Bayern-Niederlage in Leverkusen Halbe Kraft voraus

Dem FC Bayern dürfte das 0:2 in Leverkusen egal sein - die Meisterschaft ist ohnehin entschieden. Aber was bedeutet die Niederlage für die Champions League? Alles Wichtige zum Topspiel.

Bayern-Profi Schweinsteiger: Auf dem Zahnfleisch
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Bayern-Profi Schweinsteiger: Auf dem Zahnfleisch

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Ausgangslage: Bayern-Trainer Josep Guardiola hatte das Motto schon am Tag zuvor ausgegeben: "Die Bundesliga ist vorbei." Am vergangenen Spieltag hatte seine Mannschaft die Meisterschaft gewonnen, die Konzentration der von Verletzungen geplagten Münchner gilt nur noch der Champions League. Am kommenden Mittwoch tritt Guardiola bei seinem Ex-Klub FC Barcelona an (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Bayer Leverkusen brauchte für Rang drei und den direkten Einzug in die Champions League einen Sieg - und selten war es so einfach, die Bayern zu schlagen.

Ergebnis: Bayer nutzte die Gunst der Stunde und gewann erstmals ein Heimspiel gegen die Münchner seit März 2012. Die Tore zum 2:0-Sieg erzielten Hakan Calhanoglu (55. Minute) und der eingewechselte Julian Brandt (81.).

Bayerns Götze: Zwei Großchancen vergeben
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Bayerns Götze: Zwei Großchancen vergeben

Die erste Hälfte: Leverkusen stand sehr hoch, lief die auf defensive Stabilität bedachten Bayern früh an und war die optisch aktivere Mannschaft. Heraus kam ein Abseitstor von Stefan Kießling und eine gute Schusschance von Tin Jedvaj. Die Gäste hatten die beste Torchance: Mario Götze umspielte in der 27. Minute Torhüter Bernd Leno, ließ sich aber etwas zu viel Zeit, und so wurde sein Torschieber (als Schuss kann es einfach nicht bezeichnet werden) von Jedvaj deutlich vor der Torlinie geklärt.

Die zweite Hälfte: Es hätte für die Bayern anders laufen können, wenn Lewandowski-Ersatz Claudio Pizarro in der 48. Minute seine Großchance genutzt hätte. Dann ging Bayer durch Calhanoglu in Führung. Die Gäste versuchten durchaus, den Ausgleich zu erzielen, Leverkusen war nach der Pause aber die insgesamt bessere Mannschaft. Götze hatte die Möglichkeit zum 1:1, vor seinem schlechten Heber knickte der Nationalspieler jedoch leicht um. Es war immerhin kein Ausrutscher wie beim Elfmeterschießen gegen Borussia Dortmund, Bayerns Zeugwart darf wieder ruhig schlafen.

Debüt: Sie erwarten eine Geschichte zu Guardiolas Bundesliga-Debütanten Nummer zehn (Rico Strieder) und elf (Lukas Görtler)? Nein, hier soll es um Manuel Neuer gehen. Der Torhüter kassierte erstmals in seinen vier Bundesliga-Jahren für den FC Bayern ein Gegentor durch einen direkt verwandelten Freistoß.

Sololauf: In der Schlussphase verlor der eingewechselte Thiago in der gegnerischen Hälfte gegen Karim Bellarabi den Ball - das war die Vorentscheidung. Denn Bellarabi setzte zu einem unnachahmlichen Alleingang an, passte nach 60 Metern zu Brandt, der Neuer mit einem platzierten Schuss ins rechte Eck keine Chance ließ.

Zwei Gesichter des Spiels: Rico Strieder (l.) und Karim Bellarabi
AFP

Zwei Gesichter des Spiels: Rico Strieder (l.) und Karim Bellarabi

Comeback: Vor der Saison verletzte sich Javi Martínez im Supercup gegen Borussia Dortmund schwer am Knie. Von einem Totalschaden war zu lesen. Umso bemerkenswerter, dass der Defensiv-Allrounder nun zurück ist. In Leverkusen gab Martínez ein 62-minütiges Comeback, als zentraler Spieler der Dreier-Abwehrkette. Für Barcelona dürfte der Spanier nach dieser Leistung aber keine Option sein.

Spanische Schonung: Guardiola musste sich schon mal der Behauptung erwehren, zu viele spanische Spieler und Mitarbeiter um sich zu scharen. Die lauernden Kritiker könnten nun die nächste Stufe erkennen: Neuer, Lahm, Götze und Bastian Schweinsteiger standen in der Startelf, dafür saßen Thiago, Juan Bernat, Pepe Reina und Xabi Alonso auf der Ersatzbank.

