Schalkes Trainer Tedesco Mut? Verloren

Domenico Tedesco scheute nach dem Platzverweis für Manchester das Risiko. Ein knapper Sieg war dem S04-Trainer wichtiger als ein drittes Tor. Der Plan ging nicht auf, die Chance auf einen Umschwung ist dahin.

Domenico Tedesco
SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Domenico Tedesco

Aus Gelsenkirchen berichtet


Es sah so gut aus. Es hätte zum Bildschirmschoner getaugt, vielleicht sogar zum Foto in der königsblauen Ecke des Partykellers. Auf dem Videowürfel stand ein 2:1 für Schalke 04 gegen Manchester City. Die Spielzeit war weit fortgeschritten, die Schalker hatten einen Spieler mehr auf dem Platz. Auch wenn noch ein Rückspiel ausstand und der Einzug ins Viertelfinale gegen heimstarke Citizens sehr unwahrscheinlich gewesen wäre, wäre ein Heimsieg gegen den haushohen Favoriten ein Fest gewesen, an das sich die Schalker Anhängerschaft in einer ansonsten spaßbefreiten Saison gerne erinnert hätte.

Am Ende gab es aber wieder Frust. Das Ergebnis von 2:3 hätte vor dem Spiel als ehrenwert gegolten, im Nachhinein wurde es deutlich heruntergestuft. "Wir wissen, dass wir dieses Spiel mit einem Mann mehr gewinnen mussten", sagte Abwehrspieler Jeffrey Bruma. Warum es anders kam, wurden sämtliche Schalker gefragt, die in der Nacht vor den Kameras stehen blieben. Weston McKennie, der dem klubeigenen Sender zuvor noch auf Deutsch gesagt hatte, dass ihm das alles "für die Mannschaft leid tut", wechselte für die Antwort in seine Muttersprache: "It's soccer."

Bastian Oczipka antwortete ausführlicher - die Kurzform auf Englisch wäre wohl: "It's Schalke." Im Original sagte der linke Verteidiger:

"Es zieht sich durch die ganze Saison, dass wir phasenweise ein gutes Spiel machen, aber dann falsche Entscheidungen treffen." Dem Linksverteidiger etwa war das in der 90. Minute passiert. Statt energisch in den Zweikampf mit dem 14 Zentimeter kleineren Raheem Sterling zu gehen, fiel er nach geringstem Kontakt zu Boden, der englische Nationalstürmer schoss das 3:2. "Sterling ist kleiner als ich, bei Freiburgs Petersen am vergangenen Wochenende wäre es als Foul gegeben worden, denn der ist gleich groß", stellte Oczipka eine gewagte These auf. Aus ihr sprach der Frust - über den Fehler, über den Abend, überhaupt.

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Schalke 04 in der Einzelkritik: Bentaleb, Schalkes Mann vom Punkt

"Es war so geil, es hat mega Bock gemacht hier zu spielen", schwärmte Oczipka. Schalke habe die Zuschauer mitgenommen, leidenschaftlich in der Defensive gearbeitet, "in letzter Instanz immer einen Fuß dazwischen bekommen", wenn Manchester in den Strafraum gewollt habe: "Es hätte fast gereicht." Für einen Sieg, der vermutlich nicht zum Weiterkommen genügt hätte. Das Selbstvertrauen und die positive Stimmung hätten die Schalker für die weiteren Aufgaben in Bundesliga und Pokal aber gerne mitgenommen.

Die Offensive bleibt beim FC Schalke dürftig

Auch deshalb sahen sich die Spieler um den Ertrag für ihren Aufwand gebracht. "Das Ergebnis passt einfach nicht zur Leistung", klagte Daniel Caligiuri. Das war nachzuvollziehen, allerdings nur dann, wenn der Fußball auf den Part des Defensivspiels reduziert wird. Das Spiel nach vorne, das auch für einen krassen Außenseiter Teil des Plans sein sollte, war dürftig wie so oft in dieser Saison. Wenn die Schalker beklagten, "unnötige Tore" kassiert zu haben, was sie ausgiebig taten, dann durfte das auch der Gast. Die beiden Elfmeter, die Nabil Bentaleb verwandelte, waren die einzigen beiden Schüsse, die auf das Tor von Manchesters Torhüter Ederson kamen.

"Mit den Ballgewinnen waren wir teilweise zu schlampig", haderte Domenico Tedesco. Dem Trainer, immer noch erst 33 Jahre alt, fehlte der Mut, nach der Gelb-Roten Karte für Nicolás Otamendi in der 68. Minute die passive Grundhaltung aufzugeben und auf ein 3:1 samt deutlich besserer Ausgangsposition aus zu sein. Das Risiko, dass dann passieren könnte, was nun trotzdem passierte, war ihm zu hoch. Eine verständliche Entscheidung angesichts der hohen Qualität der Gäste, eine mutigere Herangehensweise hätte City aber auch vom Schalker Tor fernhalten können. Es passt zu Tedescos bisheriger Saison, dass sein Plan nicht aufging. Die Kritik am Trainer wird so aber nicht geringer werden.

