Aufstiegsfavorit Ingolstadt Werksteam wider Willen

Der FC Ingolstadt ist die Überraschung der 2. Bundesliga, die Mannschaft führt souverän die Tabelle an. Das Geld von Hauptsponsor Audi hilft, aber ein Werksteam will der Verein partout nicht sein.

DPA

Aus Ingolstadt berichtet


Im Medienraum des FC Ingolstadt, in dem der Verein seine Pressekonferenzen vor den Spielen abhält, stehen acht Stühle. Dort sitzen dann die Kollegen vom "Donaukurier", von der "Neuburger Rundschau", vom Stadtmagazin "Espresso" und vom Lokalradio Galaxy.

Das dürfte sich bald ändern. Wie sich so vieles ändern wird bei dem Klub, der zum Zweitligastart ins Jahr 2015 die Tabelle so souverän anführt, dass fast jeder davon ausgeht: Dieser FC Ingolstadt wird zeitnah der nächste Erstligist im deutschen Fußball sein. Acht Stühle werden dann nicht mehr ausreichen.

Der FC Ingolstadt geht in die Partie am Freitag bei Greuther Fürth (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit einem Vorsprung von sieben Punkten auf die Konkurrenz, die ausschließlich prominentere Namen trägt: Düsseldorf, Karlsruhe, Kaiserslautern. Große des Fußballs, deutsche Meister, Pokalsieger, aber alle sehen in dieser Saison gegen den FCI sehr klein aus. Oder wie Ingolstadts Trainer Ralph Hasenhüttl es ausdrückt: "Wir sind sensationell durch die Halbserie marschiert."

100 Jahre jünger als der FC Schalke 04

Elf Siege, nur eine einzige Niederlage, die meisten geschossenen Tore - die Rede ist von einem Klub, der in der Vorsaison noch froh war, die Spielzeit als Zehnter beendet zu haben. Davor war Ingolstadt 14., 12. und 13. in der zweiten Liga. Den FCI, Spitzname "Die Schanzer", gibt es erst seit zehneinhalb Jahren, er trägt stolz im Vereinsnamen den Zusatz "04", so wie Schalke. Nur dass die Gelsenkirchener 100 Jahre älter sind.

Nur wenig mehr als eine Dekade bis zum möglichen Bundesligaaufstieg: Die Entwicklung in Ingolstadt verlief schneller, als alle Verantwortlichen gedacht haben. Harald Gärtner, der Geschäftsführer Sport, sagt: "Wir haben das Gefühl, dass wir jetzt belohnt werden für all das, was wir investiert haben." Gärtner ist seit 2006 beim FCI tätig, damals saßen die Mitarbeiter in einem ordinären Wohnhaus, die Abteilungen des Vereins, der aus den beiden Klubs ESV und MTV zusammengefügt wurde, waren über die ganze Stadt verteilt. Heute steht am Rand der Stadt eine schmucke Geschäftsstelle, angegliedert ist ein modernes Leistungszentrum. Gärner schaut aus seinem Büro auf das neu gebaute Stadion und sagt: "Wir genießen derzeit einfach alles, was passiert."

Vote
Zweite Bundesliga

Steigt der FC Ingolstadt in dieser Saison in die Bundesliga auf?

Dass der FCI von anderen gerne als Audi-Werksklub abgetan wird, ärgert den Geschäftsführer nicht mehr. "Soll ich mich dafür entschuldigen, wenn der größte Arbeitgeber der Region unser Hauptpartner ist?", fragt er. Ingolstadt ist Audi-Stadt. 130.000 Einwohner, 31.000 Audi-Mitarbeiter. Das Geld von Audi hat dem Klub weitergeholfen, das neue Stadion heißt "Audi-Sportpark", als Audi-Verein sieht sich trotzdem keiner. Der Jahresetat des FC liegt bei 8,5 Millionen Euro. Das ist ungefähr die Summe, die Mitkonkurrent RB Leipzig allein in der Winterpause für Verstärkungen ausgegeben hat.

Und wenn man auf den Kader des FCI schaut, dann fehlen tatsächlich die Hochkaräter. Noch, muss man sagen. Mittelfeldregisseur Pascal Groß wurde in der Winterpause vom "Kicker" zum besten Spieler der zweiten Liga gekürt, in der Rangliste des Magazins stehen sieben Ingolstädter Spieler unter den Besten. In der Vorsaison war es noch kein einziger.

Stärken betonen, Schwächen kaschieren

Märchen, Wunder - das sind Worte, mit denen man in Ingolstadt nicht weiterkommt. Der Trainer zum Beispiel ist einer, der so etwas gar nicht gerne hört. "Natürlich gibt es Gründe, warum wir da oben stehen", sagt der Österreicher, und er müsste sich vermutlich zuallererst selbst nennen. Als Hasenhüttl das Team vor anderthalb Jahren übernahm, war es Letzter der Zweiten Liga. Er hat seitdem der Mannschaft sein System verpasst und den Spielern unaufhörlich gepredigt, dass sie ihre Stärken betonen und ihre Schwächen kaschieren müssten.

