Liverpools Niederlage in Paris Harmlose Schlachter

Beim FC Liverpool klemmt es in der Offensive, deshalb droht in der Champions League das Aus. Das weiß auch Trainer Jürgen Klopp, der nach der Pleite in Paris trotzdem lieber über den Schiedsrichter sprach.

James Milner trifft Neymar (vorne)
AFP

James Milner trifft Neymar (vorne)

Aus Paris berichtet


Es gibt Situationen, in denen es besser wäre, die Aussage zu verweigern, doch für Jürgen Klopp ist das keine Option. Er gibt auf jede Frage eine Antwort, auch wenn er weiß, dass er lieber schweigen sollte. Das war nach der 1:2-Niederlage seines FC Liverpool in der Champions League im Duell der deutschen Trainer bei Thomas Tuchels Paris Saint-Germain wieder einmal zu sehen.

Er wolle nicht wie ein schlechter Verlierer wirken, sagte Klopp, doch er sei schon genervt gewesen von den vielen Unterbrechungen gegen Ende der Partie, weil wieder einmal ein gegnerischer Spieler, "insbesondere Neymar", zu lange auf dem Rasen des Prinzenparks lag. "Das war nicht cool", klagte Klopp. Schiedsrichter Szymon Marciniak habe seine Mannschaft "wie Schlachter" dastehen lassen wegen der vielen (sechs) Gelben Karten, die er an Liverpools Spieler verteilt habe.

Eigentlich wollte Klopp auch nicht über den Zwischenfall in der ersten Halbzeit reden, als der Pariser Mittelfeldmann Marco Verratti mit gestrecktem Bein gegen Joe Gomez eingestiegen war, was nur mit einer Verwarnung sanktioniert wurde. Aber wenn er schon danach gefragt wurde, dann antwortete Klopp natürlich: "Ich hatte eine gute Sicht. Mit Sicherheit hätte es eine andere Farbe als bei den 500 Gelben Karten geben müssen", sagte er. Und meinte damit, dass Verratti seiner Meinung nach hätte Rot sehen müssen.

Mit seinen Attacken auf Schiedsrichter Marciniak machte Klopp gleich in doppelter Hinsicht einen wenig vorteilhaften Eindruck. Erstens stand er nämlich doch als schlechter Verlierer da, und zweitens wirkte es, als wollte er nur von der mauen Leistung seiner Mannschaft ablenken, vor allem von ihrer mauen Leistung im Angriff. So harmlose Schlachter hatte man selten gesehen.

In der vergangenen Saison ist Liverpool dank berauschender Offensiv-Spektakel ins Finale der Champions League vorgerückt. Die Mannschaft schoss 47 Tore in 13 Spielen, Rekord in dem Wettbewerb. Die Stürmer Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah trafen jeweils zehn Mal, auch das hatte es noch nie gegeben. Klopps Team reihte 7:0 an 5:0 an 3:0 und 5:2. Überall krachte und knisterte es, so wie es der Trainer mag. In dieser Spielzeit ist in der Champions League nicht mehr viel von der Wucht von Liverpools Offensive übrig, zumindest auswärts. Nach Niederlagen beim SSC Neapel und bei Roter Stern Belgrad ging in Paris auch das dritte Vorrundenspiel auf fremden Grund verloren.

Den Willen konnte man Klopps Profis nicht absprechen, nur Gefahr für das gegnerische Tor erzeugten sie keine. Aus dem Spiel heraus brachte Liverpool nicht einen Ball auf das Tor. Der Elfmeter von James Milner kurz vor der Pause, der schon den Endstand herstellte nach den beiden Pariser Treffern von Juan Bernat und Neymar, war Liverpools einziger echter Torschuss.

