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Ex-Kölner Pezzoni: Bedroht und schikaniert

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Fan-Attacke auf Pezzoni Bis zum bitteren Ende

Er wurde ausgebuht und bedroht. Seit Wochen musste Kölns Kevin Pezzoni heftige Anfeindungen von eigenen Fans ertragen. Nun hat er aus Angst seinen Vertrag gekündigt. Der Club schaffte es nicht, den Fußballprofi zu schützen.

Hamburg - Kevin Pezzoni hatte Angst, Fehlpässe zu spielen. Er hatte Angst, seine Wohnung zu verlassen. Kevin Pezzoni hatte Angst vor seinen eigenen Fans. Anhänger des 1. FC Köln hatten dem 23-jährigen Fußballprofi vor seinem Zuhause aufgelauert, ihn bepöbelt, ihn bedroht. Sie klebten Zettel an sein Auto, auf denen stand, dass sie ihm wehtun werden.

Pezzoni stand bis Freitagabend bei den Kölnern unter Vertrag. Mittlerweile hat er seinen Kontrakt aufgelöst, er konnte nicht mehr. In den vergangenen Tagen waren die Anfeindungen gegen ihn angestiegen. Bei Facebook wurde die Gruppe "Kevin Pezzoni muss weg!!!" gegründet, die Initiatoren forderten die Fans auf, Pezzoni und Co. "aufzumischen". "Wir brauchen 50.000 leute, das ist das Ziel!!!", schrieb der Gründer. Ein anderer User äußerte sich: "Weg mit der Ratte !!!!"

Die Kölner Mannschaft hat sich vom Verhalten seiner Fans distanziert. "Wir erwarten Fairness und Respekt im Umgang mit jedem einzelnen Spieler", hieß es in einem offenen Brief nach dem Rücktritt Pezzonis. Der sagte: "Es freut mich, zu lesen, wie viel Unverständnis wir gemeinsam gegenüber Mobbing, Beleidigungen, Gewalt und Co. haben."

Köln-Fans fielen schon mehrfach negativ auf

Pezzoni hat in Köln schon länger einen schweren Stand. Beim Karneval brach ihm im Februar ein Fan die Nase. "Wir stehen Kevin Pezzoni zur Seite, verurteilen die schändliche Tat und erwarten, dass der Täter zur Rechenschaft gezogen wird", sagte Club-Boss Claus Horstmann damals. Doch dem Verein gelang es nicht, zwischen Spieler und Fans zu vermitteln.

Als der FC vergangenen Montag in Aue verlor, musste Pezzoni ausgewechselt werden, weil er kurz vor einer Gelb-Roten Karte stand. Die Fans machten ihn zum Sündenbock. "Ich habe das Gefühl, dass im Moment mit Kevin Pezzoni ein Spieler Richtung Schlachtbank geführt wird, das werde ich nicht tolerieren", sagte Holger Stanislawski. Doch auch der Trainer schaffte es nicht, die Stimmungsmache zu beenden.

Die Bedrohung Pezzonis ist der weitere Tiefpunkt einer negativen Entwicklung im Umfeld des 1. FC Köln. Sicher, auch bei anderen Vereinen im deutschen Profi-Fußball gibt es Probleme. Fans von Eintracht Frankfurt stürmten im Mai 2011 den Platz, zerstörten eine 600.000 Euro teure Spezialkamera. Vor vier Monaten randalierten Anhänger des Karlsruher SC nach dem Relegationsspiel gegen Regensburg, Vereinsmitarbeiter wurden eingekesselt, der Platz ebenfalls gestürmt.

Allerdings haben sich in Köln die Auffälligkeiten zuletzt gehäuft. Teile der Anhänger hatten in den vergangenen Jahren schon mehrfach mit gewalttätigen Aktionen für Aufsehen gesorgt.

  • 25. April 2011: Mitten im Abstiegskampf der Saison 2011/2012, am Ostermontag, einen Tag nach der 1:4-Niderlage beim VfL Wolfsburg, kommen die Kölner Spieler zum Training. Auf dem Platz dann der Schock. Auf den Werbebanden haben einige Anhänger eine brutale Botschaft hinterlassen: "Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot!" Der damalige FC-Trainer Frank Schaefer sagte: "Das hat mich schockiert. Das hat nichts mit Fußball oder Kritik zu tun. Das ist völlig daneben und destruktiv."

  • 5. März 2012: Auf dem Rückweg vom Spiel in Nürnberg werden Fans von Borussia Mönchengladbach in ihrem Bus auf der Autobahn 3 in Höhe Bad Honnef/Linz von mehreren mit Kölner Anhängern besetzten Wagen mehrfach ausgebremst und abgedrängt. Auf dem Rastplatz Siegburg-Ost griffen die teilweise vermummten Kölner Fans den Bus an und schlugen Scheiben ein. Die Polizei durchsuchte später ein Vereinsheim der Ultragruppe "Wilde Horde" in Köln und Wohnungen von mehr als 20 mutmaßlichen Mitgliedern.

  • 21. April 2012: Mit dem FC symphatisierende Hooligans lauern Michal Kadlec vom Rivalen Bayer Leverkusen vor einer Disco auf und brechen ihm das Nasenbein. Die Polizei bestätigt später, dass zwei Männer, die als "Gewalttäter Sport" einschlägig bekannt waren, als Täter ermittelt wurden. "Ich war perplex. Meine Nase hat sofort stark geblutet, und meine Freundin war geschockt. Die Männer hatten sich als FC-Fans zu erkennen gegeben, mich kurz beleidigt. Und dann spürte ich schon einen heftigen Schlag. So etwas hatte ich absolut noch nie erlebt, weder in Köln noch in meiner Heimat Tschechien", sagte Kadlec.

  • 5. Mai 2012: "Es ist eine Schande, was hier abgegangen ist. So etwas gehört nicht ins Fußballstadion", sagte Bayerns Mario Gomez. Gemeint waren Teile der Kölner Fans, die am letzten Bundesliga-Spieltag der Saison 2011/2012 nach dem 1:4 gegen die Münchner und dem damit einhergehenden Abstieg Rauchbomben im eigenen Stadion zündeten und Pyrotechnik abbrannten. Schiedsrichter Florian Meyer blieb nichts anderes übrig, als die Partie einige Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit zu beenden, damit die Profis beider Teams sicher in die Kabinen kommen konnten.

leh/chp
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