Fifa-Ermittlungen Frings droht WM-Aus
Berlin - Bei den Tumulten nach dem deutschen Viertelfinalsieg gegen Argentinien am Freitag in Berlin (4:2 i.E., 1:1 n.V.) hat es auch einen Schlag von Mittelfeldspieler Torsten Frings gegen den Argentinier Julio Cruz von Inter Mailand gegeben. Die Tätlichkeit von Frings zeigen Fernsehbilder, auf die die italienische Zeitung "La Repubblica" verweist. Die Fifa leitete heute Abend nach Ansicht der TV-Bilder ein Disziplinarverfahren gegen Frings ein.
"Der deutschen Delegation sowie auch dem Spieler selbst wird bis Montag, 13 Uhr, eine Frist gesetzt, zum Vorfall eine Stellungnahme abzugeben. Aus zeitnahen Gründen ist mit einem Entscheid der Kommission bis spätestens Montagnachmittag zu rechnen", heißt es in der Fifa-Mitteilung.
Der Bremer wies die Vorwürfe vehement zurück. "Ich habe nichts gemacht", sagte der 29-Jährige im Gespräch mit der "Kreiszeitung Syke". "Ich habe mich in einem Pulk befunden, in dem alle wild um sich geschlagen haben. Ich habe selber zwei Schläge abbekommen. Da habe ich zu meinem Schutz die Hände nach vorne gestreckt, mehr war nicht." Cruz sagte der italienischen Zeitung "Gazzetta dello Sport": "Ich habe keinen Faustschlag bekommen, zumindest habe ich nichts gespürt."
Sollte Frings dennoch nachträglich bestraft werden, würde dies das sichere Aus für das Halbfinale bedeuten. Auch ein Einsatz im Endspiel - sofern Deutschland das Finale erreicht - wäre in Gefahr, da Tätlichkeiten in der Regel mit mindestens drei Spielen Sperre sanktioniert werden.
"Wir werden fristgericht unsere Stellungnahme abgeben", sagte DFB-Mediendirektor Harald Stenger auf sid-Anfrage; um 19.23 Uhr am Sonntagabend war die Fifa-Ankündigung mit der Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen Frings im WM-Quartier Schlosshotel Grunewald per Fax eingetroffen. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer erklärte in Anbetracht der Bilder von der Frings-Tätlichkeit in der ARD, dass das Verursacherprinzip nicht außer acht gelassen werden dürfe.
Der Weltverband hatte am Sonntag mitgeteilt, er ermittle nicht mehr gegen deutsche Spieler, habe aber ein Verfahren gegen den Argentinier Maxi Rodriguez (Atletico Madrid) eingeleitet, der sich im Anschluss an das Spiel zu einem Faustschlag gegen den Münchner Bastian Schweinsteiger hinreißen ließ. Der argentinische Ersatzspieler Leandro Cufre hatte unmittelbar nach der Entscheidung mit seinem Tritt in den Unterleib von Per Mertesacker die unschönen Vorfälle ausgelöst und die Rote Karte gesehen; er muss mit einer langfristigen Sperre durch die Disziplinarkommission der Fifa rechnen.
Gegen Argentinien war Frings neben Elfmeter-Held Jens Lehmann bester Deutscher. "Das war eine überragende Partie von Torsten. Er hat unglaublich viel vor der Abwehr abgeräumt und zusätzlich noch Juan Riquelme nahezu ausgeschaltet. Er hat niemandem Luft gelassen", würdigte Kapitän Michael Ballack seinen Nebenmann Frings. Es war in der Tat beeindruckend, wie Frings seinen Part im defensiven Mittelfeld ausfüllte und viele brenzlige Situationen schon im Ansatz erstickte.
Frings hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die DFB-Auswahl im Spiel blieb, ein 1:1 nach Verlängerung erkämpfte und sich letztendlich mit 4:2 im Elfmeterschießen durchsetzen konnte. Frings, der schon im Februar vergangenen Jahres beim 2:2 gegen die Argentinier überragend gespielt hatte, war eigentlich als letzter der fünf Schützen vorgesehen. Durch die beiden Heldentaten von Lehmann kam er allerdings nicht mehr zum Zug. "Dass ich nicht mehr gefordert wurde, hat mich natürlich erleichtert", sagte Frings. "Aber ich war mir sicher, dass ich den Elfmeter verwandelt hätte."
Am Dienstag im Halbfinale gegen Italien - sofern es nicht doch Sanktionen geben wird - kommt die nächste Herausforderung auf Frings zu. Als "Staubsauger" vor der deutschen Abwehr wird er es entweder mit Francesco Totti oder Alessandro Del Piero zu tun haben. Die Italiener seien ein "schwerer Brocken", vor dem man durchaus Respekt haben müsse, aber Angst? "Nein, Angst auf keinen Fall."
sid/mig