Schalke 04 Endlich wieder Unruhe

Der FC Schalke kommt nicht richtig in Tritt. Lange blieben die Fans ruhig. Doch seit der Derbyniederlage gegen Dortmund herrscht Unmut. Er wendet sich vor allem gegen einen.

Schalke-Manager Christian Heidel
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Schalke-Manager Christian Heidel


Die Sponsoren sind zufrieden. Eine Wand mit den Logos der Unternehmen steht hinter Domenico Tedesco, hier in der engen Bude auf der großen Baustelle am Parkstadion. Dort werden sie gleich trainieren, die Fußballer des FC Schalke 04, unter der Anleitung von Coach Tedesco. "Nicht öffentlich", wie das inzwischen auch bei dem eingetragenen Verein zur Regel wird, der sich für seine Fan-Nähe rühmt.

Die letzte Einheit des Tabellen-13. vor dem Bundesligaspiel beim 14., dem FC Augsburg, steht an. "Wir brauchen Punkte. Wir können rechnen. Wir können die Tabelle lesen", sagt Tedesco. Er ist 33 Jahre alt. Seine erste Saison mit den Schalkern endete auf dem zweiten Platz. Seit ein paar Monaten geht es in die andere Richtung. "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass mich das alles kaltlässt. Die Situation tut unheimlich weh", sagt der junge Trainer.

Die Frage-und-Antwort-Einheit in der kleinen Bude ist der Ersatz für die übliche Pressekonferenz. In der Regel gibt es in der großen Arena Kaffee und Mettbrötchen, dazu drei Angestellte des FC Schalke, die auf dem Podium Antworten geben. Außer Tedesco sind das Manager Christian Heidel und Axel Schuster, der "Senior Direktor Profifußball". Schuster ist außerhalb der königsblauen Gemeinde kaum bekannt. Heidel kennt ihn sehr lange, beim 1. FSV Mainz 05 war Schuster schon der Assistent des Managers.

Seit Dienstag schweigt Heidel

Es ist, gerade in Wochen mit Europapokalspielen, häufiger vorgekommen, dass Tedesco die Journalisten allein informiert. Das Murren darüber ist - wenn es überhaupt eines gab - sehr leise ausgefallen. Wer etwas von Heidel wissen wollte, rief ihn an. Medien mit einer ständigen Präsenz auf dem Schalker Markt haben stets und bereitwillig Auskunft bekommen.

Seit Dienstag aber schweigt Heidel. Das darf durchaus als Strategie gewertet werden. Am Dienstag, nach dem 1:0 in der Champions League gegen Lokomotive Moskau, hat Heidel ein Plädoyer für Christian Heidel gehalten. Tenor: Heidel duldet niemanden an der Seite von Heidel, außer den treuen wie farblosen Axel Schuster.

An (Fernseh)-Stammtischen, in Fanforen, Straßenbahnen, Friseurgeschäften und Kommentarspalten ist dem Verein nach dem 1:2 im Derby gegen Borussia Dortmund nahegelegt worden, sportliche Kompetenz zu verpflichten, die Heidel dabei berät, wer künftig als Spieler verpflichtet werden soll.

Selbst der mächtigste Mann im Klub, Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, empfahl dies, wenn auch verklausuliert und ein bisschen dazu gedrängt. "Bei uns braucht sich keiner zu bewerben. Es besteht kein Bedarf", polterte Heidel, "Einstellungen unterhalb des Vorstands werden vom Vorstand entschieden." An diesem Verweis auf die Satzung hing ein freundlicher Gruß an Clemens Tönnies, mit dem sich Heidel ausgesprochen haben will.

Tedesco holt sich Rat beim Jahrhunderttrainer

Seit dem Rumms am Dienstagabend schweigen Manager und Aufsichtsratschef öffentlich. So soll die Lautstärke in der Diskussion um Heidels Transfergeschäfte heruntergeregelt werden. Tedesco hilft dabei: "Bei allen Entscheidungen sitzen immer alle mit im Boot." Er hole sich auch gerne Rat bei Huub Stevens. Das ist neu, zumindest hat Tedesco es noch nie zuvor öffentlich gesagt.

Auch das darf man als Strategie interpretieren. Tedesco, der den Fußball gerne wie eine Wissenschaft erscheinen lässt, hört auf den knurrigen Niederländer, den Gegenentwurf eines Laptoptrainers. Schalker aller Generationen, vereinigt Euch!

