Felix Magath "Ich habe ein reines Gewissen"

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht Eintracht Frankfurts Trainer Felix Magath über den drohenden Lizenzentzug, seine Fähigkeit zur Selbstkritik und die persönliche Einschätzung des Bremer "Wunderstürmers" Ailton, der unter Magath an der Weser zum Fehleinkauf abgestempelt worden war.

Von Andreas Kötter


SPIEGEL ONLINE:

Herr Magath, was passiert, wenn der DFB Eintracht Frankfurt die Lizenz für die kommende Saison verweigert und Ihr Club in die Amateur-Oberliga Hessen zwangsabsteigen muss?

Magath: Mit diesem Fall habe ich mich nicht beschäftigt und beschäftige ich mich auch jetzt nicht. Ich gehe davon, dass ich in der nächsten Saison bei der Eintracht im bezahlten Fußball als Trainer arbeite. Mein Vertrag gilt für die ersten beiden Ligen.

SPIEGEL ONLINE: Sie verbreiten Zuversicht. Wissen Sie mehr über den immer wieder angekündigten "strategischen Partner", der die Eintracht retten sollen?

Magath: Nein, ich weiß nicht mehr als die Öffentlichkeit. Ich gehe aber davon aus, dass die Eintracht einen solchen Partner und damit auch die Lizenz bekommen wird.

SPIEGEL ONLINE: Dass die Eintracht die geplante Zusammenarbeit mit der Sportmarketing-Agentur IMG scheitern ließ, erscheint bis heute unverständlich.

Magath: Ich gehe davon aus, dass wir in der Lage sind, nicht unbedingt jedes Angebot annehmen zu müssen. Dass die Verhandlungen mit IMG nicht zum Abschluss gekommen sind, ist ein ganz normaler Vorgang, wenn zwei Partner keine Übereinstimmung erzielen. Problematisch ist, wenn diese Dinge in der Öffentlichkeit ausgetragen werden.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben auch davon gesprochen, Ihre sportliche Arbeit werde bewusst torpediert.

Magath: Meine Ausdrucksweise war zwar etwas anders, aber dass irgendjemand im Umfeld der Eintracht Interesse daran hat, Unruhe zu stiften, ist klar. Wie sonst sollte man sich erklären, dass ein Brief vom DFB, der im November abgeschickt wurde, nun Ende März in einer Zeitschrift abgedruckt wird.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie einen Verdacht?

Magath: Ich habe keine Ahnung, wer dahinter steckt. Ich habe auch nicht vor, meine Zeit damit zu verbringen, denjenigen ausfindig zu machen. Ich weiß nur, dass derjenige versucht, die Eintracht in Schwierigkeiten zu bringen.

SPIEGEL ONLINE: Die Eintracht steckt bis zum Hals in Schwierigkeiten.

"Welche Beweise haben Sie denn dafür, dass die Eintracht in Schwierigkeiten steckt?"
DPA

"Welche Beweise haben Sie denn dafür, dass die Eintracht in Schwierigkeiten steckt?"

Magath: Das behaupten Sie! Sie reden einfach das nach, was irgendwo gedruckt wurde! Welche Beweise haben Sie denn dafür, dass die Eintracht in Schwierigkeiten ist?

SPIEGEL ONLINE: Eintracht Frankfurt hat gegen DFB-Auflagen verstoßen. Zurzeit prüft der DFB, ob die Eintracht für die neue Saison eine Lizenz erhält. Das nenne ich Schwierigkeiten.

Magath: Der Brief vom November besagt nur, dass die Eintracht sich bemühen muss, in der Zukunft nicht gegen Auflagen zu verstoßen.

SPIEGEL ONLINE: Dieses Bemühen sah so aus, dass die Eintracht gleich wieder Transfer tätigte, im Dezember Thomas Sobotzik aus Kaiserslautern zurückholte, im Januar Thomas Reichenberger und Dirk Heinen von Bayer Leverkusen verpflichtete. Umsonst hat man diese Spieler wohl kaum bekommen.

Magath: Ich weiß nur, dass die Eintracht auf den Brief des DFB reagiert hat. Die Verpflichtungen, die Sie anmerken, sind unter den Augen des DFB passiert. Nicht die Eintracht erteilt Spielberechtigungen, sondern der DFB.

SPIEGEL ONLINE: Also haben Sie keine Zweifel, dass der DFB die Lizenz erteilen wird.

Magath: Nein, daran habe ich keinen Zweifel.

SPIEGEL ONLINE: Stellen Sie sich selbst und Ihre Arbeit eigentlich jemals in Frage?

Magath: Selbstverständlich reflektiere ich das, was ich getan habe. Ich verlange das auch von meinen Spielern, denn ich bin der Überzeugung, dass man nur so weiterkommt.

"Ailton gehörte auch zu Beginn dieser Saison nicht zur Bremer Stammelf"
DPA

"Ailton gehörte auch zu Beginn dieser Saison nicht zur Bremer Stammelf"

SPIEGEL ONLINE: Einer Ihrer ehemaligen Spieler, der Bremer Ailton, sagt "Magath war eine Katastrophe und hat als Trainer keine Ahnung ". Ailton zeigt heute hervorragende Leistungen, die er unter Ihnen nicht brachte. Was haben Sie falsch gemacht?

Magath: Ailton und Felix Magath sind in einer Situation zusammengetroffen, die eine andere war als die heutige. Ich musste in Bremen innerhalb eines Tages eine Mannschaft aufstellen. Bremen war Tabellenletzter und musste in Hamburg antreten. Da habe ich mir die Freiheit genommen, auf Spieler, die nicht deutsch sprechen, zu verzichten; also ein schlechter Beginn für das Verhältnis Magath/Ailton. Es gibt aber auch noch andere Gründe, ich habe aber eigentlich gar keine Lust, diese auszuführen.

SPIEGEL ONLINE: Warum nicht?

Magath: Sollten Sie wirklich daran interessiert sein, dann können Sie mit ein bisschen Überlegung selbst darauf kommen. Wenn Sie im Übrigen den Werdegang des SV Werder Bremen etwas verfolgt hätten, dann hätten Sie auch feststellen können, dass Ailton auch zu Beginn dieser Saison nicht zur Stammelf gehörte.

SPIEGEL ONLINE: Heute aber gehört er zu den besten Torschützen der Liga...

Magath: Man hat als Bundesligatrainer nicht die Zeit darauf zu warten, dass ein Spieler vielleicht irgendwann einschlägt. Das ist schade, ist aber die Realität. Dass Ailton seine Fähigkeiten hat, war auch mir klar, nur hat er sie bei mir nicht umgesetzt. Heute trifft er, da können Sie mir natürlich den Vorwurf machen, dass ich Ailton falsch behandelt habe. Ich aber sage: "Ich habe meine Pflicht getan, ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich habe ein reines Gewissen."



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