Was in dieser Saison bisher optimal funktioniert hat. Seit dem achten Spieltag steht Ingolstadt auf Platz eins der Tabelle, und die Spieler haben sich langsam an die ungewohnte Höhenluft gewöhnen können. "Mir ist wirklich nicht bange, dass wir nachlassen", sagt Hasenhüttl, Käppi auf dem Kopf und leuchtende Augen selbst bei einer normalen Pressekonferenz. Man denkt unweigerlich an Jürgen Klopp in guten Tagen.

2000 Dauerkarten hat der FC Ingolstadt vor der Saison verkauft, in der Winterpause sind noch einmal 2800 hinzugekommen, das sind alles noch vergleichsweise bescheidene Zahlen, aber "wir haben uns unglaublich viel Kredit erarbeitet", sagt der Trainer. In Ingolstadt regierte bislang das Eishockey, "jetzt haben sich die Leute auch in den Fußball verliebt". Der FCI hat in der Winterpause mit Thomas Pledl und Max Christiansen zwei U20-Auswahlspieler als Verstärkung verpflichtet, "dass sie jetzt zu uns kommen, sagt doch schon viel aus", sagt Gärtner.

Im Hintergrund wirkt Sportdirektor Thomas Linke, der ehemalige Nationalspieler, einer, der um seinen Job nicht viele Worte macht. An Hasenhüttls Seite steht als Assistent Michael Henke, der als Co-Trainer von Ottmar Hitzfeld zweimal die Champions League gewann. In Ingolstadt ist etwas gewachsen, und für Gärtner und Hasenhüttl wäre es gar nicht mehr erstaunlich, wenn sie im kommenden Jahr an Traditionsvereinen wie Hertha BSC oder dem VfB Stuttgart vorbeiziehen würden. "Es soll bloß keiner glauben, dass wir hier nachlassen", sagt der Trainer: "Der Gegner, der uns schlagen will, bei dem muss schon an dem Tag alles stimmen."

So wie beim FCI. In der Vorbereitung spielte das Team gegen den Schweizer Traditionsklub Grashoppers Zürich. Ingolstadt gewann 6:0.



insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ogniflow 06.02.2015
1. Weiter so
Dortmund,Hertha und der HSV runter.Ingolstadt,Darmstadt und Fürth rauf.Dann hat die 2.Liga einen höheren Zuschauerdurchschnitt als die Bundesliga.Klingt doch lustig.
funatiker 06.02.2015
2. herjeh
wird die Sportredaktion aus Hannover gesteuert. , oder warum wird Eintracht Braunschweig nur dann erwähnt, wenn es irgendwelche Probleme welcher Natur auch immer gibt? Da die Eintracht punktgleich mit den zweiten und dritten ist und sogar einen Punkt mehr als der großartige 1.KFC, dann auch no h letztes Jahr erste Liga gespielt hat, und allen Fussballbegeisterten mit hervorragenden sportlichen Fans aufgefallen sind, könnte man sie mit zwei Worten erwähnen.
treime 06.02.2015
3. Ingolstadt, Zuschauer?
Paßt nicht. Genau wie bei Auswärtsspielen der Hoffenheimer, verirren sich bei solchen Spielen der Ingolstädter maximal 100-200 "Fans" in die gegnerischen Stadien. Da wird mit Kapital und Management etwas geschaffen, aber auf einem Boden, der noch keine keine Anhängerschaft hat. Ingolstadt in der 1. Liga? Wahrscheinlich. Und leider. Leider bekommen es andere Vereine nicht gebacken mit Kapital von aussen etwas auf die Beine zu stellen (1860 zB). Alle wollen wie Augsburg dauerhaft die 1. Liga sichern, aber einige Vereine haben noch alte Führungen, die an jeder Stelle Steine werfen, wo es nur geht. Sorry, aber ich finde Spiele mit Ingolstädter oder gar Beteiligung von "Paderborn" in der 1. Liga einfach nur uninteressant. Spiele der Hoffenheimer sind genauso uninteressant, wie die von "es einfach nicht auf die Reihe kriegenden" Stuttgarter...
postit2012 06.02.2015
4. Zwar schießt Geld keine Tore,
Tradition aber auch nicht. Schönes Wochenende postit
dr.schnabel 06.02.2015
5. ?
Zitat von funatikerwird die Sportredaktion aus Hannover gesteuert. , oder warum wird Eintracht Braunschweig nur dann erwähnt, wenn es irgendwelche Probleme welcher Natur auch immer gibt? Da die Eintracht punktgleich mit den zweiten und dritten ist und sogar einen Punkt mehr als der großartige 1.KFC, dann auch no h letztes Jahr erste Liga gespielt hat, und allen Fussballbegeisterten mit hervorragenden sportlichen Fans aufgefallen sind, könnte man sie mit zwei Worten erwähnen.
Sie meinen diese hier? http://www.neuepresse.de/Hannover-96/Aktuell/Totes-Schaf-Neue-Ekelattacke-gegen-Hannover-96
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.