Sensation im Halbfinale Football, bloody hell

Eine große, denkwürdige Partie: Der FC Liverpool drehte ein 0:3 - und konnte sich dabei auf Spieler verlassen, die sonst eher in Nebenrollen agieren. Es war auch ein Triumph Klopps im Duell der Trainer.

Liverpools Jordan Henderson nach dem Schlusspfiff
Carl Recine/ REUTERS

Liverpools Jordan Henderson nach dem Schlusspfiff

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Die Szene des Spiels: Liverpools Trent Alexander-Arnold stand in der 79. Minute zur Ausführung eines Eckballs bereit. Er ging ein, zwei Schritte ins Feld und die Abwehr der Gäste begann, sich zu sortieren. Doch Alexander-Arnold erkannte die kollektive Schlafmützigkeit Barças und führte den Eckball schnell aus - am Fünfmeterraum schaltete als einziger Spieler Liverpools Divock Origi, der den Ball aus kurzer Distanz am verdutzten Marc-André ter Stegen vorbei ins Tor schoss. Eine in ihrer Schnelligkeit einstudierte Variante, wie der Torschütze nach Spielschluss bestätigte. Es war das 4:0, Liverpool hatte das 0:3 aus dem Hinspiel gedreht.

Das Ergebnis: Der FC Liverpool hat das Rückspiel im Champions-League-Halbfinale 4:0 (1:0) gegen den FC Barcelona gewonnen. Damit stehen die Reds wie im Vorjahr im Endspiel der Königsklasse. Hier geht es zum Spielbericht.

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Liverpools 4:0 gegen Barcelona: This is Anfield

Die erste Hälfte: Die Reds begannen rasant. Nach nicht einmal 60 Sekunden tauchte Xherdan Shaqiri zum ersten Mal gefährlich im Strafraum auf. Dann köpfte Jordi Alba den Ball in den Lauf von Sadio Mané, der leitete weiter auf Jordan Henderson. Der Mittelfeldspieler scheiterte zunächst noch an ter Stegen, doch Origi verwertete den Abpraller (7. Minute). Barça wusste sich rund um das 1:0 der Gastgeber teils nur mit wilden Befreiungsschlägen zu helfen. Doch Barcelona erlangte nach und nach die Kontrolle in einem Hochgeschwindigkeitsspiel, Philippe Coutinho (18. Minute) und Lionel Messi (19.) vergaben die besten Chancen der Gäste. Nach dem Schuss von Andrew Robertson (23.) beruhigte sich das Geschehen. Erst in der Nachspielzeit gab es wieder Gelegenheiten für Messi (45.+3) und Jordi Alba (45.+4).

Die zweite Hälfte: Begann noch rasanter. Nach vergebenen Chancen von Virgil van Dijk (50.) auf der einen und Luis Suárez (51.) auf der anderen Seite kamen die 122 Sekunden des Georginio Wijnaldum: Erst verwertete er in der 54. Minute eine Hereingabe von Alexander-Arnold vom rechten Flügel, nur 122 Sekunden später köpfte er eine Flanke von Shaqiri unhaltbar für ter Stegen in den Winkel (56.). Barcelona kam nur noch einmal gefährlich durch Messi vors gegnerische Tor (68.), bevor Origi den Gästen den Knock-out verpasste.

Déjà-vu für Alisson: In der Vorsaison stand Alisson Becker bei einer der größten Überraschungen der Champions-League-Geschichte im Tor, dem 3:0 der Roma im Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Barcelona nach einem 1:4 im Hinspiel. Ein Jahr später war er Teil einer noch größeren Sensation. Der Kauf des Brasilianers war einer der Schlüssel für ein noch stärkeres Liverpool 2018/2019 gegenüber 2017/2018.

Gestern Relegation, morgen Champions-League-Finale: Am 18. Mai 2018 hatte Origi Grund zum Jubeln: Sein VfL Wolfsburg hatte das Relegations-Rückspiel bei Holstein Kiel 1:0 gewonnen, die Wölfe blieben in der Bundesliga. Ein Jahr später hat der Belgier mit zwei Treffern für den Finaleinzug der Reds gesorgt - es waren seine beiden ersten Tore in der Königsklasse. Was für ein Aufstieg.

Der Ersatz sticht: Fußball ist ein Sport, der gerne im Konjunktiv betrieben wird. Was wäre nur möglich, wenn Liverpool die Aufholjagd mit Mohamed Salah und Roberto Firmino statt Origi und Shaqiri hätte angehen können, so fragten sich viele Beobachter vor der Partie. Und vor allem Shaqiri blieb zunächst auch vieles schuldig: In keinen einzigen Zweikampf verwickelte er seine Gegenspieler in der ersten Hälfte, seine Passquote war weit unter Durchschnitt und zwölf Ballverluste beschworen zahlreiche Angriffe Barcelonas hervor. Doch in der Fußballgeschichte wird seine Flanke zum 3:0 von Wijnaldum bleiben, der überhaupt erst durch die Verletzung von Robertson zur zweiten Hälfte in die Partie kam.