Ansonsten gab es einen Versuch von Salah ans Außennetz und einen verunglückten Kopfball von Firmino. Mehr brachte Klopps Mannschaft in der Offensive nicht zustande. Anstelle von Italiens Torhüter-Legende Gianluigi Buffon hätte bei Paris auch jeder beliebige Souvenir-Verkäufer vom Fuße des Eiffelturms zwischen den Pfosten stehen können, es wäre nicht aufgefallen. Liverpool droht deshalb im abschließenden Gruppenspiel gegen Neapel an der heimischen Anfield Road am 11. Dezember das Vorrunden-Aus. Dabei waren sie doch da, die Lücken und Räume, in die Klopps Angreifer hätten stoßen können, zumindest in der ersten Halbzeit. "Doch wir haben sie nicht genutzt. In der zweiten Hälfte hat Paris es besser gemacht. Man muss die Chancen nutzen, wenn sie da sind - so ist Fußball", sagte der Trainer.

Wie es aussieht, erlebt sein Team gerade eine komplizierte Wandlung. Während der flirrende Umschaltfußball in der Vergangenheit gerne zulasten der Abwehr ging, verteidigt Liverpool in dieser Saison so gut wie noch nie. In den ersten 13 Spielen in der Premier League gab es erst fünf Gegentore, das ist Vereinsrekord zu diesem Zeitpunkt. Dafür klemmt es im Angriff. Doch gegen Gegner wie Southampton, Huddersfield oder Fulham reichte es trotzdem zum Sieg. In der Champions League ist das anders.

Salah war gegen Paris nur die traurige Kopie des Torjägers, der er in der vergangenen Saison war. Es wirkt, als hätte er sich immer noch nicht von seinem frühen Verletzungs-Aus bei der Niederlage im Finale im Mai gegen Real Madrid erholt. Der sonst so umtriebige Firmino operierte im Prinzenpark an der Grenze zur Unsichtbarkeit und wurde 20 Minuten vor dem Ende ausgewechselt. Mané fiel immerhin dadurch auf, dass er den Elfmeter zu Milners Anschlusstreffer herausholte.

Liverpool sollte seine Wucht im Angriff schnell wieder finden, idealerweise bis zum Heimspiel gegen Neapel in zwei Wochen. Sonst endet ein Jahr, das den Klub ins Finale der Champions League führte, mit der größtmöglichen Enttäuschung - nämlich dem Aus in der Vorrunde.



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
eisenfuss66 29.11.2018
1. Deja-vu
So spannend ich die Entwicklung in Liverpool unter Jürgen Klopp finde, so muss ich doch sagen, dass sich bei mir ein Deja-vu aufdrängt. Es ist nicht der erste Verein unter Jürgen Klopp, der nach fulminanten Erfolgen in einer Saison in der darauf folgenden nicht mehr an die alten Erfolge anknüpfen kann. Es scheint, als hätten die Gegner in der Champions League den Kloppschen Fußball dechiffriert. Ich hoffe für Jürgen Klopp und Liverpool FC, dass sie in der Premier League in dieser Saison erfolgreich sein werden. Schon in der kommenden Saison könnte ihnen ein ähnliches Schicksal auch dort drohen.
cherea 29.11.2018
2. Immer schön den Ball flach halten
Puh, da haut der Autor aber einen raus. Naja sie haben verloren, aber es gibt Repoter von DAZN denen das ständige am Boden hin und her welzen auch neagtiv aufgefallen ist https://www.youtube.com/watch?v=g4X7CufIWD4 . Die Angriffsspieler von Liverpool abzuschreiben... da kennt sich aber einer richtig aus im englischen Fussball, alle Achtung.... Richtig ist, dass Liverpool nicht so gut gespielt hat wie in den letzten Spielen davor in der Premier League, okay... Und ja @1 Deja-vu schon, aber nicht so wie Sie es beschreiben, ich sehe es eher so, dass sich Liverpool letzte Saison ebenso in den Vorrundenspielen schwer getan hat und erst im Achtel-Finale durchgestartet ist. Klar gegen Neapel wird es schwer, aber man kann und darf auch mal in Paris verlieren.... Liverpool jetzt schon runter- bzw. abzuschreiben... naja...
touchtone 01.12.2018
3. weder ...
hat Klopp recht, ich hab in der Zusammenfassung einen klaren 11er für PSG gesehen, den der Schiri nicht gab; ...noch stimme ich dem Autor zu, denn Buffon hat die Abwehr top organisiert, gerde bei Standards von Lvp
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.