Schalke-Niederlage in Amsterdam "Das ging viel zu schnell für uns"

0:2 gegen die Jungspunde aus Amsterdam: Schalke droht in der Europa League das Aus. Die Talente von Ajax zeigen den Talenten des Bundesligisten die Grenzen auf.

AFP

Aus Amsterdam berichtet


Wenn es gilt, die eigene schlechte Leistung zu erklären, gehört der Verweis auf eine junge Mannschaft in die Top 3. Es wäre ziemlich albern gewesen, wenn der FC Schalke 04 diesen Verweis genutzt hätte, um die 0:2-Niederlage bei Ajax Amsterdam zu erklären. Der älteste Spieler des Tabellenzweiten der niederländischen Liga war 27 Jahre alt, alle anderen waren 24 oder jünger.

Schon der weise Otto Rehhagel sagte, dass die Qualität wichtiger als das Alter sei. Schalkes Manager Christian Heidel befand daher weise: "Wir waren in allen Belangen unterlegen." Kapitän Benedikt Höwedes gab zu: "Das ging alles viel zu schnell für uns."

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Europa-League-Analyse: Warum Schalke mit dem 0:2 noch gut bedient war

Die Schalker nennen ihren Ausbildungsbetrieb "Knappenschmiede". Sie sind zu Recht stolz auf die Özils, Draxlers, Neuers und Sanés, die dort zu Nationalspielern, teilweise von Weltklasseformat, geformt wurden. Auch im aktuellen Kader sehen sie einige Knappen, die für mehr als Bundesligadurchschnitt geeignet scheinen. Für Max Meyer gilt das schon länger, Thilo Kehrer spielt erst seit einigen Monaten regelmäßig bei den Profis. Als Manager Heidel davon sprach, dass "wir heute an unsere Grenzen gekommen sind", galt das gewiss für Meyer und Kehrer.

Meyer war immer dort, wo die Zuschauer nicht hinguckten, weil der Ball woanders war. Kehrer war darin überfordert, Amin Younes bei dessen Dribblings zu stoppen. Der 23 Jahre alte Younes wirbelte auf dem linken Flügel, er wirkte dabei ganz anders als zu der Zeit, als er in Deutschland bei Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Kaiserslautern als Versprechen galt, dieses aber nie einlöste. Justin Kluivert, 17, zeigte auf dem rechten Flügel, dass er das Zeug für eine ähnlich erfolgreiche Karriere hat wie sein bekannter Vater Patrick.

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Schalkes-Niederlage gegen Ajax: Königslaues Lüftchen

Bertrand Traoré, 21, zentraler Stürmer, ausgeliehen vom FC Chelsea, bestach durch eine Ballbehandlung vom Feinsten, Tempo und Wucht. Der Beste bei Ajax war aber Davy Klaassen, auch erst 24. Beide Tore gelangen dem Kapitän, der zudem das Spiel lenkte und den Schalkern mit einer Leidenschaft den Ball stahl, dass diese sich hätten denken können: "Hey, mit solchem Biss könnte uns das auch gelingen." Aber da kam nichts. "Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen", klagte Trainer Markus Weinzierl. Das war insofern blöd, weil er nach Schlusspfiff seinen ursprünglichen Plan verriet: "Wir wollten ihnen den Schneid abkaufen."

Junge Mannschaften haben als Merkmal, dass sie mal zauberhaften Fußball spielen, ein paar Tage später aber untergehen - oder umgekehrt. Insofern ist die Hoffnung der Schalker berechtigt, dass sie am kommenden Donnerstag im Rückspiel doch noch ins Halbfinale einziehen können.

Torwart Ralf Fährmann sagte: "Wir sind Schalker, wir stehen immer wieder auf. Egal, wie tief wir gefallen sind." Dass es in der Arena von Amsterdam nicht noch tiefer ging, lag allein an ihm. Fährmann wehrte elf Schüsse ab. So viele wie kein anderer Torwart in dieser Saison der Europa League. Zweimal half ihm zudem die Latte. Das 0:2 war ein Traum für Schalke.

