Bayern-Sieg gegen Braunschweig "Das war ein komisches Spiel"

Okay, 2:0 gewonnen, aber so richtig glücklich kann der FC Bayern nach der DFB-Pokal-Partie gegen Braunschweig nicht sein. Es war ein seltsamer Abend in München: Die Fans beeindruckten die Spieler mehr als umgekehrt.
Von Christoph Leischwitz
Bayern-Sieg gegen Braunschweig: "Das war ein komisches Spiel"

Bayern-Sieg gegen Braunschweig: "Das war ein komisches Spiel"

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Franck Ribéry war begeistert. "Das ist unglaublich, super", sagte er nach dem Spiel. Natürlich lobte er mit dieser Aussage nicht die gerade zu Ende gebrachte Achtelfinalbegegnung im DFB-Pokal gegen Eintracht Braunschweig, sondern den Fan, der ihm gerade vorgestellt wurde. Dieser hatte kürzlich in einem Trikot des Bayern-Spielers geheiratet. Und dann erzählte er Ribéry auch noch, dass er auf seinem Rücken eine große "7" sowie den Namen des Franzosen eintätowiert habe.

Es war ein seltener Abend in München gewesen, an dem die Fans die Spieler mehr beeindruckt hatten als umgekehrt. Es hatte während und nach diesem 2:0-Sieg gegen den krassen Außenseiter aus der zweiten Liga auch keine Pfiffe von den Rängen gegeben, am Ende war aus der Südkurve sogar ein "Super Bayern, super Bayern" zu hören, dabei gilt das Münchner Publikum als verwöhnt.

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Zwei schöne Szenen hatten diesmal gereicht, das Volk milde zu stimmen: Ein Freistoß-Kunsttor aus rund 20 Metern von David Alaba unmittelbar vor dem Pausenpfiff, der Stimmungsretter zur richtigen Zeit; sowie ein Solo von Mario Götze mit anschließendem Flachschuss zum 2:0 (57.), das die Verhältnisse zurechtrückte, das Spiel aber nicht besser machte.

Nicht mehr getan als nötig

Vor der Partie hatte Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht eher im Scherz angekündigt, die Bayern "in unserem Sechzehner einschnüren" zu wollen. Das war ihnen tatsächlich gelungen: Die Münchner standen oft mit mehreren Spielern im gegnerischen Strafraum, verloren sich dort aber meist in fruchtlosem Kombinationsspiel. "Wir haben den Bayern keinen Raum gelassen für Torschüsse oder die Steckpässe", sagte Braunschweigs Kapitän Ken Reichel. Und Fernschüsse, von denen die Bayern viele abgaben, die werte er nicht als Torchancen.

Sicherlich hatten die Gastgeber nicht viel mehr getan als nötig, immerhin war das Weiterkommen zu keinem Zeitpunkt in Gefahr geraten. Doch hätten sich die hoch favorisierten Spieler, die zuletzt in drei Spielen gegen Erstligisten insgesamt 18 Tore schossen, einfach nur geschont, sie hätten nach dem Spiel einfach sagen können: Kann ja mal vorkommen.

Doch das taten sie nicht. Selbst der gut gelaunte Ribéry erklärte hinterher: "Das war ein komisches Spiel." Thomas Müller hatte zudem erkannt, dass man schon bald "schläfrig" geworden und das "Passspiel ein bisschen langsamer" geworden sei. Robert Lewandowski gab zu, dass man sich wenige echte Chancen erspielt hatte.

Mehr Fouls als sonst

Und Jérôme Boateng hatte beobachtet, dass die Bayern diesmal "viele Ballverluste" gehabt hätten. Ihm gebührte dann auch der Satz des Abends, der die ganze schlechte Stimmung nach dem Spiel auf den Punkt brachte: "Wir haben ganz gut angefangen, dann haben wir uns ein bisschen einschläfern lassen, und dann wurde es immer schlechter."

Ein weiteres Indiz für die eigene Unzufriedenheit: Doppelt so viele Fouls (zehn) wie etwa am vergangenen Freitag beim 4:1-Erfolg gegen den
1. FC Köln. Bastian Schweinsteiger und Dante sahen für ihr ungewohnt hartes Einsteigen jeweils eine Gelbe Karte, Letzterer löste mit seiner Grätsche eine Rudelbildung aus - unmittelbar vor dem Schlusspfiff. In München sind das ungewöhnliche Szenen.

Die Braunschweiger teilten die schlechte Laune. Trainer Torsten Lieberknecht verließ die Arena mit dem Gefühl, dass mehr möglich gewesen wäre. Und ärgerte sich, weil er die Schuld an der Niederlage nicht unbedingt bei seinen Spielern sah: "Wir hatten nicht vor, hier einen Ausflug zu machen, Kaffeeklatsch und so weiter." Und das habe man auch gesehen.

"Nicht in Top-Form"

Doch beim Schiedsrichter sei er sich diesbezüglich nicht so sicher. Der Pfiff nach einem angeblichen Foul an Arjen Robben, der letztlich zu Alabas Freistoßtreffer führte, sei unberechtigt gewesen, fand er. "Eigentlich müssen wir mit einem 0:0 in die Halbzeit gehen, das hätte noch mal einen Auftrieb gegeben."

Selbst Bayerns Trainer Josep Guardiola hörte sich etwas kritischer an als sonst, man habe sich sehr schwergetan. "Qualität hat ein Zweitligist etwas weniger, aber sie haben Herz", befand er. Wenn der FC Bayern über mehr Qualität verfügt, heißt das: Braunschweig muss mit sehr viel mehr Herz gespielt haben. Guardiola drückte es so aus: "Wir waren körperlich nicht in Top-Form."

Während die Bayern von den Fans gefeiert wurden, gehören sie selbst momentan zu ihren ärgsten Kritikern.

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