Wahl des Fifa-Präsidenten Blatter-Gegner Figo beklagt Heuchelei

Damit ist nur noch ein Herausforderer übrig: Michael van Praag und Luis Figo treten beim Fifa-Kongress doch nicht gegen Präsident Joseph Blatter an. Der portugiesische Ex-Profi kritisiert die Verlogenheit vieler Funktionäre.

Figo: "An einem Tag der Teufel, am nächsten Jesus Christus"
AP/dpa

Figo: "An einem Tag der Teufel, am nächsten Jesus Christus"


Michael van Praag wird bei der Fifa-Präsidentschaftswahl in der kommenden Woche nicht gegen Amtsinhaber Joseph Blatter antreten. Der Niederländer gab seinen Verzicht auf eine Kandidatur bekannt und teilte mit, er wolle stattdessen Prinz Ali Bin Al Hussein unterstützen. Offenbar traut die Koalition der Blatter-Gegner eher Prinz Ali zu, möglichst viele Stimmen zu bekommen.

Auch der portugiesische Ex-Profi Luis Figo zog seine Kandidatur am Donnerstag zurück. "Diese Wahl ist keine Wahl", sagte er. "Sie ist eine Volksabstimmung, die nur dazu dient, einem Mann die absolute Macht zu geben." Er sei nicht bereit, dabei mitzumachen.

Figo sagte, er habe in den vergangenen Monaten Dinge erlebt, "für die sich jeder schämen müsste, der sich einen demokratischen, freien und sauberen Fußball wünscht".

Der Portugiese kritisierte die Heuchelei der Funktionäre: Er habe mit seinen eigenen Augen Verbandschefs gesehen, "die an einem Tag die Fifa-Anführer mit dem Teufel vergleichen und am nächsten auf offener Bühne dann mit Jesus Christus".

Blatters Gegenkandidaten seien davon abgehalten worden, auf Kongressen zu sprechen, während der Schweizer hofiert worden sei. Figos Fazit: Er werde nicht antreten - aber wieder zur Verfügung stehen, "sobald nachgewiesen ist, dass die Fifa keine Diktatur ist".

Blatters Wiederwahl gilt als sicher

Die 209 Mitgliedsverbände wählen den neuen Präsidenten bei ihrem Kongress am 29. Mai in Zürich. Blatter kandidiert entgegen früherer Versprechen für eine weitere Amtszeit. Trotz der weitgehend fehlgeschlagenen Bemühungen um mehr Transparenz und der ständigen Korruptionsvorwürfe gegen Fifa-Spitzenfunktionäre gilt seine Wiederwahl als sicher. Bis auf die Uefa unterstützen ihn alle Kontinentalverbände.

DFB-Chef Wolfgang Niersbach hat klargestellt, dass Blatter aus Deutschland kein Votum für eine fünfte Amtszeit erhalten soll. "Das DFB-Präsidium ist unverändert der Auffassung, dass ein Wechsel an der Fifa-Spitze angebracht wäre", sagte Niersbach der "Bild"-Zeitung.

Nachteile für den deutschen Fußball bei der erwarteten Wiederwahl Blatters befürchtet Niersbach nicht: "Wenn Sepp Blatter wiedergewählt wird, dann werden wir sicher nicht immer einer Meinung sein, aber konstruktiv zusammenarbeiten."

Niersbach gehört als Mitglied des Uefa-Exekutivkomitees zum Machtzirkel der europäischen Fußballfunktionäre, die eine Ablösung Blatters seit Langem fordern. Seinen niederländischen Kollegen van Praag hatte er als sehr guten Kandidaten bezeichnet.

cte/dpa/AP

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insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
KJB 21.05.2015
1. Fehlgeleitet
Blatter weiß das es seine letzte Amtszeit sein wird, falls er wiedergewählt werden sollte wird das nicht zum Guten des Fussballs enden sondern er wird seinen Familienclan noch fester in das Fifa Netz einspannen. Bald liegen Produktion, Marketing, Vertrieb etc. alles in Händen von Blatter Verwandten und Bekannten. Korrupte Funktionäre wo man nur hinschaut.
Lankoron 21.05.2015
2. Glaubt jemand
ernsthaft, dass Blatter nicht schon 120 und mehr Stimmen zusammen hat? Wie hoch werden denn die "Spesen" der beteiligten Wahlberechtigten werden, die die FIFA dann erstattet? Wieder 8000 Euro in nem Umschlag?
fd2fd 21.05.2015
3.
Ich bin gegen Blatter und einen Araber, der keine Ahnung von Fussball hat. Wieso geben europäische Kandidaten schon vor der Wahl auf. Eine Abstimmungs-Niederlage ist auch nicht tragisch. So was sollte es in pluralistischen Demokratien täglich geben und nicht, das man sich schon vorher einigt.
tims2212 21.05.2015
4. In der Politik...
... wird eine Wahl mit mehr als einem Kandidaten "Kampfkandidatur" genannt. :) Würde mir wünschen Luis gewinnt die Wahl, aber es wird nur FIFA-Präsident wer mindestens soviele Leichen im Keller hat wie die anderen UND auch davon weiß! Und Figo ist einfach zu nett und hat auch noch Ahnung von Fußball; keine guten Voraussetzungen für das Amt.
Bueckstueck 21.05.2015
5. Zwei mögliche Gründe:
Man hat ihm entweder einen Koffer mit Banknoten oder Beweisen vor die Tür gestellt.
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