Das Logo der Champions League dürfte für viele Monate zum letzten Mal auf dem Videowürfel zu sehen gewesen sein. "Dass es diese Saison nicht mehr reichen wird, dafür muss man kein Prophet sein", sagte Torwart Ralf Fährmann über die Aussichten einer Aufholjagd in der Bundesliga. Daniel Caligiuri sprach über das Rückspiel in Manchester: "Jetzt müssen wir da halt 2:0 gewinnen, dann sind wir weiter. Spaß beiseite."

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politkrit 21.02.2019
1. Schiedsrichter beschenkt Schalke, Schalke beschenkt ManCity
Das Leistungsgefälle war höher, als es aussieht. Der Handelfmeter für Schalke war lächerlich, ein Geschenk. Otamendi hatte ein natürliche Armhaltung und zog dann den Arm auch noch weg, um vom Ball möglichst nicht getroffen zu werden. Unabsichtlicher kann ein Handspiel nicht mehr sein. Beim zweiten Elfmeter fiel der Schalker auch nicht aufgrund der Berührung, sondern er ließ sich fallen, als er die Berührung spürte; aber den kann man immerhin geben. Ohne die beiden Elfmeter hätte Schalke nie eine Chance gehabt, weil insbesondere Fährmann Geschenke an ManCitiy verteilt hat. Beim ersten Tor darf er Salif Sane nicht anspielen, beim dritten steht er falsch und macht es Sterling außerordentlich leicht, ins lange Eck zu schießen. Vom Ergebnis her sah es vielleicht zeitweise so aus, als hätte Schalke in Überzahl dank der beiden Elfmeter die Chance auf einen klaren Sieg. Tatsächlich fehlt den Schalkern dazu aber sowohl die individuelle Klasse als auch die Klasse im mannschaftlichen Zusammenspiel. Daran hätte Tedesco auch in diesem Spiel nicht kurzfristig etwas ändern können. Die klar bessere Mannschaft hat verdient gewonnen.
solosola 21.02.2019
2. Eine grauenhafte Vorstellung von Schalke
Null Spielidee, Kreativität und Klasse. Bis auf Caliguiri und mit Abstrichen Mc Kennie ist das kein Bundesliganiveau, in der Champions League hat der Verein nichts zu suchen. Die Pressekonferenzen von Tedesco spiegeln Wahrnehmungsstörungen wider - und geben keine Hoffnung auf Besserung... dazu müsste zuerst mal die Erkenntnis bei Trainer und Manager greifen, dass Schalke spielt.
hoppelkaktus 21.02.2019
3. Eine komplett selbst erschaffene, restlos verfahrene Situation
Somit ist die aktuelle Saison für S 04 in Hinblick auf noch erwartbare nennenswerte Erfolge also de facto endgültig gelaufen. Jetzt geht's höchstens noch darum, ob's im Niemandsland der Bundesliga gelegentlich ein, zwei Plätze rauf und wieder runter geht. Oder vielleicht gibt ja der leidenschaftliche KAMPF um einen einstelligen Tabellenplatz noch was an nachzureichender sportlicher QUALITÄT her. Huh, spannend. Jedenfalls ist die Schalker Anhängerschaft bis auf weiteres nicht zu beneiden. Vor allem auch, wenn man auf die realistisch erscheinenden Zukunftsperspektiven des Vereins und d i e s e r Mannschaft unter der gegenwärtigen sportlichen Fü-ü-ührung schaut. Ich schätze, da kommt noch richtig dickes Übles zu auf die Familie FC Schalke.
Mr T 21.02.2019
4.
Zitat von politkritDas Leistungsgefälle war höher, als es aussieht. Der Handelfmeter für Schalke war lächerlich, ein Geschenk. Otamendi hatte ein natürliche Armhaltung und zog dann den Arm auch noch weg, um vom Ball möglichst nicht getroffen zu werden. Unabsichtlicher kann ein Handspiel nicht mehr sein. Beim zweiten Elfmeter fiel der Schalker auch nicht aufgrund der Berührung, sondern er ließ sich fallen, als er die Berührung spürte; aber den kann man immerhin geben. Ohne die beiden Elfmeter hätte Schalke nie eine Chance gehabt, weil insbesondere Fährmann Geschenke an ManCitiy verteilt hat. Beim ersten Tor darf er Salif Sane nicht anspielen, beim dritten steht er falsch und macht es Sterling außerordentlich leicht, ins lange Eck zu schießen. Vom Ergebnis her sah es vielleicht zeitweise so aus, als hätte Schalke in Überzahl dank der beiden Elfmeter die Chance auf einen klaren Sieg. Tatsächlich fehlt den Schalkern dazu aber sowohl die individuelle Klasse als auch die Klasse im mannschaftlichen Zusammenspiel. Daran hätte Tedesco auch in diesem Spiel nicht kurzfristig etwas ändern können. Die klar bessere Mannschaft hat verdient gewonnen.
Beide Elfmeter waren berechtigt, meinten sogar die Engllischen Reporter und Fussballer
order66 21.02.2019
5.
Darf der Kommentator nicht mehr ins Stadion? Und warum dürfen Dünnbrettbohrer oben was von, keiner kommt mehr aus Deutschland heulen?
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