Fotostrecke

WM-Vergabe: Kampf mit allen Mitteln

Foto: Sang Tan/ AP

Fifa-Entscheidung Wer die WM-Favoriten sind

Die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 ist zum Showdown der Lobbyisten und Sponsoren geworden. Die Europäer bekommen das erste Turnier, um das zweite bietet die halbe Welt mit - erfahren Sie, wer die besten Chancen hat.

Korruption, Bestechung, Geheimabsprachen - der Kampf um die gleichzeitige Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 scheint mit allen Mitteln geführt zu werden. Das mag auch daran liegen, dass es für beide Turniere anders als bei anderen WM-Vergaben diesmal keine echten Favoriten gibt.

Fest steht einen Tag vor der Bekanntgabe der Entscheidung nur: 2018 geht die WM nach Europa - und vier Jahre später kommt der Rest der Welt zum Zug. SPIEGEL ONLINE analysiert die Bewerbungen:


  • England - der Favorit

Vier europäische Kandidaten sind für 2018 noch im Rennen. Lange Zeit hatte sich England die besten Chancen ausgerechnet. Die Briten wären wieder einmal an der Reihe, das letzte Weltturnier auf der Insel war 1966 - unvergessen nicht zuletzt durch das berühmte Wembley-Tor von Geoff Hurst gegen Deutschland im Finale.

England ist das klassische Fußballland, es hat dank der Premier League mehrere perfekte Stadien. Mit dem neuen Wembley, dem Arsenal-Stadion oder Old Trafford würden die WM-Spiele in Kathedralen des Fußballs stattfinden. Der Plan ist, dass zusätzlich fünf neue Stadien gebaut werden.

Um die Begeisterung der Fans müsste man sich auch keine Gedanken machen - und außerdem hat England mit den Olympischen Spielen 2012 in London schon einen perfekten Probelauf für eine solche Großveranstaltung.

Medien-Darling Prinz William persönlich wird direkt bei der Fifa für England werben. Und doch hat die Strahlkraft der Bewerbung zuletzt enorm gelitten. Dass ausgerechnet englische Reporter den Korruptionsskandal der Fifa im Oktober aufgedeckt haben, hat beim Weltverband für Verärgerung gesorgt. Bewerbungschef David Triesman musste zurücktreten. Er hatte gegenüber seiner Ex-Freundin, einer Journalistin, über mögliche Absprachen der Konkurrenz geplaudert - anschließend fanden sich diese Spekulationen in der Zeitung, für die die Frau arbeitet. Außerdem sorgt das traditionelle Wimbledon-Turnier für Probleme. Nach Fifa-Vorgaben darf in dem Land, in dem eine Fußball-WM stattfindet, gleichzeitig kein anders sportliches Großereignis abgehalten werden. Dennoch zählt England zu den aussichtsreichsten Kandidaten für 2018.


  • Spanien und Portugal - die Geheimfavoriten

Hoffnungen dürfen sich auch Spanien und Portugal machen, die sich zu einer gemeinsamen Kandidatur entschlossen haben. Die Fifa hat eigentlich Bedenken bei Doppelbewerbungen, weil sie sich um das einheitliche Erscheinungsbild eines Turniers sorgt. Die beiden Südeuropäer haben allerdings in jedem Fall die Unterstützung der südamerikanischen Stimmen im Exekutivkomitee sicher.

Beide Länder sind fußballbegeistert. Madrid, Barcelona, Porto und Lissabon als WM-Standorte verfügen über eine herausragende Stadion-Infrastruktur - die Portugiesen haben ihre Arenen schließlich erst für die EM 2004 schick gemacht. Die Entfernungen sind außerdem überschaubar. Spanien und Portugal dürften Englands härtester Konkurrent sein.


  • Russland - der chancenreiche Außenseiter

Gut im Rennen sieht sich auch Russland, das das meiste Geld aller europäischen Bewerber für die WM ausgeben würde. 14 von 16 Stadien müssten erst gebaut werden. Die WM würde sich von der Ostseeküste bis hinter den Ural erstrecken - die Fans müssten demnach gewaltige Entfernungen überbrücken, um von Stadion zu Stadion zu reisen.

Russland hat die Winterspiele 2014 bekommen, ab 2015 rast die Formel 1 durch das Land, die Fußball-WM 2018 wäre die Krönung. Eine kritische Begleitung durch die Medien, wie sie in England jetzt schon der Fall ist, würde hier wohl ausfallen - was der Fifa gefallen dürfte. Trotzdem liegt Russland im Chancen-Ranking nur auf Platz drei.

