Fifa-Ansage Diego und Rafinha dürfen zu Olympia

Machtwort des Fifa-Chefs: Joseph Blatter hat die Vereine verpflichtet, Profis unter 23 Jahren für die Olympischen Spiele abzustellen. Zu den Gewinnern gehören Stars wie Bremens Diego oder Rafinha, dessen Verein FC Schalke der größte Verlierer des Streits ist.

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Hamburg - Dabei sein ist alles: Der Internationale Fußball-Verband Fifa hat die Abstellung von Profis unter 23 Jahren für das olympische Turnier in Peking (8. bis 24 August) angeordnet: "Die Abstellung von Spielern unter 23 Jahren ist für alle Clubs zwingend. Für Peking gilt dieser Grundsatz ohne Vorbehalt", erklärte Fifa-Präsident Joseph Blatter am Mittwoch in einem Rundschreiben an alle Fifa-Mitgliedsverbände. "Dieses Turnier figuriert nicht im koordinierten internationalen Spielkalender. Das heißt aber nicht, dass die betreffenden Clubs keine Abstellpflicht trifft", schrieb der Schweizer weiter und ergänzte: "Spieler unter 23 Jahren, die den Stamm der Teams bilden, an der Teilnahme am olympischen Fußballturnier der Männer zu hindern, würde dem Geist der olympischen Bestimmungen widersprechen."

Damit stellte sich die Fifa auf die Seite des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und gegen die Vereine. Aus der Bundesliga sind besonders Werder Bremen und Schalke 04 betroffen. Werders Spielmacher Diego, 23, und der Schalker Abwehrspieler Rafinha, 22, waren ohne Genehmigung ihrer Arbeitgeber am Dienstag zur brasilianischen Olympiaauswahl gereist.

Die Vereine hatten ihre Haltung damit begründet, dass das olympische Fußballturnier nicht im internationalen Spielkalender des Weltverbandes steht. Diese Auffassung vertrat am Mittwoch auch Karl-Heinz Rummenigge als Vorsitzender der Europäischen Clubvereinigung (ECA).

Bremens Manager Klaus Allofs hatte sich im Vorfeld der Fifa-Entscheidung verärgert über das späte Eingreifen des Weltverbandes geäußert. "Wir haben schon vor Monaten versucht, die Sache über unsere Verbände bei der Fifa voranzubringen, doch es ist uns nicht gelungen", so Allofs zu SPIEGEL ONLINE. Im Gegensatz zu Schalke haben in Bremen aber sowohl das Management als auch der Spieler ihr Gesicht gewahrt. Statt sich eine tagelange öffentliche Auseinandersetzung zu liefern, wie es zwischen Schalke und Rafinha der Fall war, war in Bremen nach dem ersten Anflug von Unmut hinter verschlossenen Türen getagt worden.

"Wollen Diego nicht fesseln"

Allofs kam dabei gemeinsam mit Diego und dessen Vater und Berater letztlich zu einem ähnlichen Ergebnis wie am Mittwoch der FC Schalke 04: Der Internationale Sportgerichtshof Cas sollen entscheiden. "Ein Kompromiss ist nicht unser Ziel", sagte Allofs SPIEGEL ONLINE, "aber wir wollen uns an die Regeln halten. Das sieht auch Diego so. Es ist ja nicht so, dass wir ihn fesseln würden."

Trotzdem will Werder weiter vor den Cas ziehen: "Wie in vorherigen Schreiben der Fifa begründet Präsident Joseph S. Blatter seine Aussagen im Wesentlichen mit dem Gewohnheitsrecht und dem besonderen Charakter des olympischen Turniers. Nach Auffassung unserer Verbände DFB und DFL hat dieses Rundschreiben keinen bindenden Charakter", sagte Allofs.

Auch Schalkes Manager Andreas Müller hofft auf den Cas: "Auch wenn Herr Blatter FifA-Präsident ist, sind seine Aussagen reine Willkür. An unserer Vorgehensweise wird sich nichts ändern, wir warten auf die CAS-Entscheidung als oberste Instanz", so Müller. Immerhin dürften sich die Folgeschäden für die Bremer dank der behutsamen Vorgehensweise auch im Fall einer Bestätigung der Fifa-Ansage durch den Cas in Grenzen halten.

Das sieht beim FC Schalke 04 anders aus. Seit Tagen hatte sich der Verein eine öffentliche Schlammschlacht um die eigenmächtige Abreise von Verteidiger Rafinha geliefert. Der 22-Jährige schwänzte erst das Trainingslager der Schalker, dann demontierte er seinen Arbeitgeber öffentlich: "Sie drohen mir, machen Druck, sagen, dass sie mich verkaufen werden", hatte Rafinha gesagt.

Müller dementierte den Vorwurf und konterte mit einer weiteren Drohung. In einem Schreiben war Rafinha über die Strafe bei Vertragsbruch aufgeklärt worden. Sie soll bei 25.000 Euro pro Tag liegen.

Doch offenbar kennt sich Rafinha bestens im deutschen Arbeitsrecht aus. "Arbeitsrechtlich ist die Sache klar. Der Spieler muss an seinem Arbeitsplatz erscheinen. Wenn nicht, kann er fristlos gekündigt werden. Vielleicht wird er zuvor noch eine Abmahnung erhalten, damit ihm auch der Ernst der Lage deutlich wird", hatte der renommierte Bundesliga-Anwalt Christoph Schickhardt zu dem Fall gesagt.

Und genau das könnte dem Jungstar sehr entgegenkommen. Im Falle einer Kündigung könnte er ablösefrei den Verein wechseln. Ein Szenario, über das er sich auch schon Gedanken gemacht hat: "Wenn sie den Vertrag auflösen, wird es ihnen leid tun. Große Vereine haben schon ihr Interesse an mir gezeigt. Schalke wollte mich - wie im Fall Liverpool - aber nicht verkaufen."

Nach der heutigen Ansage der Fifa steht Rafinha erstmal als Sieger da. Das dürfte sich allerdings im Falle seiner Rückkehr ändern. Der Brasilianer wird sowohl beim strengen Trainer Fred Rutten als auch beim nachtragenden Manager Müller einen schweren Stand haben. Dieser hätte die Eskalation vermeiden können. Wenn er ähnlich kompromissbereit vorgegangen wäre wie sein Bremer Pendant Klaus Allofs.

Mit Material vom sid



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