fans vor dem Anpfiff

"Servus & Danke": Das stand auf einem großen Banner in der Münchner Fankurve, und es galt Franck Ribéry und Arjen Robben. Bayerns Flügelspieler prägten den Klub, die Liga, den europäischen Topfußball Jahre lang mit. Vor dem Anpfiff wurden sie verabschiedet, gemeinsam mit Rafinha, der den Klub ebenfalls verlässt, von den Fans aber eher weniger gewürdigt wurde. Und als Ribéry (61. Minute) und Robben (66.) kamen, wurde es richtig laut in der Arena. Zu Recht.

Moment des Spiels: Uli Hoeneß schlug die Hände vors Gesicht, einmal, zweimal, dreimal, Bayerns Präsident wirkte überwältigt von dem, was er auf dem Platz sah. Was ihn so bewegte, war nicht der sich anbahnende Titelgewinn, sondern ein Traumtor von, na klar, Franck Ribéry. Der 36-Jährige bahnte sich, auf engstem Raum Haken schlagend, den Weg durch Frankfurts Defensive und lupfte den Ball ins Tor zum 4:1 (72.) Es war eine Reminiszenz an sein jüngeres Ich. Als dann auch noch Robben traf (78.), war die bayerische Seligkeit perfekt.

Und der BVB? Es gibt weniger komplizierte Situationen als die der Dortmunder in Gladbach. Schließlich ahnten sie wohl sehr früh, dass es nichts werden würde mit dem Titel - das schnelle 1:0 der Bayern dürfte in Mönchengladbach angekommen sein. Aber das Team erledigte seine Aufgabe. Aufreger der Partie war das 1:0. Marco Reus flankte den Ball von der Grundlinie auf Jadon Sancho, der technisch fein per Volley traf. Das Problem: Der Ball war wohl Millimeter hinter der Grundlinie gewesen, ehe Reus ihn trat. Es brauchte etliche Zeitlupen, um das zu erkennen, und ein Restzweifel blieb. Aber der Treffer hätte wohl nicht zählen dürfen, tat er aber. Der Videobeweis wurde zwar genutzt, bewies aber nichts.

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Bundesliga-Titelkampf: Triumph im Fernduell

Wer darunter besonders litt: War Gladbach. Denn die Borussia benötigte die Punkte, dringend. Am 20. Spieltag war sie noch Zweiter gewesen und konnte auf die Meisterschaft hoffen, seither holte das Team nur noch drei Siege, in der Rückrundentabelle ist es Zehnter. Ergebnis: Die Champions League ist futsch. Das gilt auch für Bayern-Gegner Frankfurt, der nach einer langen Saison ausgelaugt wirkt und nach dieser dritten Pleite in Folge ebenfalls die Qualifikation für die Königsklasse verpasst hat.

War das jetzt ein packender Meisterkampf? Für Bundesligaverhältnisse: absolut. Dass letzte Mal, dass der Tabellenführer am letzten Spieltag noch Zweiter werden konnte, ist schließlich zehn Jahre her. Die drei Minuten zu Beginn, in denen es 0:0 stand, und vor allem die Minuten nach dem Frankfurter Ausgleich, boten zumindest einen Bruchteil des Dramas, nach dem sich viele Fans seit Jahren sehnen. Viel mehr Spannung hat die Bundesliga aktuell nicht zu bieten.



