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02. Juni 2019, 00:30 Uhr

Klopps Champions-League-Triumph

Er kann es doch

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Der FC Liverpool hat das Champions-League-Finale mit kalter Nüchternheit gewonnen. Jürgen Klopp bricht damit seinen Finalfluch. Er ließ völlig anderen Fußball spielen als erwartet.

Szene des Spiels: Die war nicht schwer zu identifizieren. Nach 24 Sekunden (!) schoss Liverpools Sadio Mané Tottenhams Moussa Sissoko an, der Ball landete irgendwo zwischen dem ausgestreckten Arm, Brust und Hüfte. Schiedsrichter Skomina pfiff Handelfmeter. Mo Salah verwandelte. Es war der würdige Endpunkt einer Saison, in der so viel über die Handspielregel diskutiert worden war wie niemals zuvor. Skomina hatte in der Champions League zuletzt die Partie PSG gegen Manchester United gepfiffen, er beendete sie mit einem Handelfmeterpfiff in der Nachspielzeit. Zwischen beiden Pfiffen lag ungefähr eine Minute Nettospielzeit.

Ergebnis des Spiels: 2:0 für den FC Liverpool. Ein Tor am Anfang durch Salahs Elfmeter, ein Tor am Ende durch Divock Origi. Und das dazwischen? Ein Spiel, über das Reporter gerne schreiben: "Über das Wie wird in einem Jahr niemand mehr reden." Möglicherweise auch schon in drei Monaten nicht mehr. Die Details zum Verlauf des Spiels erfährt man hier und hier.

Die erste Halbzeit: Möglicherweise standen die Teams noch zu sehr unter dem lähmenden Eindruck der Eröffnungsshow mit der Band "Imagine Dragons". Jedenfalls tat sich nach dem Elfmeter wenig vor den Toren. Liverpool hatte alles im Griff, wer unter Klopp-Fußball nur die Pressingmaschine versteht, vergisst, was dieser Mann im Lauf seines Trainerlebens schon alles gelernt hat. Kalter, nüchterner Erstickungsfußball. Tottenham mühte sich und hatte kein Rezept dagegen. Jürgen Klopp goes José Mourinho.

Die zweite Halbzeit: Lange Zeit war der einzige Höhepunkt, dass beim FC Liverpool der ehemalige Wolfsburger Origi für den ehemaligen Hoffenheimer Roberto Firmino eingewechselt wurde. Als Tottenham zum Schluss hin anfing, offensiv zu denken, zwei, drei Chancen erarbeitete und die ersten Londoner Fans sich an die 95. Minute vom Halbfinale in Amsterdam zu erinnern begannen, war die Herrlichkeit mit Origis Treffer auch schon wieder beendet. Klopps Humor wird gern in den Medien betont, an diesem Abend triumphierte die Humorlosigkeit.

Spieler des Spiels: Keiner der üblichen Glänzenden, das hätte nicht zu diesem Spiel gepasst. Stattdessen Fabinho. Der unauffällige Brasilianer, vor der Saison aus Monaco verpflichtet, räumte vor der Abwehr alles ab, lief jede Lücke zu. Er und Torwart Alisson Becker waren die Puzzleteile, die Jürgen Klopp im Vorjahr noch gefehlt haben.

Trainer des Spiels: Im dritten Anlauf hat er den Titel. Jetzt ist definitiv Schluss damit, dass alle schreiben und sagen, Jürgen Klopp könne keine Endspiele gewinnen. Endlich Ruhe.

Gewinner des Spiels: Im Vorfeld gab es das handelsübliche Nörgeln, dass die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender dieses Endspiel nicht übertragen. Aber bei Helen Dorn im Samstagskrimi des ZDF kann es gar nicht weniger spannend zugegangen sein als in Madrid.

Erkenntnis des Spiels: Und es war dennoch eine großartige Champions-League-Saison.

Liverpool - Tottenham Hotspur 2:0 (1:0)
1:0 Salah (2., Handelfmeter)
2:0 Origi (87.)
Liverpool: Alisson - Alexander-Arnold, Matip, Virgil, Robertson - Henderson, Fabinho, Wijnaldum (62. Milner) - Salah, Firmino (58. Origi), Mané (90. Gomez)
Tottenham Hotspur: Lloris - Trippier, Alderweireld, Vertonghen, Rose - Sissoko (74. Dier), Winks (66. Lucas Moura) - Dele (81. Llorente), Eriksen, Son - Kane
Schiedsrichter: Skomina
Zuschauer: 63.272

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