Fifa-Tagung Alles Wichtige zur WM-Reform

40 Teams, 48 oder doch weiter mit 32 Mannschaften? Die Fifa entscheidet über eine Reform des Weltmeisterschaftsmodus. Alles Wichtige im Überblick.
Gianni Infantino

Gianni Infantino

Foto: Christian Charisius/ dpa

Ab 9 Uhr tagt in Zürich das Council des Fußball-Weltverbands. Ganz oben auf der Tagesordnung steht die Beratung über das Format der Weltmeisterschaften ab 2026, genauer gesagt: über die Aufstockung des Teilnehmerfeldes ab der Endrunde. Fifa-Präsident Gianni Infantino hatte im Wahlkampf mindestens 40 statt wie bislang 32 Teilnehmer versprochen, es könnten aber sogar 48 WM-Starter werden.

Ob tatsächlich eine Entscheidung fällt, ist offen, es spricht aber vieles dafür.

Was steckt hinter den Infantino-Plänen?

Der Fifa-Boss verteidigt die aufgeblähte WM mit der Globalisierung. Mehr Nationen sollen die Möglichkeit bekommen, am größten Fußballereignis der Welt teilzuhaben. Profitieren werden vor allem die Fans aus den jeweiligen "neuen" WM-Ländern. Wie so oft steckt dahinter auch politisches und finanzielles Kalkül. Die 211 Fifa-Nationen regiert aufgrund des "Ein-Land-eine-Stimme"-Prinzips nicht der, der nur auf die Interessen der ohnehin schon Großen und Mächtigen eingeht.

Welche WM-Modelle gibt es?

  • Die WM mit 40 Mannschaften - Variante 8x5:
    Die Teilnehmer werden auf acht Vorrundengruppen mit je fünf Teams aufgeteilt. Die acht Gruppensieger und acht Gruppenzweiten qualifizieren sich für das Achtelfinale. Dann wird die WM im bekannten Modus bis zum Finale weitergespielt.
    Größte Kritikpunkte: Absprachen sind durch die ungerade Zahl in den Gruppen möglich. Schon in der Vorrunde gäbe es 80 Spiele - 16 mehr als bislang insgesamt.
  • Die WM mit 40 Mannschaften - Variante 10x4:
    Die Teilnehmer werden auf zehn Vorrundengruppen mit je vier Mannschaften aufgeteilt. Die zehn Gruppensieger und sechs besten Gruppenzweiten qualifizieren sich für das Achtelfinale. Dann wird die WM im bekannten Modus bis zum Finale weitergespielt.
    Größte Kritikpunkte: Absprachen sind durch das Weiterkommen von sechs der zehn Gruppenzweiten möglich. Schon in der Gruppenphase gäbe es 60 Spiele und damit fast so viele wie bislang insgesamt.
  • Die WM mit 48 Mannschaften - Variante Playoff:
    16 Mannschaften sind für die Hauptrunde qualifiziert. 32 weitere spielen in einer Playoffrunde im K.o.-Modus die weiteren 16 Teams aus, die in die Gruppenphase einziehen. Danach geht es im bekannten Modus mit acht Gruppen á vier Teams weiter.
    Größte Kritikpunkte: Große Nationen wie Deutschland oder Brasilien wären gesetzt und damit nicht betroffen - daher scheint dieses Modell konsensfähig. Allerdings: Der Fifa droht ein Vermarktungsproblem, gerade bei den TV-Rechten, wenn einige Teams schon nach einem Spiel wieder auf dem Heimweg sind.
  • Die WM mit 48 Mannschaften - Variante 16x3:
    Die Teilnehmer werden auf 16 Vorrundengruppen mit je drei Teams aufgeteilt. Bei einem Remis nach 90 Minuten wird der Sieger per Elfmeterschießen ermittelt, um Absprachen zu erschweren. Die 16 Gruppensieger und Gruppenzweiten ziehen in die erste K.o.-Runde ein. Die Gewinner stehen im Achtelfinale. Dann wird die WM im bekannten Modus bis zum Finale weitergespielt.
    Größte Kritikpunkte: Trotz Elfer-Modus könnte es in den Mini-Gruppen zu Absprachen kommen. Die Abschaffung des Unentschiedens wäre zudem ein Eingriff in die Fußballkultur.

Wer ist dafür, wer dagegen?

Laut Infantino ist die "überwältigende" Mehrheit der Verbände für die Aufstockung - und dann auch direkt auf 48 Teilnehmer. Die Opposition führt der Deutsche Fußball-Bund an, der dafür ist, "dass am bewährten Modus mit 32 Teilnehmernationen festgehalten werden sollte". DFB-Präsident Reinhard Grindel sieht bei allen diskutierten Modellen "erhebliche" Schwächen. Auch die Superreichen aus den europäischen Top-Klubs sind dagegen, vor allem, weil sie eine Mehrbelastung für ihre Profis fürchten.

Droht der große Krach, wenn die Mega-WM kommt?

Den hatte zumindest Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, im Dezember prophezeit. Mit Machtkampf wurde aber schon oft gedroht, unter anderem vor der Fifa-Entscheidung, die WM 2022 in Katar im Dezember auszutragen. Die Winter-WM wurde trotzdem abgesegnet, es folgten Einigungen bezüglich der millionenschweren Kompensationszahlungen an die Klubs - und die Kritik verstummte zumindest von dieser Seite größtenteils.

Wie wird abgestimmt?

Die Entscheidung trifft das Council, das derzeit aus 33 Mitgliedern besteht, in Eigenregie. Nötig ist die einfache Mehrheit, also mindestens 17 Stimmen. Das heißt: Selbst wenn die derzeit acht Vertreter der Europäischen Fußball-Union eine gemeinsame Position hätten, bräuchte der Europa-Dachverband mehrere Verbündete, um die Mega-WM zu verhindern. Ein deutscher Vertreter sitzt nach der Ethiksperre und dem Rücktritt von Ex-DFB-Chef Wolfgang Niersbach nicht am Tisch, Grindel rückt erst im Frühjahr nach. Die Kritiker hoffen, dass in Zürich einfach noch nicht abgestimmt wird - weil keine Mehrheit für eines der Modelle zustande kommt oder eine Verschiebung der Abstimmung per Mehrheit beschlossen wird.

luk/sid/dpa
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