Fifa-Intervention Weltverband zwingt Togo zum Aufbruch

Togos Nationalmannschaft ist mit mehrstündiger Verspätung zum Zweitrundenspiel gegen die Schweiz  nach Dortmund abgereist. Allerdings erst nach eindringlicher Intervention der Fifa, die mit Sperren gedroht haben soll. Der Prämienstreit ist damit aber nicht vom Tisch. 


Wangen - Ob ein Streik der Spieler beim WM-Neuling damit tatsächlich abgewendet ist, scheint offen. Die Fifa aber soll nicht nur dem Verband mit Sanktionen, sondern offenbar auch den Spielern Togos mit einer Sperre für ihre Vereine gedroht haben. "Natürlich haben wir da etwas mitgeholfen, Wir haben den Leuten zur Kenntnis gebracht, dass es gravierende Folgen haben kann, wenn sie nicht antreten", sagte Fifa-Sprecher Markus Siegler zu den Umständen der erzwungenen Abfahrt des Teams.

Nachdenklicher Otto Pfister: "Nehme an, dass sie eine Lösung gefunden haben"
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Nachdenklicher Otto Pfister: "Nehme an, dass sie eine Lösung gefunden haben"

Es wäre das erste Mal in der 76-jährigen WM-Geschichte gewesen, dass eine Mannschaft ein Spiel bestreikt oder sich von dem Turnier zurückzieht. Bei einem solchen Verhalten drohen dem nationalen Verband strenge Strafen wie etwa der Ausschluss von den nächsten Weltmeisterschaften. Togos deutscher Nationaltrainer Otto Pfister zeigte sich auf der Busfahrt zum Flughafen Friedrichshafen von der Situation genervt. "Ich nehme an, dass sie eine Lösung gefunden haben", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon. "Ich weiß aber nicht, wie sie aussieht und will es auch nicht wissen."

Wegen des Prämienstreits war Pfister am ersten WM-Wochenende zurückgetreten und nach einer chaotischen Nachfolgersuche erst einen Tag vor Togos Auftaktniederlage gegen Südkorea wieder auf die Trainerbank zurückgekehrt. Vor der Partie gegen die Schweiz eskalierte die Situation erneut. Ein Mitglied aus dem Mannschaft erklärte: "Die Spieler machen keine Anstalten, abzureisen. Sie haben immer noch kein Geld gesehen. Für sie ist es offenbar das letzte Mittel, um sich durchzusetzen." Verbandssprecher Messan Attolou hatte dagegen versichert, der Prämienstreit sei geklärt.

Aufgrund der Differenzen hatten die Spieler bereits vor dem 1:2 zum Auftakt gegen Südkorea einige Trainingseinheiten ausfallen lassen. Pfister hatte daraufhin fristlos gekündigt, war zu seiner Familie in die Schweiz geflüchtet und erst kurz vor dem ersten Gruppenspiel doch wieder zur Mannschaft zurückgekehrt. Die Spieler fordern angeblich 155.000 Euro Antrittsprämie pro Kopf sowie weitere 30.000 Euro für jeden Sieg. Der Verband will aber nur 30.000 Euro Antrittsprämie zahlen.

mt/sid/dpa/rtr



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