  • Niederlande und Belgien - chancenlos

Klarer Außenseiter sind die Niederlande und Belgien mit ihrer Doppelbewerbung. Hier wird die Abneigung der Fifa gegen solche gemeinsamen Kandidaturen nicht durch andere Positiva aufgewogen. Beide Länder hatten sich schon 2000 zur EM zusammengeschlossen, damals waren die Funktionäre gerade vom belgischen Teil nicht komplett überzeugt.

Fan-Begeisterung wäre gerade in den Niederlanden garantiert - die Bewerbung kommt im Vergleich zu Russland oder England aber eher bescheiden daher. Das sammelt zwar in der Öffentlichkeit Sympathiepunkte, ist aber für die Fifa kein maßgebliches Argument.

Die Chancen der Bewerber für 2022

  • Katar - wenig Chancen

2022 ist das Bewerberfeld noch bunter als 2018 und damit unübersichtlicher. Die ungewöhnlichste Bewerbung hat zweifellos Katar eingereicht. Das Emirat ist kleiner als ein mittelgroßes deutsches Bundesland und will trotzdem auf seiner Fläche zwölf brandneue Stadien bauen - Umkreis: 30 bis 50 Kilometer. Einige Stadien würden nach der WM wieder in ihre Einzelteile zerlegt und in andere Länder verkauft.

Die Arenen müssten wegen brutaler Sommerhitze gekühlt werden, das will Katar durch Sonnenkraft gewährleisten - die Hitze ist trotzdem die größte Feindin der Bewerbung. Die Fifa hat deutliche Einwände dagegen, eine WM vier Wochen lang in einem Brutofen stattfinden zu lassen.

Dass Katar fußballerisch ein Entwicklungsland ist, in dem Sportbegeisterung durch Petrodollars künstlich aufgepumpt wird, spricht nicht gerade für den WM-Standort in der Wüste. Außerdem verstummen die Gerüchte nicht, wonach Katar versuche, über Absprachen seine Position zu verbessern. Von einer Seilschaft mit Spanien und Portugal ist die Rede. Die Fifa zeigte sich über solche Meldungen zuletzt vergrätzt.

Für Katar spricht, dass der Verband immer daran interessiert ist, neue Märkte zu erschließen. Der Nahe Osten als Brücke nach Asien wäre einer, auch wenn Katar ein skurriler Außenseiter ist.


  • Japan und Südkorea - chancenlos

Probleme haben auch die Bewerber Japan und Südkorea. 2002 haben sie gemeinsam die WM ausgerichtet - nur acht Jahre später bewerben sie sich nun getrennt um das nächste Turnier. Das erhöht ihre Chancen nicht unbedingt, beide zählen nicht zu den Favoriten.

Japan ist ein boomender Fußballmarkt und hat daher leichte Vorteile gegenüber Südkorea - das außerdem durch den Konflikt mit Nordkorea leidet. Es ist der Kandidat mit den schlechtesten Gewinnchancen.

Japan wäre dagegen ein verlässlicher Veranstalter. Es darf zumindest hoffen.


  • Australien - der Geheimfavorit

Bleiben die zwei aussichtsreichsten Bewerber. Zunächst Australien: Das Land hatte noch nie eine Fußball-WM, und die Begeisterung für die Sportart ist dank der Erfolge der Herren-Nationalmannschaft beträchtlich gewachsen - sie konnten sich immerhin für die vergangenen zwei Turniere qualifizieren.

Die Australier wollen enorm investieren. Sie haben unter anderem den Milliardär Frank Lowy im Rücken, den reichsten Mann des Landes. Außerdem haben sie sich die Dienste eines der einflussreichsten Fußball-Lobbyisten gesichert: Fedor Radman, ein Weggefährte Franz Beckenbauers.

Australiens größtes Problem ist die Zeitverschiebung, die eine Vermarktung des Turniers in den Kernmärkten Europas erschwert.


  • USA - der Favorit

Und so läuft vieles auf eine WM in den USA hinaus. Das Turnier von 1994 in dem Land hat zwar gezeigt, dass das US-Publikum in Sachen Fußballregeln noch einiges dazulernen musste - aber bis 2022 hätte es dafür ja fast 30 Jahre Zeit gehabt.

Die USA sind ein interessanter Markt - dank ihrer Sponsoren sind sie eine Macht. Und eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey, die am Dienstag veröffentlicht wurde, hat der Fifa aufgezeigt, dass eine WM in Übersee für den Verband am lukrativsten wäre.

Meldungen darüber, dass England und die USA sich verbündet haben, um sich gegenseitig die Turniere zu sichern, werden derzeit vor allem in spanischen Medien gestreut. Und von beiden Ländern mit Verve zurückgewiesen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.