Infantinos neue Klub-WM Folge dem Geld

Fifa-Boss Gianni Infantino hat es wieder einmal geschafft: Die neue auf 24 Teams aufgepumpte Klub-WM wird kommen. Noch wollen die Europäer nicht mitmachen - aber ihr Widerstand bröckelt bereits

Fifa-Boss Gianni Infantino
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Fifa-Boss Gianni Infantino

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Gianni Infantino hat in den drei Jahren als Chef des Weltfußballverbandes Fifa Erstaunliches geschafft: Ihm ist es tatsächlich gelungen, seinen Vorgänger und Schweizer Landsmann Joseph Blatter in gewisser Hinsicht noch zu übertrumpfen. Die Ungeschminktheit, mit der Infantino die Supersuper-Kapitalisierung des super-kapitalisierten Fußballs vorantreibt, ist atemberaubend.

Am Freitag hat der 48-Jährige unter den Palmen von Miami wieder einen großen Schritt in diese Richtung gemacht. Die beschlossene 24er-Klub-WM wird dem Verband weitere Finanzquellen erschließen, das nächste Turnier, das quantitativ aufgepumpt wird.

Die alte Klub-WM mit sieben Mannschaften war zuletzt nur noch ein müder Fußballaufguss kurz vor Weihnachten: Am Ende gewann fast immer der europäische Vertreter im Endspiel gegen den lateinamerikanischen Teilnehmer. Also weg damit.

"Wir sind im Fußball, nicht im Krieg"

Das neue Format stößt derzeit noch auf den Widerstand der europäischen Vereine, aber die waren auch gegen die Spätherbst-WM in Katar 2022. Auf den Unmut der Topklubs aus England, Spanien, Italien, Deutschland und Frankreich reagiert der Fifa-Boss lächelnd: "Wir sind im Fußball, nicht im Krieg."

Übersetzt heißt das: Wenn das Geld sprudelt und ein paar Zugeständnisse gemacht werden, werden die Vereine schon weich. Real Madrid, so schreibt die französische Sportzeitung "L'Equipe" sei bereits aus der Nein-Front ausgebrochen und sehe dem neuen Wettbewerb "mit Vorfreude" entgegen. Auch Bayern-Biss Karl-Heinz Rummenigge hat in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" bereits Wohlwollen angedeutet. Andere werden folgen. Follow the Money.

Was für Infantino gut ist, ist für den Fußball gut

Infantino hat sich nach den Beschlüssen von Miami als "glücklichen Fifa-Präsidenten" bezeichnet, und Glück definiert er seit jeher dadurch, dass der Fifa neues Geld in Aussicht steht. Selbstverständlich tue er das alles "nicht für mich, sondern für den Weltfußball". Im Normalfall vermischt sich das. Was Infantino für den Weltfußball für gut hält, ist auch für Gianni Infantino gut.

Von DFB-Präsident Reinhard Grindel, Mitglied des Fifa-Council, war schon im Vorfeld nicht zu erwarten gewesen, dass er sich mit Vehemenz gegen die Infantino-Pläne aussprechen würde. Ein paar Tage zuvor hatte er, ansonsten als ehemaliger Fernsehjournalist durchaus medienbewusst, ein TV-Interview mit der Deutschen Welle mittendrin platzen lassen.

Die Fifa kann sich auf den DFB verlassen

Er war genervt von den Fragen zu Infantinos neuen Mega-Deals. Am Freitag sendete er, was den europäischen Widerstand gegen die neue Klub-WM anging, schon die ersten Signale der Beschwichtigung aus: "Ich gehe davon aus, dass es weitere Gespräche geben wird." Im Fall des Falles konnte sich ein Fifa-Boss bisher immer auf den DFB verlassen.

Die Klub-WM neuen Typs soll im Juni 2021 über die Bühne gehen. Sie ist eines von drei Prestigeprojekten Infantinos:

  • Das zweite Lieblingsprojekt des Schweizers ist die 48er-Weltmeisterschaft, die er so fürchterlich gerne bereits 2022 in Katar Wirklichkeit werden lassen will. Dass sie vier Jahre später in den USA und Mexiko umgesetzt wird, hat er ohnehin schon durchgesetzt. 2022 ist die WM in seiner bisherigen Form mit 32 Teams schon schwierig genug zu takten, für eine Aufstockung müssten Partner in der politisch heiklen Golfregion gefunden werden.
  • Kuwait und Oman sind im Gespräch, wenn das nicht klappen sollte, wird Infantino flexibel genug sein, auch das 32er-Modell als großartig zu verkaufen. Dass eine Weltmeisterschaft in Katar an sich schon hochumstritten war, das geht in der Diskussion um die Teilnehmerzahl schon fast unter. Das hat Infantino schon geschafft.
  • Und dann wäre da noch die Global Nations League, auch so ein Projekt, das Infantino klandestin und mit potenten Investoren im Hintergrund konzipiert hat. Sie im Handstreich durchzusetzen, das hat nicht funktioniert, da ist der Unmut vor allem aus Europa noch zu groß.

Also hat der clevere Schweizer das Projekt erst einmal hinten angestellt. Er wird es zu gegebener Zeit wieder hervorholen. Und dann wieder ein glücklicher Präsident sein.



insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
Seifert 16.03.2019
1.
Das wird keine Meisterschaft -das ist Monopoly!!
schwaebischehausfrau 16.03.2019
2. Keine Überraschung...
ist zumindest, dass Rummenigge (der mit den Dollar-Zeichen dort, wo andere Augäpfel haben) wieder ganz weit vorne dabei ist bei den Freunden des immer weiteren quantitativen Aufpumpens des Kommerz im Fußball. Schon seine Liebe zu Katar (o.k, wenn ich "Freunde" in Nordkorea hätte, die mir Luxusuhren für 5-stellige Beträge schenken, dann würde ich mich wahrscheinlich auf für eine WM und Trainingslager meines Clubs in Nordkorea einsetzen) und sein beharrliches Festhalten an Platini selbst dann noch, als dessen Machenschaften schon von den Medien aufgedeckt waren, zeigen schon lange, wie Rummenigge gestrickt ist.
gowilligo 16.03.2019
3.
Bis heute hatte ich noch gehofft, die Europäer würden wenigstens einmal Rückgrat haben und die Sache ins Leere laufen lassen indem sie die Schwachsinn entweder einfach boykottieren oder eine bessere Amateurauswahl hinschicken. Wie naiv von mir. Und Rummenigge ist natürlich wieder in der ersten Reihe dabei. Ich sehne den Tag herbei wenn der endlich seinen Posten räumt. Und das sage ich als bekennender Bayern-Anhänger und langjähriges Mitglied.
hileute 16.03.2019
4. Alles zum Vergessen
dann kann man sich aber immerhin endgültig die Spiele vorm Viertelfinale sparen...
HerrPeterlein 16.03.2019
5. Das Produkt geht immer mehr kaputt
Durch diese ganzen augeblasenen Wettbewerbe haben einige wenige Mannschaften und Länder einen enormen Vorteil. Gleichzeitig sinkt das Interesse am gesamten Produkt Fußball, es wird immer langweiliger und ein sportlicher Wettkampf. Alleine die Zuschauerzahlen im Stadion und TV in der Bundesliga sinken, trotz das alles für das TV gemacht wird.
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