FC Everton Der Liverpooler Klub, der Klopp gefährlich werden will

Der FC Everton plant mit einem neuen Stadion in bester Lage die Zukunft. Die Chancen stehen gut, dass er in dieser Saison den großen Stadtrivalen ärgern kann.

Der Goodison Park in Liverpool könnte bald durch ein neues Stadion ersetzt werden
Jan Kruger/Getty Images

Der Goodison Park in Liverpool könnte bald durch ein neues Stadion ersetzt werden

Aus Liverpool berichtet


Kurz vor dem Spiel heulen die Sirenen. Sie heulen so laut, dass man erschrickt, wenn man das Ritual nicht kennt. Man muss schon wissen, dass sie zum Programm gehören im Stadion des FC Everton, dem Goodison Park. Sie kündigen den Einmarsch der Mannschaften an und signalisieren den Zuschauern, die in England aus Tradition erst kurz vor Anpfiff ihre Plätze einnehmen, dass es gleich losgeht.

Bei der Partie gegen die Wolverhampton Wanderers am vergangenen Sonntag gebot es sich, rechtzeitig zu kommen, denn das Spiel brauchte keinen Anlauf. In der fünften Minute gingen die heimischen "Toffees" durch den Brasilianer Richarlison in Führung, nach elf Minuten stand es 2:1, am Ende gewann der Nachbar des FC Liverpool 3:2 und ließ dem akustischen Signal auch ein fußballerisches folgen.

Es lautete: Mit Everton ist zu rechnen in dieser Saison. Der Klub ist - neben Leicester City, West Ham United und den Wolves - einer der Kandidaten, die in den Kreis der großen sechs Klubs der Premier League vordringen und Manchester United, den FC Chelsea oder den FC Arsenal aus dem elitären Zirkel verdrängen könnten.

Ein neues, teures Stadion

Überhaupt geht es im Moment viel um Ambitionen bei Everton. Der Verein hat in der Sommerpause die Pläne für ein neues Stadion enthüllt. Die Spielstätte soll 52.000 Zuschauern Platz bieten, rund eine halbe Milliarde Pfund kosten und 2023 bezogen werden. Anders als so oft bei Stadionneubauten ist als Standort kein Industriegebiet am Stadtrand vorgesehen, sondern das stillgelegte Bramley-Moore Dock am Fluss Mersey. Eine Lage mit mehr Prestige gibt es in Liverpool kaum.

Das Stadion würde sich in die berühmte Postkartenansicht der Stadt einfügen und nebenbei zur Entwicklung des Areals beitragen. Bürgermeister Joe Anderson, ein bekennender Everton-Fan, hofft, dass im nördlichen Teil des alten Hafengebiets insgesamt 25.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Dafür ist er auch bereit, den Status der Docklands als Unesco-Weltkulturerbe zu riskieren. "Es ist wichtiger, die Zukunft unserer Stadt und unserer Enkel zu sichern, als ein heruntergekommenes Gelände zu schützen", zitiert ihn die BBC.

Die Gegenwart findet für Everton allerdings noch im etwas windschiefen aber charmanten Goodison Park statt, nur rund zehn Fußminuten von der Anfield Road entfernt. Die Endphase der vergangenen Saison hat bei den Fans Zuversicht ausgelöst. Es gab ein Remis gegen den FC Liverpool - es war das bisher letzte Mal, dass Jürgen Klopps Mannschaft in der Liga Punkte ließ - und Siege gegen Chelsea, Arsenal und Manchester United. In der neuen Spielzeit steht Everton nach vier Partien bei passablen sieben Zählern.

Richtige Entscheidungen nach falschen Entscheidungen

"Wir haben gezeigt, dass wir jeden Gegner schlagen können. Es muss unser Ziel sein, in die Top Sechs vorzudringen", sagt Jamie Yates. Er ist seit seiner Kindheit Fan der "Toffees", recherchiert zur Geschichte des Vereins und hat bis vor einer Weile sogar in einem der Backsteinhäuser im Schatten des Goodison Parks gewohnt. Er ist davon überzeugt, dass der Klub zum ersten Mal seit langer Zeit die richtigen Entscheidungen trifft, nachdem Everton in der jüngeren Vergangenheit oft danebenlag. Trainer wie Ronald Koeman und Sam Allardyce und teure Transfers wie Davy Klaassen, Theo Walcott und Cenk Tosun haben den neunmaligen Meister nicht vorangebracht.

Zugang Fabian Delph klatscht mit seinem Trainer Marco Silva ab
Paul Ellis/AFP

Zugang Fabian Delph klatscht mit seinem Trainer Marco Silva ab

Zu den richtigen Entscheidungen gehört dagegen der aktuelle Coach Marco Silva, den der FC Watford im Januar vergangenen Jahres nach Evertons Abwerbeversuch entließ. Er hat sich mit dem starken Finale der abgelaufenen Saison das Vertrauen des Publikums erworben. Zudem scheinen Zugänge wie der von Manchester City übernommene Fabian Delph oder der von Arsenal gekommene Alex Iwobi echte Verstärkungen zu sein. Hinzu kommt der Transfer von Italiens Jungstar Moise Kean von Juventus.

Mit diesen Spielern hat Everton das Potenzial, Gästefans mit erfolgreichem Fußball zu erschrecken - und nicht bloß mit dem Klang der Sirene vor dem Spiel. Solange sie noch im Goodison Park ertönt.

Mehr zum Thema


insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Nonvaio01 07.09.2019
1. der coach ist gut
das hat man an Watford gemerkt, aber das Team ist in der Breite einfach nicht gut besetzt, mit dem neuen statdion scheint dort aber eine langfristige entwicklung geplant zu sein. Das Team jedes jahr fuer die naechsten 3 jahre mit 2-3 guten spielern staerken, den Coach behalten und nicht gleich feuern und dann koennte es etwas werden.
meresi 08.09.2019
2. Na super
da wird sich der Besitzer vom The Bramley Moore aber freuen. Da kann er dann auch außen mal ne Renovierung durchführen, innen ist es eh nicht so schlecht. Vom Zentrum, Out to Lunch(Sandwiches of destinction, lol) an der Old Hall St, ungefähr 30 Minuten zu Fuß. Mal schaun ob Klopp ein Bett für mich frei hat wenn es zur Eröffnung kommt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.