Klopps Triumph, Valverdes Drama: "Woran misst man Erfolg im Fußball? An Toren? Titeln? Oder bleibt Platz für anderes?" Das fragte SPIEGEL ONLINE nach dem tollen Hinspiel der Reds in Barcelona. Dieses "andere" hat Jürgen Klopp nun tatsächlich zum Erfolg geführt: die Leidenschaft, der Glaube. So sehr Liverpools Trainer noch hoch erhobenen Hauptes nach der Hinspielniederlage aus Barcelona abreisen konnte, so geschlagen verlässt Ernesto Valverde Liverpool. Seine Entscheidung pro Coutinho und contra Nélson Semedo entpuppte sich als Fehlgriff, eine Stunde lang sah er zu, wie seine linke Seite schwächelte: 33 (!) Ballverluste leisteten sich Coutinho und Jordi Alba.

Zukunftsaussichten: Trotz der erst kürzlich erfolgten Vertragsverlängerung Valverdes könnte ihm dieses erneute Desaster den Job kosten. Sein Gegenüber Klopp darf hingegen nach sechs verlorenen Endspielen in Folge auf den großen Triumph hoffen. Und in Champions-League-Finals werden ja manchmal noch größere Geschichten geschrieben. 1999 zum Beispiel, in Barcelona, als Manchester Uniteds Trainer Alex Ferguson den Ausspruch prägte, der auch für dieses Halbfinale galt: "Football, bloody hell."

FC Liverpool - FC Barcelona 4:0 (1:0)
1:0 Origi (7.)
2:0 Wijnaldum (54.)
3:0 Wijnaldum (56.)
4:0 Origi (79.)
Liverpool: Alisson - Alexander-Arnold, Matip, Virgil van Dijk, Robertson (46. Wijnaldum) - Henderson, Fabinho, Milner - Shaqiri (90. Sturridge), Origi (85. Gomez), Mané
Barcelona: ter Stegen - Sergi Roberto, Piqué, Lenglet, Jordi Alba - Vidal (74. Arthur), Rakitic (80. Malcolm), Sergio Busquets, Coutinho (60. Semedo) - Messi, Luis Suárez
Schiedsrichter: Cüneyt Cakir (Türkei)
Gelbe Karten: Fabinho, Matip / Sergio Busquets, Rakitic, Semedo
Zuschauer: 52.000



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rahelrubin 08.05.2019
1. Ich freue mich
sehr für Klopp und seine Reds. Das ist es, was Fußball so schön macht. Alles ist möglich. Und ich hoffe auch noch auf das BVB-Wunder, den Meistertitel. Wunder geschehen!!
bernteone 08.05.2019
2. Glückwunsch
An einen tollen Trainer und sein Team . Das war mal wieder was , Fußbsll mit Tempo und Leidenschaft . Klopp ist für mich das beste was es zur Zeit als Trainer gibt . Leidschaft , Tempofußball , Teamgeist , Erfolg und Sympatie , was will man mehr . Der als Traiiner beim PSG das wäre bitter für den Rest Europas .
HJS55 08.05.2019
3. Was für eine Spiel
Ein wirklich hervorragendes, mitreißendes Spiel. Ich habe es den Reds gegönnt. Aber: ein Gegentor und alles wäre vorbei gewesen. Der schnell und schlitzohrig ausgeführte Eckstoß zum 4:0 war genial.
Allgemeinbetrachter 08.05.2019
4. heftig...
ich bin ja nicht so nen großer Fußballfan, aber als ich heute früh das Ergebnis im Radio gehört habe, war ich voll baff. Das ist so könnte man sagen ein Jahrhundertspiel. Man stelle sich vor Barca... nicht irgendeine andere nicht so bekannte Mannschaft. Nein Barca eine der besten Mannschaften der Welt.
siryanow 08.05.2019
5. Wer haett dat jedacht
Am 2.5.19 schrieb ich den u.g. Kommentar. Ehrlich, ich dachte nicht dabei dass ich Talent zum Propheten haette. Glückwunsch Liverpool. Viel Glück fuer das Finale. Ich drück auch deswegen die DUmen da Real und Barca die letzte Vergangenheit dominiert haben und es Zeit wird fuer einen Wechsel . Wenn at ooch noch mit'm Finale und einem 2. Referendum klappt , Herr Klopp, dann wundern sie sich net, wenn Ihnen Aehnliches widerfährt wie Otto Rehhagel. siryanow 02.05.2019 1. Klopp hoch Also geehrter Herr Klopp: Liverpool lag zu Hause gegen BVB haushoch zurück und hat das Spiel gewonnen. Die deutsche Mannschaft hat im Finale 2014 in Rio Messi keinen Stich gelassen. Kopf hoch und versuchen in 90 Minuten den Ausgleich zu schaffen. Ob Barcelona in der Verlängerung die Power hat, wird sich dann zeigen. Sie haben den Britts ja ooch 'n 2. Referendum vorgeschlagen und es sieht mehr und mehr nach einer Mehrheit dafür aus. Corragio
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