Fifa Blatter macht in Aufklärung

Transparenz-Offensive von Fifa-Chef Joseph Blatter: Der 75-Jährige will die Fifa mit Hilfe von Franz Beckenbauer und DFB-Chef Theo Zwanziger vom Korruptionsimage befreien. Konkrete Maßnahmen nannte der Schweizer aber nicht - stattdessen werden erst einmal Kommissionen gegründet.

Fifa-Chef Blatter: "Der Fußball-Weltverband ist nicht korrupt"
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Fifa-Chef Blatter: "Der Fußball-Weltverband ist nicht korrupt"


Hamburg - Im Mai gab die Fifa in der Öffentlichkeit ein klägliches Bild ab: Der Fußball-Weltverband steckte tief im Korruptionssumpf. Jetzt gibt sich ihr Präsident Joseph Blatter das Image eines Aufklärers: Der Schweizer kündigte im Anschluss an eine Sitzung des Exekutivkomitees einen strukturellen Umbau des Verbands an - konkret wurde er dabei allerdings nicht. Stattdessen wurde lediglich die Gründung mehrerer Task-Force-Gremien beschlossen, in denen über die Statuten der Fifa nachgedacht werden soll. Einer dieser Kommissionen soll auch DFB-Chef Theo Zwanziger vorstehen.

"Der Fußball-Weltverband ist nicht korrupt, aber vielleicht sind es einige Mitglieder. Ich bin glücklich, dass wir diese Reformen beschließen konnten und nun hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können. Wir wollen nicht in der Vergangenheit schwelgen", sagte der 75-jährige Blatter am Freitag im "Home of Fifa" in Zürich.

Nach der mit Spannung erwarteten zweitägigen Sitzung wurden insgesamt vier neue Task-Forces gegründet, die helfen sollen, der Fifa einen besseren Ruf zu verschaffen. Zwanziger, seit Mai Mitglied der Fifa-Exekutive, wird die "Task Force Statuten-Kommission" anführen, sein Vorgänger Franz Beckenbauer soll Vorsitzender der "Task Force Football 2014" werden. Dieses Gremium kann Vorschläge erarbeiten für das International Board, das alleine Regeländerungen beschließen darf.

Gründung von Task-Forces ist kein neues Instrument Blatters

Neben dem Vorsitzenden Beckenbauer werden auch die früheren Fußballstars Pelé und Bobby Charlton sowie Cafú und Christian Karembeu eingebunden. In ähnlicher Form und Zusammensetzung gibt es das Gremium allerdings schon länger - bisher ist es nicht durch Innovationen aufgefallen.

Zudem rief Blatter sowohl eine Task-Force für mehr Transparenz als auch eine "Task Force Ethik-Kommission" ins Leben. Nachdem insbesondere die doppelte Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar wegen massiver Korruptionsvorwürfe ins Zwielicht geraten war, sah sich der Fifa-Boss zu diesen Maßnahmen gezwungen.

Mit der Gründung von Task-Forces hat Blatter allerdings schon mehrfach auf Kritik am Verband reagiert - so im Vorjahr, als die Schiedsrichter bei der WM in Südafrika wegen gravierender Fehlentscheidungen massiv in die Schusslinie gerieten. Von der Task-Force, die sich daraufhin zum Beispiel mit der Einführung des elektronischen Chips im Ball beschäftigen sollte, war danach nicht mehr viel zu hören.

ISL-Akten werden wieder geöffnet

Zur neuen Transparenz-Offensive Blatters zählt auch die Ankündigung, dass der Weltverband den Strafprozess gegen die frühere Vermarktungsagentur ISL mit Hilfe externer Ermittler neu aufrollen will. 2008 waren während des Verfahrens Schmiergeldzahlungen von ISL-Seite an Funktionäre der Fifa, des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und anderer Verbände in Höhe von 138 Millionen Franken öffentlich geworden.

Zu einer Aufklärung kam es indes nie. Das Verfahren wurde eingestellt, nachdem die Begünstigten Rückzahlungen geleistet hatten. Die Fifa zahlte damals 5,5 Millionen Franken an die Schweizer Staatskasse, damit in dem Skandal nicht weiter ermittelt und Namen von Funktionären nicht öffentlich gemacht wurden.

Blatter war im Mai beim Kongress in Zürich in seine vierte Amtszeit als Fifa-Präsident gewählt worden, obwohl der Verband aufgrund von Korruptionsfällen in seine tiefste Krise geraten war. So war kurz vor Blatters Wahl dessen Gegenkandidat, Mohammed Bin Hammam aus Katar, als Vizepräsident suspendiert und anschließend lebenslang gesperrt worden. Ihm war der Versuch des Stimmenkaufs vorgeworfen worden. Deswegen war mit Jack Warner aus Trinidad-Tobago auch ein weiterer Stellvertreter Blatters von von seinem Amt entbunden worden.