Lächeln des Spiels: Als Guardiola in der 64. Minute Thiago für Philipp Lahm einwechselte, nahm der Trainer seinen Kapitän mit einem vielsagenden Lächeln in Empfang. Übersetzung: "Mir ist diese Niederlage völlig egal."

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Bayern in der Einzelkritik: Kraftloser Lahm, schwacher Götze
Erkenntnis des Spiels: Für Leverkusen hätte es nicht besser laufen können. Vorerst steht die Werkself auf dem dritten Tabellenplatz, und dort könnten sie auch bleiben. Zwar kann Borussia Mönchengladbach mit einem Sieg bei Hertha BSC am Sonntag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) vorbeiziehen, aber am kommenden Spieltag kommt es zum direkten Duell der beiden Kontrahenten.

Die Bayern dagegen: Form, personelle Lage, der kommende Gegner - im Moment spricht wenig für einen Einzug ins Finale der Champions League. Zumal der FC Barcelona völlig anders mit der aktuellen Situation umgeht. Im Meisterrennen noch gefordert, schonte Trainer Luis Enrique gegen den FC Cordoba keinen Stammspieler - heraus sprang ein imposanter 8:0-Sieg als Generalprobe.

Bayer Leverkusen - Bayern München 2:0 (0:0)
1:0 Calhanoglu (55.)
2:0 Brandt (81.)
Leverkusen: Leno - Hilbert, Jedvaj, Toprak, Wendell - Reinartz, Rolfes - Bellarabi (90. Yurchenko), Calhanoglu (75. Brandt), Son - Kießling (75. Drmic)
München: Neuer - Rafinha, Martinez (62. Benatia), Dante - Lahm (64. Thiago), Gaudino - Weiser, Strieder - Schweinsteiger, Götze - Pizarro (72. Görtler)
Schiedsrichter: Christian Dingert
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Bellarabi (5) - Dante (4), Rafinha (3), Schweinsteiger (4), Weiser (2)

insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
roppel 02.05.2015
1. Was bedeutet die Niederlage für die CL?
Es hat sich gegen eine der grössten Tretertruppen der Bundesliga niemand verletzt. Gibt Schlimmeres...
Tsaxndi 02.05.2015
2. Wen interessiert das noch,
ob die Bayern heute gewonnen, oder wie verloren oder sonstwas... Die Mannschaft hat trotz der Ausfälle und der anstehenden Aufgabe im Halbfinale der CL alles gegeben. Die Meisterschaft ist entschieden und der BVB hat 36 Punkte Rückstand. Wen interessiert das jetzt noch ausser evtl. permanente Bayern Hasser? Der Versuch hier irgendeine grandiose Taktik in eine Begegnung hineininterpretieren zu wollen ist schon sehr gewagt ;-) Perfektes Beispiel gefällig? Spox gerade: "So knackte Bayer Bayerns B-Elf" Na was denn nun :D Habe fertig
MarkusW77 02.05.2015
3.
Immer dieses abschenken des Finales der Medien oder auch vieler foristen. Das sind zwei Spiele , in denen ich beiden ein Weiterkommen zutraue. Mir wäre zwar der spanische FCB lieber, aber Chancen haben die Bayern allemal.
gustav65 02.05.2015
4. Man ist die Bundesliga schwach,
ein diesjähriger Champions-League-Teilnehmer schafft es mit Ach und Krach in einem Heimspiel Bayerns C-Elf zu schlagen. Respekt
appenzella 02.05.2015
5.
Was Guardiola nicht zu beherrschen scheint, das ist, die kräfte seiner Mannschaft so einzuteilen, daß der Formhöhepunkt mit den entsprechenden Herausforderungen im Verlauf der Saison übereinstimmt. Letztes Jahr flogen die Bayern im Halbfinale gegen Real Madrid raus, und dieses Jahr könnte sich das gegen den FC Barcelona wiederholen. Selbst wenn sie Barca schlagen und ins Finale kommen, was beim derzeitigen Zustand der Mannschaft ein kleines Wunder wäre, bräuchte es danach gegen wen auch immer ein großes Fußballwunder, um die CL zu gewinnen. Gelegentlich gibt es ja Fußballwunder, aber ich würde mich wundern, wenn Bayern bei DER Verletztenmisere Wunder am Fließband produzieren. Halten wir es doch einfach mit dem kaiserlichen Simpel Franz B. und sagen "Schaun mer mal" Grüezi
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