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06. Februar 2018, 10:40 Uhr

Vorname wie Liverpool-Hymne

Fußballfan nennt seine Tochter Ynwa - You'll never walk alone

Ein Interview von , Manchester

Ein norwegischer Fan des FC Liverpool hat seine Tochter nach der Fußball-Hymne "You'll never walk alone" benannt - sie heißt Ynwa. Ein Gespräch über einen ungewöhnlichen Namen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Solheim, herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer Tochter. Sie haben ihr den Namen Ynwa gegeben, nach der Abkürzung des Lieds "You'll never walk alone". Bei allem Respekt: Sind Sie verrückt?

Solheim: Vielen Dank. Klar, das ist schon ein bisschen verrückt, das wissen wir. Aber bei uns in Norwegen ist Ynva ein ganz normaler Name. Viele Mädchen heißen so. Wir haben einfach nur einen Buchstaben geändert. Aus dem V wurde ein W. Der Name wird genauso gesprochen wie die normale Variante, nämlich Ün-wah.

SPIEGEL ONLINE: Es war also kein Problem, Ihre Tochter unter dem Namen anzumelden?

Solheim: Nicht wirklich. Wir mussten einfach nur einen Grund angeben, warum der Name anders geschrieben werden sollte.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie gesagt?

Solheim: Wir haben gesagt, dass wir einen Namen wollten, den nicht jeder hat. Und natürlich, dass "You'll never walk alone" eine besondere Bedeutung für uns hat. Ich bin schon immer Liverpool-Fan. Außerdem gefällt mir die Aussage des Songs. Er handelt davon, dass man in schweren Zeiten nicht die Hoffnung verlieren soll, dass es immer weitergeht. Ich hatte in der Vergangenheit Depressionen. Das Lied hat mir in der Zeit sehr geholfen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie die Idee schon lange mit sich herum getragen?

Solheim: Ja, mir war immer klar, dass ich mein Kind gerne so nennen würde. Als wir wussten, dass wir eine Tochter bekommen, musste ich noch meine Freundin überzeugen. Sie interessiert sich überhaupt nicht für Fußball und war am Anfang nicht begeistert von der Idee. Sie wollte, dass unsere Tochter Ynva heißt, also mit V, ganz normal. Als ich ihr erklärt habe, was mir das Lied bedeutet, hat sie eingewilligt.

SPIEGEL ONLINE: Was sagen Ihre Freunde zu dem ungewöhnlichen Namen Ihrer Tochter?

Solheim: Alle finden, dass der Name schön klingt. Auch meine Freunde, die Fans von Everton oder von Manchester United sind, mögen ihn.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich überlegt, was es für Ihre Tochter später bedeuten könnte, dass sie nach einer Fußball-Hymne benannt ist?

Solheim: Klar, haben wir. Aber wie gesagt: Ynva ist ein ganz normaler Name. Man hört den Unterschied nicht. Außerdem geben die Leute in Norwegen ihren Kindern ohnehin gern Namen mit einer besonderen Bedeutung. Das ist ein richtiger Trend. Es gibt zum Beispiel Kinder, die nach Tinder benannt werden.

SPIEGEL ONLINE: Nach der Dating-App?

Solheim: Genau. Die weibliche Form ist Tindra, die männliche Form ist Tinder. Ich habe allerdings noch von niemandem gehört, der seine Tochter nach "You'll never walk alone" benannt hat.

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie, wenn Ihre Tochter den Namen nicht mag?

Solheim: Die Möglichkeit besteht natürlich immer. Aber das wäre kein Problem. Sie hat einen Doppelnamen. Sie heißt Ynwa Sofie. Zur Not kann sie sich immer noch Sofie nennen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Und was passiert, wenn sie kein Liverpool-Fan wird, sondern Fan von Manchester United?

Solheim: Dann bin ich der Erste, der ihr ein United-Trikot kauft. Da werde ich sie unterstützen. Das ist doch klar. Aber so lange sie klein ist und noch nicht selbst entscheiden kann, bekommt sie Liverpool-Sachen. Sie hat schon zwei Trikots, das aktuelle und das aus der Vorsaison.

SPIEGEL ONLINE: Dann sollte ja eigentlich nichts schief gehen.

Solheim: Das denke ich auch. Bei mir hat es auch funktioniert. Mein Vater hat mir mein erstes Liverpool-Trikot geschenkt, als ich drei Monate alt war. Für mich war immer klar, dass das mein Klub ist.

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