Wenger gegen Mourinho Unter Feinden

José Mourinho gegen Arsène Wenger, dieses Duell ist legendär. Zu Saisonbeginn beendete Wenger eine katastrophale Serie gegen seinen portugiesischen Widersacher. Jetzt hat der Franzose beste Chancen, ihn auch in der Liga erstmals zu bezwingen.

AFP

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José Mourinho wartete vor dem Treppenabgang, als die Arsenal-Spieler nach der Ehrung von der Tribüne kamen. Sie hatten gerade den FC Chelsea 1:0 besiegt und den Community Shield, den englischen Supercup, gewonnen. Mourinho gab jedem einzelnen Spieler zur Gratulation die Hand.

Später sagte "The Special One", er habe an einem Ort gestanden, "wo man mich nur verpasst, wenn man mich verpassen will". Und einer verpasste den Portugiesen. Arsenal-Coach Arsène Wenger verschwand im Rücken seines Trainerkollegen. Er wollte ihn lieber allein genießen, den Pokalgewinn und seinen ersten Sieg über Erzfeind Mourinho.

Fußball ist geprägt von Rivalitäten. Sie verleihen Begegnungen zusätzlichen Reiz und geben Anhängern wie Spielern zusätzlichen Ansporn - und manchmal auch den Trainern. In England geht es im eh schon brisanten Londoner Derby zwischen Arsenal und Chelsea fast nur um Wenger und Mourinho. Am Samstag (13.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) kommt es in der Premier League wieder zum direkten Duell. Wenger hat sehr gute Chancen, seinen ersten Erfolg gegen Mourinho zu feiern.

Chelsea hat die Spielzeit katastrophal begonnen, holte nur vier Punkte in fünf Partien. Mit einer so schlechten Ausbeute waren die "Blues" unter Mourinho noch nie gestartet. Arsenal hingegen liegt mit zehn Punkten auf dem vierten Rang. Ein Sieg über seinen größten Rivalen würde Wengers guten Start veredeln. Dem Portugiesen dabei den Saisonstart endgültig zu vermiesen, wäre wohl eine zusätzliche Genugtuung. Wenger würde damit auch eine miserable persönliche Bilanz aufwerten.

Mourinho liegt in der direkten Bilanz klar vorn

Vor der Niederlage im diesjährigen Supercup war Mourinho in allen 13 Partien gegen Wenger unbesiegt geblieben. Sechs Spiele endeten remis, siebenmal musste Wenger sich geschlagen geben. Die größte Demütigung erlitt der Franzose 2014 bei seinem 1000. Spiel auf Arsenals Trainerbank, als Chelsea den Stadtrivalen 6:0 besiegte. Aber nicht nur in direkten Duellen liegt Mourinho klar vorn. In insgesamt fünf Saisons mit Chelsea holte der Portugiese dreimal die englische Meisterschaft. Auch in den anderen beiden Spielzeiten unter Mourinho blieb Chelsea (Zweiter und Dritter) vor Arsenal mit Wenger (zweimal Vierter).

Die Rivalität geht jedoch weit über das rein Sportliche hinaus. Sie läuft seit der Rückkehr Mourinhos zum FC Chelsea bereits in der zweiten Runde, damals wie heute wird der Streit immer wieder persönlich. Mourinho bezeichnete seinen Trainerkollegen in seiner ersten Amtszeit als "kranken Voyeur" (2005), in seiner zweiten als "Spezialisten im Verlieren" (2014). Wenger, eigentlich der eher ruhige Trainertyp, konterte 2005: Mourinho "ist kaputt, respektlos, er hat den Bezug zur Realität verloren. Erfolg macht dumme Menschen manchmal noch dümmer und nicht intelligenter".

Erfolg hatte Mourinho in seiner Karriere fast immer und ist dabei viel herumgekommen: als Cheftrainer holt er 21 nationale Titel mit vier verschiedenen Klubs in Portugal, Spanien, Italien und England. Dazu gewann der 52-Jährige zweimal die Champions League und einmal den Uefa Cup.

Wenger dagegen steht für Vereinstreue. Acht Jahre trainierte er beim AS Monaco, wurde je einmal französischer Meister und Pokalsieger. Bei Arsenal ist der 65-Jährige schon in seiner 20. Spielzeit aktiv, holte seit seinem Amtsantritt dreimal die Meisterschaft sowie je sechsmal den FA Cup und den englischen Supercup. Von 2005 bis 2013 blieb er jedoch komplett ohne Titel. "Wenn ich in Chelsea acht Jahre lang keinen Titel hole, dann gehe ich weg und komme nicht wieder", sagte Mourinho 2014.