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immerfroh 18.05.2019
1.
Zitat: "Der Ball war wohl Millimeter hinter der Grundlinie gewesen, ehe Reus ihn trat. Es brauchte etliche Zeitlupen, um das zu erkennen, und ein Restzweifel blieb. Aber der Treffer hätte wohl nicht zählen dürfen, tat er aber. Der Videobeweis wurde zwar genutzt, bewies aber nichts." Mutmaßungen in den Rang von Fakten zu heben, ist aber nicht die feine journalistische Art. Wenn nicht zweifelsfrei bewiesen werden kann, ob der Ball im vollen Umfang im Aus war, warum sollte Gräfe seine erste Entscheidung zurücknehmen ? Es sei denn man stimmt in den Chor derer ein, die im Saisonschlusssport eine konzertierte Aktion von wem auch immer zu Gunsten des BVB, zu Ungunsten der Bayern erkennen wollten. Diese anekdotische Legende wird uns hier in den nächsten Tagen noch öfter über den Weg laufen.
kakophoniephobie 18.05.2019
2. Legende
Zitat von immerfrohZitat: "Der Ball war wohl Millimeter hinter der Grundlinie gewesen, ehe Reus ihn trat. Es brauchte etliche Zeitlupen, um das zu erkennen, und ein Restzweifel blieb. Aber der Treffer hätte wohl nicht zählen dürfen, tat er aber. Der Videobeweis wurde zwar genutzt, bewies aber nichts." Mutmaßungen in den Rang von Fakten zu heben, ist aber nicht die feine journalistische Art. Wenn nicht zweifelsfrei bewiesen werden kann, ob der Ball im vollen Umfang im Aus war, warum sollte Gräfe seine erste Entscheidung zurücknehmen ? Es sei denn man stimmt in den Chor derer ein, die im Saisonschlusssport eine konzertierte Aktion von wem auch immer zu Gunsten des BVB, zu Ungunsten der Bayern erkennen wollten. Diese anekdotische Legende wird uns hier in den nächsten Tagen noch öfter über den Weg laufen.
Bayern ist aus eigener Kraft Meister. Wen interessiert es, ob der Treffer von Marco Reus korrekt war?
mr-mucki 18.05.2019
3. schottische Verhältnisse
es wird Zeit das der FCB die Liga Richtung Super EU Liga verlässt. dieses jahr hätte die Serie vielleicht reissen können, aber sogar das ist nicht geschehen. die bayern werden nun weiter hochrüsten um in der CL wieder ins Halbfinale zu kommen. damit ist es aber auch traurige Gewissheit, dass sie die folgenden Meisterschaften kaum nicht gewinnen. und noch trauriger ist es, dass wahrscheinlich nur RB Leipzig diese Dominanz irgendwann brechen kann.
tairen 18.05.2019
4. Man das lief doch heute absolut perfekt...
Meisterschaft verteidigt, Ribéry trifft, Robben trifft und Frankfurt darf trotzdem nach Europa. Ich hab ja auf nen Unentschieden gehofft, weil ich es Frankfurt echt gegönnt habe, nach dieser großartigen Saison. Ich muss aber sagen so war es natürlich noch besser. Besonders für Robben freut es mich ungemein. Er ist einer der Gründe wieso ich Bayernfan geworden bin. Ich war so beeindruckt von seinem Spiel und diesem unfassbaren Siegeswillen den er in jeder Sekunde auf den Platz gebracht hat. Nach dieser hartnäckigen Verletzung hatte ich echt Angst ihn nicht mehr spielen zu sehen. Das war wirklich ein super Abschluss für die beiden. Ich kann nur danke danke danke danke danke und noch tausendmal danke sagen für dieses geile Jahrzehnt mit euch beiden und ich wünsche euch für die Zukunft alles gute.
tucson58 18.05.2019
5.
Zitat von mr-muckies wird Zeit das der FCB die Liga Richtung Super EU Liga verlässt. dieses jahr hätte die Serie vielleicht reissen können, aber sogar das ist nicht geschehen. die bayern werden nun weiter hochrüsten um in der CL wieder ins Halbfinale zu kommen. damit ist es aber auch traurige Gewissheit, dass sie die folgenden Meisterschaften kaum nicht gewinnen. und noch trauriger ist es, dass wahrscheinlich nur RB Leipzig diese Dominanz irgendwann brechen kann.
Auch mal für Sie zur Erinnerung : Der BVB hatte 9 Punkte Vorsprung und hat diesen selber völlig verspielt . Bayern hatte eine ihrer schlechtesten Vorrunde und es wurde schon darüber spekuliert ob Kovac entlassen wird. Nun zeigte sich am 34. Spieltag das der BVB außer den vergeigten 9 Punkte Vorsprung auch noch 2 Punkte hinter Bayern lag. Was hätte den der FC Bayern tun sollen , das heutige Spiel abschenken und freiwillig verlieren sollen ? Wenn der BVB nur eine starke Vorrunde spielen kann und in der Rückrunde reihenweise wichtige Spiele verliert , hat das doch nichts mit einer Dominanz von Bayern zu tun, die im übrigen auch in der Rückrunden Einbrüche hatte, die dem BVB immer wieder die Chance gab auf Platz 1 vorzurücken.
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