Zukunft des Traditionsklubs Schalkes neue Sparsamkeit

Einen Tag nach Clemens Tönnies' Rücktritt verspricht die Führung des FC Schalke 04 "Transparenz". Doch die Pläne der Funktionäre bleiben vage. Sogar Tönnies könnte im Klub schon bald wieder eine Rolle spielen.
Von Marcus Bark, Gelsenkirchen
Schalke-Marketingvorstand Alexander Jobst, Trainer David Wagner und Sportchef Jochen Schneider bei der Pressekonferenz am 1. Juli

Schalke-Marketingvorstand Alexander Jobst, Trainer David Wagner und Sportchef Jochen Schneider bei der Pressekonferenz am 1. Juli

Foto: INA FASSBENDER/ AFP

Es hat lange gedauert, den neuen FC Schalke 04 vorzustellen. Nach der Pressekonferenz des Klubs sprach ein Reporter von handgestoppten 85 Minuten - und er fällte ein vernichtendes Urteil: "Verschwendete Lebenszeit".

So schlimm war es nicht. Aber es wurde viel geredet, ohne wirklich etwas zu sagen.

Alexander Jobst, der als Vorstand die Ressorts Marketing und Kommunikation des Fußballbundesligisten leitet, begann mit dem Satz: "Dieser Tag ist eine Zäsur." Das war fast untertrieben, denn es war der erste Tag nach dem Rücktritt von Clemens Tönnies, dem gern auch als Macher bezeichneten Aufsichtsratschef, der zwar nicht alles machte, aber nahezu alles im Klub entschied.

Jobst wollte aber weder auf Tönnies’ Abschied nach 26 Jahren noch auf den von Finanzvorstand Peter Peters hinaus, der dem Klub 27 Jahre diente. "Ein 'Weiter-so' kann und wird es nicht geben", setzte Jobst fort. Schalke müsse sparen, so der Vorstand, eisern sparen. "Bei der Wette in die Zukunft haben wir in den vergangenen Jahren mehrfach verloren", so Jobst. Die teure Mannschaft verpasste in drei von vier Jahren den Europapokal und wurde dadurch viel zu teuer. Damit müsse Schluss sein: geringerer Etat, Einstellungsstopp in der Verwaltung, Investitionsstopp (außer am Bauprojekt "Berger Feld", da die schon gewährten Kredite zweckgebunden sind), keine Träumereien für bis zu drei Jahre vom Europapokal.

Ex-Schalke-Chef Tönnies (links) mit Jobst

Ex-Schalke-Chef Tönnies (links) mit Jobst

Foto: Tim Rehbein/ imago images/RHR-Foto

Künftig, so Jobst, wollten er und sein verbliebener Vorstandskollege Jochen Schneider den Verein mit "Transparenz und wirtschaftlicher Vernunft" führen. "Ich sehe und spüre eine große Verantwortung dem Klub gegenüber", sagte Jobst. Will er das Gesicht des neuen Schalke werden?

Die Ambitionen sprechen ihm Mitarbeiter des Klubs zu. Ob es gelingt, wird auch davon abhängen, wie der Posten des Finanzvorstands besetzt werden wird.

Jobst sitzt seit 2011 im Vorstand des FC Schalke. Er war vorher unter anderem für Real Madrid und den Weltverband Fifa tätig. Vielleicht erklärt sich dadurch, dass Jobst unterstellt wird, er fremdle mit dem Schalker Image des "Kumpel- und Malocherklubs". Nun sagte er: "Schalke möchte eine erfolgreiche Zukunft und nicht in der Vergangenheit schwelgen." Auf die Frage, ob er den Verein aus dem Ruhrpott vom Kohlenstaub befreien wolle, sagte er: "Das Image darf immer eine Rolle spielen, aber der Klub muss sich modernisieren."

Tönnies könnte in neuer Rolle zurückkehren

Jobst ist krisenerprobt auf Schalke. Er fädelte 2013 einen Deal mit der umstrittenen Ticketbörse Viagogo ein. Das wirkte schnell wie drei Eigentore in einem Spiel, aber er überstand den Sturm der Entrüstung der Fans, auch weil er es schaffte, potente Sponsoren für den Verein zu gewinnen, häufig mithilfe von Tönnies.

Tönnies ist nun aber weg - erst mal. Es muss kein Abschied für die Ewigkeit sein. Sollte Schalke Teile seiner Fußballabteilung in eine andere Rechtsform ausgliedern und möglicherweise Anteile verkaufen, gäbe es in Rheda-Wiedenbrück vermutlich jemanden mit dem nötigen Kleingeld. Laut "Forbes" soll der Kotelett-Kaiser Tönnies  milliardenschwer sein. "Das ist keine Thematik von heute oder morgen, Wochen oder Monaten", sagte Jobst über eine mögliche Ausgliederung.

Auch Tönnies meldete sich noch einmal zu diesem Thema. "Schalke 04 kommt für eine positive Zukunft an einer Ausgliederung nicht vorbei", sagte Tönnies am Tag nach seinem Rücktritt der Funke-Mediengruppe.

So oft Jobst auch von "Transparenz" sprach, so vage blieben die Antworten des Schalker Vorstands auf die Fragen. Wie hoch die Personalkosten denn künftig sein dürfen, die im Geschäftsjahr 2019 noch 123,8 Millionen Euro betrugen, wurde Schneider gefragt. Er bat um Verständnis, dass "ich keine konkreten Zahlen benennen möchte".

Schneiders Worte deuteten darauf hin, dass sich eine Gehaltsobergrenze bei neuen Verträgen verständigt wurde. Er sagte aber auch: "Welche Gehälter wir bezahlen, da verfolgen wir keinen dogmatischen Ansatz."

Neuer Aufsichtsratschef Buchta bleibt im Hintergrund

Im Vagen blieb auch Jobst, als er zu einer möglichen Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen für einen Kredit von bis zu 40 Millionen Euro gefragt wurde. Dieses "Instruments", also einer Bürgschaft, hätten sich in der Vergangenheit viele Fußballvereine bemüht, auch der FC Schalke. Aber ein solcher Vorgang unterliege der Geheimhaltungspflicht. Über einen Kredit wolle er erst sprechen, wenn "Fakten geschaffen" worden seien.

Jobst und Schneider stehen bis auf Weiteres für ein Schalke, dass ein besseres Schalke werden will. Dass Jens Buchta, der neue Vorsitzende des Aufsichtsrats, in die Öffentlichkeit drängt, ist kaum anzunehmen. Der Rechtsanwalt gilt seit Jahren als Vertrauter von Tönnies, der gern im Hintergrund bleibt.

Fraglich bleibt, ob es Interessengruppen gibt, die bei der nächsten Mitgliederversammlung - Zeitpunkt offen - Vertreter aufstellen, um aus den Gremien heraus auf die zumeist altgedienten Männer (nur im Wahlausschuss sitzt eine Frau) weiteren Druck auszuüben. Dass sich mindestens eine Gruppe bildete, um Tönnies aus dem Amt zu drängen, war aus der Fanszene zu hören. Die Gruppe hatte sich darauf eingerichtet, dass es bis zur Zäsur länger dauert.

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