Unterschiedliche Spielphilosophien

Neben allen persönlichen Differenzen gehen auch die sportlichen Philosophien der Trainer weit auseinander. Schon in Mourinhos zweiter Saison in der Premier League hatte Wenger, ein Freund des Offensivfußballs, die defensive, destruktive Spielweise Chelseas kritisiert: Durch Mannschaften, die sich weigern, die Initiative zu ergreifen, sei "der Sport in Gefahr". Hämische Kommentare Mourinhos, dass Arsenal sehr viel Geld investiere, ohne die Meisterschaft zu gewinnen, wies Wenger oft damit zurück, dass Arsenal im Gegensatz zu Chelsea auch darauf setze, eigene Nachwuchsspieler zu entwickeln.

Nach dem Erfolg im Community Shield sagte Wenger: "Ich habe einige Hände geschüttelt nach dem Spiel, aber da ist nichts Besonderes bei." Mourinho die Hand zu geben, war besonders genug, um es nicht zu tun. Wenger deutete an, dass ihm von Seiten seines Widersachers der Respekt fehlte: "Ich glaube an einen Job, in dem man jeden respektieren muss."

Auf dem Weg in die Katakomben warf Mourinho seine Medaille ins Publikum, in die Hände eines jungen Arsenal-Fans. Für diesen sei es "eine schöne Erinnerung", sagte der Chelsea-Coach später. "Für mich wäre es eine Verlierermedaille gewesen. Ich hasse so etwas."



insgesamt 11 Beiträge
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Prof. Dr. Charles Bronson 19.09.2015
1. Mourinho
ist ein verzogener Idiot. Bis auf seine Anfangszeit in Porto hat er auch nicht mehr beweisen können, eine Mannschaft aufbauen zu können, ohne mit hunderten Millionen um sich zu werfen.
TheDjemba 19.09.2015
2.
Zitat von Prof. Dr. Charles Bronsonist ein verzogener Idiot. Bis auf seine Anfangszeit in Porto hat er auch nicht mehr beweisen können, eine Mannschaft aufbauen zu können, ohne mit hunderten Millionen um sich zu werfen.
Auch das ist eine Kunst, Millionen um sich zu werfen und trotzdem Erfolg zu haben. Mourinho würde jetzt sagen, nicht einmal das schafft der Herr Wenger. Mir fallen nur eine Handvoll Trainer ein, die in jedem Verein konsequent erfolgreich sind, egal wie die Bedigungen aussehen. Von daher, Hut ab vor seinem Erfolg. Aber nicht vor seiner Attitüde. Da ist mir ein Wenger lieber.
spadoni 19.09.2015
3.
Arsène Wenger hat recht, Mourinho hat jeden Bezug zur Realität verloren. Seine angeberische Selbstüberschätzung ist einfach unerträglich! Wenn der sich der FC Chelsea in den nächsten Spielen nicht stark verbessert und keine Siege einfährt, muss AUCH der selbt ernannte "The special one" dran glauben, was wäre ihm zu gönnen wäre. Das würde Ihn vielleicht auf den Boden der Tatsachen zurück bringen!
Coordt 19.09.2015
4.
Mourinhos Erfolge basieren zu einem nicht unerheblichen Teil auf einem nahezu paranoiden Alle-gegen-uns-Teamgeist. Den gewonnenen Titeln zum Trotz implodieren seine Teams schon nach wenigen Jahren, weil es für die Spieler sehr belastend ist, ständig eine solche Spannung aufrecht zu erhalten. In England ist daher schon von Mourinhos 3-Jahres-Zyklus die Rede – eine weitere Eigenschaft, in der Wenger nicht unterschiedlicher sein könnte. Mal sehen wie es mit Chelsea weitergeht. Immerhin fällt deren katastrophaler Saisonstart passend in Mourinhos drittes Jahr.
koka_banana 19.09.2015
5. Als Trainer von
Real Madrid, Chelsea und selbst Inter Mailand kann auch ich als Freizeitfussballer Titel holen. So Leute wie Mourinho oder Guardiola (konnte zumindest besser Fußball spielen als Mourinho) haben bisher nur Top Vereine trainiert. Das ist keine besondere Kunst.
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