Ajax Amsterdam - Schalke 04 2:0 (1:0)
1:0 Klaassen (23., Elfmeter)
2:0 Klaassen (52.)
Amsterdam: Onana - Veltman, Sánchez, Viergever, Sinkgraven (46. de Ligt) - Ziyech, van de Beek (88. de Jong), Klaassen - Kluivert (74. Neres), Traoré, Younes
Schalke: Fährmann - Kehrer, Höwedes, Nastasic, Aogo - Goretzka, Bentaleb - Schöpf (71. Huntelaar), Meyer (59. Stambouli), Caligiuri (83. Konoplyanka) - Burgstaller Schiedsrichter: Karasew (Russland)
Zuschauer: 50.000
Gelbe Karten: Klaassen, Neres - Kehrer, Stambouli



insgesamt 5 Beiträge
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creusa 14.04.2017
1. Mal halblang bitte
Jetzt kommen wieder all die Schalkehasser aus ihren Löchern und hauen drauf. Verstehe ich nicht. Na klar war das Spiel erbärmlich und für ein Weiterkommen ist ne gewaltige Steigerung nötig. Die Leistung Gestern muss man ihnen vorwerfen. Aber was hier teilweise an Kritik rausgehauen wird, ist lächerlich. Die ganze Saison ist extrem wechselhaft, es war klar, dass man nicht davon ausgehen kann, dass es so laufen würde wie gg schwache Wolfsburger. Es hat doch wohl niemand erwartet, dass sie Ajax an die Wand spielen. Schalke hat ne super Eur. League Saison gespielt bisher, aber im Viertelfinale so langsam an die eigenen Grenzen zu stoßen ist doch weder ungewöhnlich noch schlimm. Ich kann mich nicht erinnern, dass S04, insbesondere auch Heidel oder Weinzierl diesen, oder überhaupt irgendeinen Titel als Saisonziel ausgegeben hatten. Es war immer die Rede von einer Entwicklung, die auch dauern kann. Von Realitätsferne oder Selbstüberschätzung auf Schalke zu sprechen, ist momentan echt Blödsinn. Trotzdem muss man sich als Verein im Profifußball auch Ziele setzen und dass man sich bei dem vorhandenen Potential zumindest in der Liga eine andere Platzierung erhofft hatte, ist nun wirklich nicht unberechtigt.
Mister Stone 14.04.2017
2. Was erlauben Meyer
Der Trainer hat ganz sicher etwas falsch gemacht. Ich habe nämlich selten ein Euro-K.O.-Spiel gesehen, in dem eine Mannschaft so viele Stockfehler gemacht und so behäbig auf neue Situationen reagiert hat wie Schalke gestern abend. Das sah teilweise tölpelhaft aus. So wie der deutsche Rumpelfussball vergagener (?) Jahre eben: Passgenauigkeit? Übersicht? Umschalten? Sprints? Taktische Vorausschau? Automatisierte Laufwege? Alles Fehlanzeige. Ich kenne Weinzierls Trainingspläne nicht. Aber die Ballbehandlung seiner Spieler hatte bestensfalls Amateur-Niveau. Das Gute daran ist, dass Leute wie das Jahrtausendtalent Max Meyer vor dem nächsten Spiel mal die Klappe halten werden. Was erlauben Meyer? Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass Schalke gewinnt und weiterkommt. Aber da sehe ich schwarz. Kann mir nicht vorstellen, dass Weinzierl das bis nächste Woche korrigieren könnte. Vielleicht werden sie mehr grätschen und rempeln, aber besser spielen? Ich beglückwünsche Ajax zu dieser jungen wilden Mannschaft voller Tempo und Spielwitz. Sie hat mich an unsere Nationalmannschaft von 2006 erinnert.
blumendienst 14.04.2017
3. Optimismus
Schalke hat eine gute Mannschaft und wird es im Rückspiel schaffen
Hank Hill 14.04.2017
4. Warum
solle man Schalke hassen ? Sie sind eher zu bedauern. Von ihnen wird verlangt was sie nicht können, nie auf die Reihe bekommen werden. Stetigkeit auf einem gewissen Niveau. Trainer werden entlassen, egal ob sie erfolgreich sind, oder nicht. Der Anspruch hat mit der Wirklichkeit auf Schalke nichts zu tun. Mit großer Zuverlässigkeit stoßen sie immer mit dem Allerwertesten Alles um was sie gerade aufgebaut haben.
experte1305 14.04.2017
5. Der Stümper Heidel sollte
sich und den völlig überschätzten Weinzierl sofort freistellen! Wundere mich, dass der Kotelett- König so ruhig bleibt!
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