Schalker Remis in München Auf den Punkt verteidigt

Schalke hat dem FC Bayern den Rückrundenstart endgültig vermasselt. Das Team von Trainer di Matteo konzentrierte sich gegen den Rekordmeister ganz aufs Verteidigen - und war mit dem Unentschieden sehr zufrieden.

DPA

Aus München berichtet Christoph Leischwitz


Horst Heldt schweifte ab, für einen kurzen Moment erlaubte er es sich sogar, von mehr zu träumen als nur von einem Punkt. "Ich glaube, wenn man ein bisschen mehr gemacht hätte, wäre vielleicht auch mehr möglich gewesen", schwadronierte der Manager von Schalke 04 nach dem 1:1 (0:0) beim FC Bayern München. Er schob aber schnell nach: "Da sollte man demütig bleiben, wir haben phasenweise auch Glück gehabt."

Nachdem der FC Bayern zum Rückrundenauftakt 1:4 beim VfL Wolfsburg verloren hatte, sagte Heldt: "Die Bayern bekommen selten Niederlagen, und schon gar nicht zweimal hintereinander." Deshalb wirkte es am Dienstagabend bisweilen so, als habe sich seine Mannschaft schlicht an diesem Glauben festgehalten: Die Münchner würden eh nicht verlieren - dabei hätte Schalke sie tatsächlich schlagen können.

Trainer Roberto di Matteo fand es hernach zwar schade, dass Eric Maxim Choupo-Moting den Elfmeter in der 18. Minute leichtfertig verschossen hatte. Doch insgesamt, so der Schalke-Coach, "ist unser Plan aufgegangen". Das war ein bemerkenswerter Satz. Denn zu dem Elfmeter hatte es zusätzlich einen Platzverweis für Bayerns Abwehrspieler Jérôme Boateng gegeben. Offensichtlich hatte das di Matteo aber nicht veranlasst, auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, den Plan zu ändern, sprich: offensiver zu spielen.

Fotostrecke

14  Bilder
Schalke in der Einzelkritik: Hinten hui, vorne pfui
Grund dafür dürfte sein, dass sich die Schalker nicht als Bayern-Jäger verstehen; sie sehen ihre Aufgabe nicht darin, die Meisterschaft noch einmal spannend zu machen. Di Matteo, der im Mai 2012 mit dem FC Chelsea die Bayern im Champions-League-Finale in ihrem eigenen Stadion hatte schlagen können, sah deshalb keinerlei Veranlassung für ein Risiko. Schalke spielte bis in die Nachspielzeit mit einer Fünferkette. Ein Punkt war ihnen so zumindest sicher.

Die Spieler hatten nichts dagegen einzuwenden. "Nee, fand ich in Ordnung", sagte Torschütze Benedikt Höwedes auf die Frage, ob er sich nach dem Platzverweis nicht eine offensivere Marschroute gewünscht hätte. "Wichtig war es für uns, unsere Grundordnung beizubehalten. Natürlich war Bayern in Unterzahl, aber wir dürfen nicht vergessen, dass es Bayern München ist." Choupo-Moting sah das genauso: "Wir spielen gegen die vielleicht beste Mannschaft der Welt, und da dann mit einem anderen System aufzutreten, das wäre nicht richtig gewesen."

Schalke konzentrierte sich erfolgreich auf die Defensive

Die einhellige Meinung: Die Bayern hätten in der Offensive so viel individuelle Klasse, dass eine offensivere Ausrichtung schlicht nicht infrage komme, auch nicht in Überzahl. Die Spieler fühlten sich durch die zwischenzeitliche Führung der Bayern sogar noch bestätigt.

Und die Schalker Defensivtaktik funktionierte gut: Die Bayern gaben im eigenen Stadion gerade einmal zehn Torschüsse ab, der 19-jährige Torwart Timon Wellenreuther, der zur zweiten Halbzeit für den verletzten Fabian Giefer ins Spiel gekommen war, verlebte einen unerwartet ruhigen Abend. Sogar in Wolfsburg hatten die Bayern mit 16 Torschüssen mehr Chancen gehabt. Das lag vor allem daran, dass Matija Nastasic und Benedikt Höwedes sehr aufmerksam spielten - und dass Christian Fuchs oder Roman Neustädter selten in der gegnerischen Hälfte zu sehen waren.

Zu di Matteos Plan hatte eigentlich auch gehört, aus dieser defensiven Grundordnung heraus zu kontern. Doch das gelang den Schalkern nicht. Ihr Tor fiel nach einer Ecke. "Wir hätten in der einen oder anderen Situation etwas mehr Mut zeigen können. Aber wir wollen den Punkt jetzt mal nicht schlechtreden", sagte Höwedes, der keine Lust hatte, sich für ein Unentschieden in München rechtfertigen zu müssen.

