Pokal-Aus gegen Bremen Schalke gibt kein Huub-Konzert

Huub Stevens lässt defensiven Fußball spielen. Das stabilisiert den FC Schalke, für einen Erfolg im DFB-Pokal reicht das aber nicht. Nach der Niederlage gegen Werder Bremen gibt er ein für ihn typisches Interview.

Huub Stevens
SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Huub Stevens

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Auf Schalke wird wieder geknurrt: Die vermeintlich ausgeglichenste Partie des Pokal-Viertelfinals bot über weite Strecken schwachen Fußball. Und so dauerte es bis nach dem Schlusspfiff, ehe die Zuschauer in der ARD richtig unterhalten wurden. Schalkes Trainer Huub Stevens, in Fachkreisen der "Knurrer von Kerkrade" genannt, hatte nur wenig Lust, sich den Fragen des Reporters zu stellen. Was ihm denn durch den Kopf gehen würde, wurde er gefragt. "Dass wir ausgeschieden sind." Was noch? "Dass Bremen besser war." Und was er mit seiner Mannschaft nun vorhabe? "Ich jage sie morgen hier die Treppen hoch", sagte Stevens mit Blick auf die Tribünen der Schalker Arena.

Das Ergebnis: Werder Bremen bleibt auch im zwölften Pflichtspiel 2019 ungeschlagen und zieht nach einem 2:0 (0:0)-Sieg beim FC Schalke ins Halbfinale des DFB-Pokals ein.

Erste Hälfte: Nach einem Drama mit neun Toren wie in München hat es jedes Fußballspiel schwer zu betören. Die 22 Spieler in der Arena auf Schalke gaben sich besonders viel Mühe zu zeigen, dass Fußball auch ganz andere Facetten haben kann.

Der eine Stevens-Faktor: Im dritten Pflichtspiel seiner Rettungsmission hat es Stevens geschafft, dem Spiel seiner unter Vorgänger Domenico Tedesco verunsicherten Mannschaft eine klare Linie zu verpassen. Die Null muss bei Stevens-Teams weiter stehen - und dazu gehört, die Stärken des Gegners zu hemmen. Und wer die Bremer Spiele der vergangenen Wochen beobachtet hat, landet in diesem Punkt schnell bei Max Kruse. Der ehemalige Nationalspieler ist das Schwungrad der Bremer Offensive und war in den vergangenen fünf Spielen an zehn Toren beteiligt. Stevens nahm Kruse mit einem kompakten Mittelfeld aus dem Spiel.

Zweite Hälfte: Das Spiel wurde besser und daran hatten beide Mannschaften ihren Anteil. Schalke kam mutiger aus der Pause und durch einen Pfostenschuss von Guido Burgstaller (52. Minute) zur bis dahin besten Chance des Spiels. Doch die Tore schossen die Gäste. Milot Rashica traf den Ball aus 19 Metern halbrechter Position perfekt und ließ Schalkes Torhüter mit dem Schuss ins linke Eck keine Chance (65.). Ähnlich sehenswert war der zweite Treffer von Davy Klaassen, der eine Flanke von Ludwig Augustinsson aus kurzer Distanz volley an Nübel vorbeichippte (72.).

Der andere Stevens-Faktor: Schalkes Coach hat die Defensive nach 21 Gegentoren in den letzten fünf Tedesco-Spielen stabilisiert - Wunder kann er aber auch nicht vollbringen. Das zeigte die insgesamt schwache Angriffsleistung der Gastgeber, aber eben auch der individuelle Fehler von Bastian Oczipka vor dem Rashica-Tor. Der Außenverteidiger spielte einen unmotivierten Fehlpass in der Vorwärtsbewegung, Bremen lauerte auf genau solche Schnitzer.

Erkenntnis des Spiels: Werder hat als Tabellensechster der Bundesliga und Pokal-Halbfinalist weiterhin zwei Chancen, sich für die Europa League zu qualifizieren. Die Schalke-Fans wissen nun immerhin, dass im kommenden Jahr kein internationaler Fußball in der Arena zu sehen sein wird. Für den Klassenerhalt wird es vermutlich reichen - aber Sportvorstand Jochen Schneider hat in den kommenden Wochen sehr viel Arbeit vor sich.

FC Schalke - Werder Bremen 0:2 (0:0)
0:1 Rashica (65.)
0:2 Klaassen (72.)
Schalke: Nübel - Stambouli, Sané, Nastasic - Mascarell - Rudy, Serdar, Boujellab (68. Uth), Oczipka - Embolo (59. Konoplyanka), Burgstaller (82. Kutucu).
Bremen: Pavlenka - Friedl, Veljkovic (84. Langkamp), Moisander, Augustinsson - M. Eggestein, Sahin, Klaassen - Kruse - J. Eggestein (74. Möhwald), Rashica.
Schiedsrichter: Aytekin
Gelbe Karten: Rudy, Sané / -
Gelb-Rot: Sahin (90., wiederholtes Foulspiel)
Zuschauer: 61.597

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
joppop 04.04.2019
1. Leid
Da kann der Huub mir nur leid tun. Was fur eine truppe, mehr ballverlust als ein deppen blinden mannschaft.
spoon123 04.04.2019
2. Fehlpässe
Na ja, die Fehlpassquote von Bremen war aber auch erschreckend. War eben einfach ein ziemlich ödes Spiel.
nochnestimme 04.04.2019
3. So schlecht war Schalke gar nicht
und Werder nicht so gut. Das neutralisiert sich dann eben irgendwie. Die Erkenntnisse: Schalke muss mehr tun, als das Mittelfeld komplett zustellen, Werder schießt auch Tore ohne Krusebeteiligung. Hoffentlich jetzt ein Halbfinale gegen den HSV. Ohne Derby ist doch auch nix.
spon1899 04.04.2019
4.
60 Minuten waren wir nicht so gut wie die letzten Wochen, aber Kohfeldt tut Stevens eben auch nicht den Gefallen, dass sie zu Hause kontern können. Die Tore waren zum perfekten Zeitpunkt, schön herausgespielt und danach wußte Ich, dass ich daran denken kann , wen ich am liebsten im Halbfinale habe. Von Minute 60-90 war Werder abgezockt und souverän. Dazu brauchte Kruse nicht mal Top zu sein. Wenn ich überlege, dass wir 2011, 2013 und 2016(!!) fast abgestiegen wären und nun 6. sind, im Halbfinale sind und dieses Jahr noch gar kein Spiel verloren haben, genieße ich das als Fan einfach nur. Im Moment ist alles schön.
mythoughts 04.04.2019
5. Werders Traumlos?
Ganz klar: Im Halbfinale zuhause gegen die Bayern. Das wäre leichter zu gewinnen als ein Finale in Berlin gegen den gleichen Gegner. Dort könnte dann gerne der HSV kommen.
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