Einen Rücktritt schloss Blatter am Freitag definitiv aus: "Ich bin gewählt worden und wurde beauftragt, die Fifa wieder in Ordnung zu bringen. Ich habe überhaupt nicht die Absicht zurückzutreten."

aha/dpa/sid

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gvsfrance 21.10.2011
1. Task force(s)
Und wieder machen alle sauber geschmiert mit bei den TASKFORCEs - um Korruption zu endecken und irgendwelche anderen Sachen. Und irgendwelche Menschen wählen diesen Typen immer wieder, sind wahrscheinlich auch in irgendeiner Taskforce. Was heißt eigentlich Taskforce ? - Chauffeur sowieso - Flugzeug oder wahlweise Hubschrauber zum regelmässig unerlässlichen Taskforcemeeting im 10+ Sterne Hotel in ??? - Frauenservice 24/7 - freie Reisen um die Welt für alle Verwandten und Bekannten - Spesen natürlich unbegrenzt - Medienpräsenz ..... - eigener Elite-Manager für alle immer wieder anfallenden Zuwendungen, extra-Assistentin insbesondere vor Stimmabgaben Wenn man allerdings mehr klaut oder dummes Zeug redet als der Chef, bekommt man Taskforce-SPERRE ! Selbst als Stellvertreter vom Taskforce-Erfinder der neuesten Taskforces. Zack, hats da 2 Typen erwischt .... Das als Spezialberater Herr DSK noch nicht leistungsgerecht verpflichtet wurde, lässt bei dessen weltweiten sportlichen und finanziellen Erro-ungenschaften nur wundern. Wurscht, 20er ist natürlich dabei und wird als potentieller Kandidat für die Präsidentur zum Leiter der noch einzurichtenden Schw....taskforce (darf man ja nicht sagen - aber halt so eine sozusagen professionelle Bewältigung von dem MännermitMännerding) gehandelt, Man weiß aber noch nichts genaues - Blatter und selbst Beckenbauer halten sich derweilen bedeckt. Auch hat der Großmeister des Weltverbandes die großen Möglichkeiten durch eine Verpflichtung von Lothar M. als Taskforce-bereicherer mit Schwerpunkt "Trainerschulung für Superteam-trainer-taskforces - strategisch & (=and) international" noch nicht erkannt.("da brauchma kein'n Chip") In dem Loddar seinem Taskforce-bereicherungs-stab gäb es dann wenigsten regelmäßig junge Mädels mit nem ordentlichen Ausschnitt, die immer wieder als Taskforcebereicherer-Manager-zur-Zeit-Gattin bisschen was her machen würden. Da ist auch noch Luft für einen Design-job als Wiesn-Halstuchberater für ein par Mille drin.
Finnegan23 22.10.2011
2. Blatter, Samaranch, Blazer, Havelange, Ecclestone...
...das sind ja nur einige Beispiele aus der Hochfinanz des Sports und die Symptome sind wahrlich nicht neu. Es geht um obszön viel Geld und noch mehr Macht. Das Problem ist offensichtlich (und wird gewollt nicht behoben): Zwergstaaten haben genauso eine Stimme wie Supermächte. Das ist ja, als wenn Deutschland von einem Gemeinderat regiert würde, in dem ein Dorf im Saarland genauso viel zu sagen hat wie Hamburg. Mit einer "Entwicklungszuwendung" von einer Mio. wäre der Bürgermeister des strukturschwachen Dorfes dann wahrscheinlich auch geneigt, sein Abstimmverhalten anzupassen. Jegliche Änderung und Demokratisierung wird verhindert, indem man diejenigen, die wirklich an den Stühlen sägen könnten, zum einen in harmlose Alibi-"Kommissionen" abschiebt und mit ihnen dafür Deals für künftige wichtige Entscheidungen abmacht. Wer dann doch mal ausbricht und auspackt, wird abserviert. Das Interesse der Öffentlichkeit hält sich dann erfahrungsgemäß in Grenzen, wenn der Whistleblower diskreditiert wird. Die Handvoll Mächtiger, die daran etwas ändern könnten, sind so tief in das Lobbyismus-Machtverteilungs-System verstrickt, dass sie sich zuletzt selbst völlig undemokratisch verhalten - siehe das wirklich nicht mehr nachvollziehbare Verhalten eines Dr. Zwanziger bei Blatters jüngster Wahl. Zitat (sinngemäß): "Wie hätte das denn ausgesehen, wenn wir da als einzige ausgeschert wären? Hätte das Deutschland geholfen?" Wer denken kann, kann das richtig interpretieren. Ergo: Mangels funktionsfähiger demokratischer Strukturen (siehe oben, Zwergstaaten etc.) wird eine Parallel-Entscheidungsebene aufgebaut, die in Hinterzimmern entscheidet und "Realpolitik" zementiert. Wer hat ein Interesse, daran etwas zu ändern? Niemand. Die einen machen die Deals, die anderen bekommen ab und zu Briefumschläge oder Koffer mit Banknoten dafür, dass sie richtig abstimmen. Alle happy. Jeder, der in dieses System involviert ist, weiß das. Es scheint aber einfach immer noch nicht genügend Menschen in ihrem Gerechtigkeitsempfinden zu treffen. Insofern darf man sich dann auch nicht darüber beschweren. P.S: Das System funktioniert natürlich auch in Wirtschaft und Politik. Nur scheinen offenbar viele Menschen die romantische Vorstellung haben, dass weltweite Sportverbände integrer agieren sollten.
Erich91 22.10.2011
3. Da sind sie wieder unter sich
und ermitteln gegen sich selbst, Natürlich nur gegen entsprechendes Honorar. Dort sind alle Ganoven versammelt die sich im Fußballgeschäft herumtummeln. Und nach jedem Event verteilen sie wieder Plastikbälle an die hungernden Kinderchen und fühlen sich ja so was von " edel " und streichen klammheimlich 100.000 nde in die eigene Tasche.
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