Stevens, der 1997 mit Schalke den Uefa-Cup gewann, ist von den Fans zum "Jahrhunderttrainer" gewählt worden. Er sitzt aktuell im Aufsichtsrat und entscheidet daher mit über die Besetzung des Vorstands. Stevens kann den Daumen senken oder heben, wenn es um Christian Heidel geht, dessen Vertrag noch bis 2020 gültig ist.

Auf Schalke, wo es früher fast immer zuverlässig turbulent zuging, war es zuletzt ganz untypisch ruhig geworden. Seit dem verlorenen Derby jedoch wird in der Öffentlichkeit - teilweise genüsslich - abgerechnet mit dem Manager und seiner Transferpolitik. Sebastian Rudy, Omar Mascarell, Seat Serdar: Jeder von diesen Spielern hat im vergangenen Sommer zehn Millionen Euro oder mehr gekostet. Ihr sportlicher Wert für den FC Schalke war bislang sehr gering.

Das kommt jetzt auf den Tisch, da die Abstiegsplätze nahe sind, die Defensive löchrig, die Offensive harmlos. Ob er über die heftige Diskussion um den öffentlichen Streit zwischen Heidel und Tönnies verwundert sei, ist Tedesco in der engen Bude auch gefragt worden. Er zögert lange, dann sagt er: "Verwundert? Auf Schalke?"



insgesamt 9 Beiträge
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Americanet 15.12.2018
1. Netter Versuch...
...eine Krise herbeizuschreiben. Ich bin seit zig Jahren Schalker und noch nie ist man einer sportlichen Talfahrt mit so viel Zusammenhalt begegnet wie jetzt. Tönnies liest einfach gerne mal seinen Namen in der Zeitung, das war schon immer so. Das heißt aber nicht, dass man in Tedescos Worte jetzt unbedingt die große Krise hinein interpretieren muss - auch wenn das den Journalisten vielleicht langweilig erscheint.
hileute 15.12.2018
2. naja
tedesco und Heidel sind schuld an der Talfahrt. Die Spieler können da kaum was für, sie haben einfach nicht die Qualität für die Spitze, ich weiß nicht wohin Heidel die Unmengen an Kohle verpulvert
fanBSC 15.12.2018
3.
glaube der Manager soll her halten für die Kriese, der Trainer ist bei den Fans noch nicht angezählt, was für Schalke recht untypisch ist. ein lustiger Verein, im Prinzip wie der hsv. hier guter Kader aber seit fast einen Jahrzehnt spielen sie unterm wert und bekommen ihre Jugend nicht in Griff. der vize Titel von letzter Saison lag ja auch daran, wie grotte alle anderen waren und nicht an dem erhofften Durchbruch, was aber mit dem Trainer vielleicht nicht möglich ist..
Oihme 15.12.2018
4. Heidel, ....
... Tedesco und Tönnies sind nicht die Ursache des jetzt schon seit Jahrzehnten offensichtlichen Schalke-Dilemmas, welches diesen Verein trotz der regelmäßigen sportlichen Ausschläge nach oben und unten eben doch nur zur dauerhaften Mittelmäßigkeit verdammt. Sondern es ist der rückwärtsgewandte Konservativismus der Fans, die zwar den maximalen sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg will, aber ohne dass sich zu dessen Erreichung im Verein und im Umfeld irgendetwas im Vergleich zu früher verändern darf. Als einer der ganz wenigen Profi-Klubs ist Schalke immer noch als eingetragener Verein organisiert, aber die damit garantierte Mitbestimmung von mehr als 150.000 Mitgliedern ist in dem auf schnelle Entscheidungen angewiesenen Profigeschäft nun mal völlig illusorisch. Die Schalker haben das zwar erkannt, aber anstatt wie die meisten anderen BuLi-Klubs Nägel mit Köpfen zu machen, die Profiabteilung auszugliedern und daraus eine eigenständige, handlungsfähige Firma zu machen, hat man in Gelsenkirchen versucht, dieses kaum noch manövrierbare e.V.-Konstrukt mit einer genauso unüberschaubaren Ansammlung von Vereinsgremien wenigstens etwas beweglicher zu machen. So sind auf Schalke heute zwar viele zuständig, aber keiner so richtig verantwortlich. Als Borusse kann einem das nur recht sein! :-)
gammoncrack 15.12.2018
5. Als BVB-Fan sind mir 2 Punkte extrem wichtig.
Erstens, dass Schalke am Ende der Saison hinter uns steht, zweitens, dass Schalke nicht absteigt. Denn Bundesliga ohne Schalke bedeutet: Keine Derbys mehr. Und das will garantiert kaum ein BVB-Fan. Also, bitte seht mal zu, dass Ihr das erledigt bekommt.
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