Bayerns Niederlage gegen Barcelona Der Untergang

Was für eine verkorkste Rückkehr von Josep Guardiola nach Barcelona: Gegen seinen Ex-Klub blieb der FC Bayern chancenlos. Die Münchner sind so gut wie raus aus der Champions League. Das lag vor allem am überragenden Lionel Messi.
Maskenmann Lewandowski: Beste Bayern-Chance vergeben

Maskenmann Lewandowski: Beste Bayern-Chance vergeben

Foto: Andreu Dalmau/ dpa

Ausgangslage: Für Bayern-Coach Josep Guardiola war es die Rückkehr in seine Heimat. Für den FC Barcelona die Chance zur Revanche für die Halbfinal-Schmach vor zwei Jahren. Für die Experten der Fußballwelt das vorweggenommene -Champions League-Endspiel. Barça gegen Bayern - ein Spiel wie ein Epos.

Ergebnis: 0:3 (0:0) aus Sicht der Bayern. Lionel Messi (77. und 80. Minute) traf doppelt, Neymar stellte den Endstand her (90+4.).

Frage des Spiels: Was würde sich Guardiola gegen Überfußballer Messi einfallen lassen? Vor dem Spiel schwärmte er, Messi sei nicht zu stoppen. Versuchen wollte er es dennoch. Peps Plan: Er veränderte die Statik der Bayern-Elf. Thomas Müller deckte die gesamte rechte Seite ab, der Rest konzentrierte sich aufs Zentrum und auf die rechte Barça-Seite, über die Messi kam.

Ziel war, die Verbindungen zum Argentinier zu kappen. Was gut klang, schien zunächst auch auf dem Feld zu funktionieren. Aber eben nicht durchgängig. Immer wieder mal gab es sie, diese magischen Messi-Momente. Bei seinem ersten Treffer schoss er aus 17 Metern einfach durch drei Abwehrspieler hindurch ins Tor, beim zweiten dribbelte er Jérôme Boateng dermaßen schwindelig, dass der Weltmeister hinplumpste, ehe Messi Manuel Neuer mit einem Lupfer überwand.

Bild des Spiels: Messi, der von fünf Bayern-Spielern eingekesselt wird. Und sich trotzdem durchsetzt. Guardiola hatte völlig recht.

Doppeltorschütze Messi: Umzingelt von Bayern

Doppeltorschütze Messi: Umzingelt von Bayern

Foto: Matthias Hangst/ Bongarts/Getty Images

Die erste Hälfte: "Wir wollen sie überraschen", hatte Guardiola angekündigt. Der Heimkehrer hielt Wort: Er ließ seine Elf mit Dreierkette in der Abwehr beginnen, setzte zunächst auf lange Bälle. Plötzlich, nach 15 Minuten, wechselten die Bayern auf Viererkette, Mittelfeldraute und schnelle Kurzpässe. Das war eine Reaktion auf Barcelonas Treiben in der Anfangsphase. Das Spiel war nicht nur taktisch ein Leckerbissen, es begeisterte auch dank etlicher Chancen. Luis Suárez (7./12./27.), Neymar (15.) und Dani Alves (39.) vergaben für Barça; bei den Bayern scheiterte Robert Lewandowski zweimal (13./18.), später schoss Thiago am Tor vorbei (30.). Zur Pause war das Spiel ein Kandidat für das beste 0:0 der Geschichte.

Die zweite Hälfte: Je länger das Spiel dauerte, desto überlegener wurde Barcelona. Messi (57.) und Neymar (61./64.) verpassten noch die Führung. Dann drehte Messi auf. Unmittelbar nach dem Rückstand wurden die Bayern etwas übermutig. Barça bestrafte das. Vor dem 0:2 verließ Xabi Alonso das Defensivzentrum, was Messi sofort ausnutzte; vor dem 0:3 wurden die auf den Anschlusstreffer drängenden Münchner ganz klassisch ausgekontert.

Torwartduell des Spiels: Der eine ist Nationaltorwart, der andere will es werden: Bayerns Manuel Neuer und Barcelonas Marc-André ter Stegen standen sich im direkten Duell gegenüber. Der Wahl-Katalane konnte dabei kaum Werbung für sich machen, weil die Bayern nur einmal aufs Tor schossen. Mit dem Ball am Fuß brillierte ter Stegen wie gewohnt. Neuer durfte sich dagegen häufiger auszeichnen, als ihm lieb sein konnte. Seinen Paraden war es lange zu verdanken, dass die Bayern das 0:0 hielten.

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Einzelkritik der Bayern: Neuer überall, Lahm nirgends

Foto: Kai Pfaffenbach/ REUTERS

Zahl des Spiels: 54,5 Prozent Ballbesitz verbuchten die Bayern. Gegen Barcelona. In Camp Nou. Letztmals verloren die Katalanen in dieser Statistik in der "Königsklasse" vor neun Jahren. Gegner damals: Werder Bremen. Das Besondere am Duell gegen die Münchner: Weder Bayern (noch Barça) setzte auf Kontrolle durch Ballbesitz, beide suchten den direkten Weg zum Tor, wann immer es möglich war. Diese Mannschaften haben den Ruf, Tiki-Taka zu spielen? Pah!

Rekord des Spiels: Gehört natürlich Messi. Dank seiner Champions-League-Treffer 76 und 77 hat er Cristiano Ronaldo (76) als Top-Torschützen des Wettbewerbs wieder abgelöst. Der Portugiese brauchte für seine Treffer übrigens 114 Spiele, Messi 100.

Erkenntnis des Spiels: Bayern und Barcelona boten über weite Strecken ein herausragendes Spiel. Diese Intensität! Dieses Pressing! Diese Pässe! Viel besser als das, was in der ersten Hälfte gezeigt wurde, kann Fußball kaum sein. Der Unterschied zwischen beiden Mannschaften ist derzeit: Barça spielt nicht nur schön, sondern auch effizient. Und ist damit der Top-Favorit auf den Champions-League-Sieg.

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