FC Bayern "Wer ausschert, wird verkauft"

Auch im Urlaub auf Ibiza hat Ottmar Hitzfeld nur den FC Bayern München im Kopf. Der Erfolgscoach kündigt seinen Spielern ein strenges Regiment an - mit Geldstrafen in sechsstelliger Höhe.


Hamburg - Ottmar Hitzfeld will mit Champions-League-Sieger FC Bayern München Bundesliga-Geschichte schreiben und den vierten Meistertitel in Folge gewinnen.

Dem 52-jährigen Coach ist allerdings bewusst, dass seine Mannschaft nach der Erfolgssaison 2000/01 satt sein könnte. "Das wird auf jeden Fall das schwerste Jahr meiner Trainerkarriere. Da kommt viel Arbeit auf mich zu", sagte Hitzfeld in einem Interview der "Bild am Sonntag", "ich werde den Spielern klar machen, dass sehr viel Disziplin nötig ist."


100.000 Mark Geldstrafe


In seiner Eröffnungsrede zur neuen Saison wird Hitzfeld am 25. Juni einen harten Kurs ankündigen: "Wer sich an meine Richtlinien hält, hat es einfach. Wer nicht bekommt Probleme. Es gibt keinen Bonus für die Champions-League-Gewinner."

Mit hohen Geldstrafen will Hitzfeld seine Spieler zur Raison bringen: "Leider reagieren einige Spieler nur auf Geld. Das ist der traurige Alltag. Die Geldstrafen müssen den steigenden Gehältern angepasst werden. Es kann schon sein, dass wir mal über 100.000 Mark reden müssen." Dauerhafte Renitenz will sich der Bayern-Trainer auf keinen Fall bieten lassen: "Wer ausschert, wird verkauft."

"Ich werde um Effenberg kämpfen"


Halten will Hitzfeld seinen Kapitän Stefan Effenberg, der die Bayern nach der Saison verlassen will: "Für mich ist sein Abschied noch nicht klar. Ich werde um ihn kämpfen und ein intensives Gespräch in der Vorbereitung mit ihm führen. Effenberg ist einfach zu wichtig für den FC Bayern."


Mindestens 90 Millionen Mark Ablöse für Lizarazu und Elber


Einem möglichen Wechsel von Abwehrchef Patrik Andersson zum FC Barcelona, über den wohl am Montag entschieden wird, sieht er gelassen entgegen. Zwar wünsche er sich, dass der Schwede beim FC Bayern bleibe, habe aber auch Verständnis, wenn er weg wolle: "Seinen Abgang können wir mit unserem Kader auffangen."

Deutlich machte Hitzfeld aber, dass er die abwanderungswilligen Bixente Lizarazu und Giovane Elber nicht gehen lassen werde, es sei denn, Vereine würden mindestens 90 Millionen Mark Ablöse zahlen, "damit wir gleichwertigen Ersatz holen können". Einem Transfer von Carsten Jancker würde er dagegen seinen Segen erteilen: Der Nationalspieler dürfe gehen, weil er in Claudio Pizarro eine "zusätzliche Alternative neben Elber habe". Mindestens 30 Millionen Mark Ablöse müssten aus dem Jancker-Transfer aber herausspringen.

Interesse an Nowotny


Hitzfeld kann sich vorstellen, ab der Saison 2002/2003 die möglichen Neuverpflichtungen Michael Ballack (Bayer Leverkusen) und Sebastian Deisler (Hertha BSC) in ein von Effenberg geführtes Team zu integrieren. Er liebe Herausforderungen, sagte der Trainer, "und das wäre eine sehr reizvolle Aufgabe." Mit dieser Einstellung will Hitzfeld auch um einen weiteren Nationalspieler werben: um Jens Nowotny, der bei Bayer Leverkusen bis 2005 unter Vertrag steht. "Ich denke, dass es 2002 eine Chance gibt, ihn zu uns zu holen."



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