Eines haben die Schalker den Bayern voraus: Sie können mit gerade einmal zwei Toren in zwei Spielen von einem guten Rückrundenstart sprechen.

Fotostrecke

14  Bilder
Bayern in der Einzelkritik: Alonso und der deutsche Winter
Bayern München - Schalke 04 1:1 (0:0)
1:0 Robben (67.)
1:1 Höwedes (72.)
München: Neuer - Weiser (88. Rode), Jérôme Boateng, Benatia, Alaba - Alonso, Schweinsteiger - Robben, Götze (27. Dante), Bernat - Thomas Müller (55. Lewandowski).
Schalke: Giefer (46. Wellenreuther) - Uchida, Höwedes, Matip, Nastasic, Fuchs - Kevin-Prince Boateng (87. Barnetta), Neustädter, Meyer - Sam (77. Leroy Sane), Choupo-Moting
Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Jérôme Boateng (Notbremse/17.)
Gelbe Karten: Benatia (3), Weiser, Schweinsteiger (2) - Höwedes (3)
Besonderes Vorkommnis: Neuer hält Foulelfmeter von Choupo-Moting (18.)

insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sylkeheimlich 04.02.2015
1.
Welche Nachspielzeit? Ich habe keine gesehen. Aber letztendlich war bei meinen Roten eine Steigerung zu sehen im Vergleich zu WB. Ich musste ans Finale dahoam denken (ist ja gleicher Trainer). Eine Ecke = ein Tor. Aber wenigstens haben wir auch mal nach 'ner Ecke getroffen. Insgesamt war ich zufrieden. Der Schiedsrichter war gestern "königsblau"! :-) forever FC Bayern
andromeda793624 04.02.2015
2. Ach ist doch schön...
...das auch die Bayern mal Probleme haben. Das tut doch der Bundesliga ganz gut! Dumm nur das "Golfsburg" nicht gewonnen hat
swestside 04.02.2015
3. Königsblauer Schiedsrichter?
Woran machen Sie das denn fest? An dem nicht gegebenen Tor? Wohl in der Tat eine Fehlentscheidung, aber ganz schwer zu sein und mit der anschließenden Ecke fiel ohnehin das Tor, d.h. alle Rechnungen nach dem Motto "eigentlich hätte es dann ja 2:1 gestanden" sind hinfällig! Ich halte solche "Wahre-Tabelle-Rechnungen" ohnehin für Unfug, aber hier dann natürlich ganz besonders. Am Elfmeter samt Platzverweis? Das Foul war wohl unstrittig und auch im Strafraum. Rot zu zeigen ist nach aktueller Regelauslegung ebenfalls korrekt, was sogar Herr Merk, der Bayern ja in der Vergangenheit nicht schlecht gesonnen war, um es mal vorsichtig zu formulieren, bestätigte. Schließlich an der kaum vorhandenen Nachspielzeit? Zugegeben: Mehr wäre angebracht gewesen. Dafür war Bayern in der ersten Halbzeit ganz froh, dass pünktlich abgepfiffen wurde. Guardiolas Ausflüge und sonstige Undiszipliniertheiten seien an dieser Stelle gar nicht weiter thematisiert.
sylkeheimlich 04.02.2015
4. swestside, hallo
Nein, sondern an den nicht gegebenen Karten für Fouls von Sch04. Im Übrigen gab es 1 min Nachspielzeit nach der 1. Halbzeit. Aber auch ein Gelsenkirchener Schiedsrichter und ein Gegenspieler weniger reicht nicht zum Sieg gegen uns. Muss ziemlich frustriend sein.:-) forever FC Bayern
wo_ist_all_das_material? 04.02.2015
5.
Zitat von sylkeheimlichWelche Nachspielzeit? Ich habe keine gesehen. Aber letztendlich war bei meinen Roten eine Steigerung zu sehen im Vergleich zu WB. Ich musste ans Finale dahoam denken (ist ja gleicher Trainer). Eine Ecke = ein Tor. Aber wenigstens haben wir auch mal nach 'ner Ecke getroffen. Insgesamt war ich zufrieden. Der Schiedsrichter war gestern "königsblau"! :-) forever FC Bayern
Das mit der Nachspielzeit stimmt wohl, ansonsten aber hätten Sie bemerken können, daß der Referee aus der gleichen Fanecke kommt wie Sie. Ob er blau war, entzieht sich meiner Kenntnis, seinen Pfiffen nach hatte man teilweise den Eindruck, auch als Blau-Weißen (Bayern) oder Blau-Roten (fcb) hätte ich ihn bezeichnet. "Königsblau" hingegen ist die Farbe des glorreichen Fc Schalke 04.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.