Kandidat auf Blatter-Nachfolge Fifa-Funktionär Chung beklagt Kaltstellung

Einem Kandidaten für die Nachfolge von Joseph Blatter droht offenbar das Aus: Der Südkoreaner Chung Mong-Joon sagt, er solle suspendiert werden. Tatsächlich gehe es aber darum, ihn kaltzustellen, schimpft Chung.
Ex-Fifa-Vizepräsident Chung: "Manöver, um meine Kandidatur zu verhindern"

Ex-Fifa-Vizepräsident Chung: "Manöver, um meine Kandidatur zu verhindern"

Foto: KIM HONG-JI/ REUTERS

Chung Mong-Joon ist ein Mann mit Einfluss und viel Geld. Sein Vater gründete einst den Hyundai-Konzern, der im Westen für seine Autos bekannt ist, aber zahlreiche weitere Industriezweige umfasst. Chung gilt als einer der reichsten Männer Südkoreas.

Im Februar kommenden Jahres will der 63-jährige Chung Joseph Blatter beerben und sich an die Spitze der Fifa wählen lassen. Er gilt als aussichtsreichster Konkurrent von Uefa-Chef Michel Platini. Doch die Kandidatur des Südkoreaners ist in Gefahr. Wie Chung in Seoul verkündete, droht ihm eine 15-jährige Suspendierung durch die Fifa-Ethikkommission.

Hintergrund sei ein Fonds, den Chung auflegen wollte, um den Fußball weltweit zu fördern. Dies hatte er im Fifa-Exekutivkomitee angekündigt. Laut einem Bericht des Fifa-Ermittlers Michael Garcia stand diese Ankündigung in direkter Verbindung mit Südkoreas Bewerbung für die Weltmeisterschaft 2022. Im Klartext: Chung soll versucht haben, im Fifa-Exekutivkomitee Stimmen für Südkorea zu kaufen. Der Kandidat weist die Vorwürfe zurück und sagt, sein Fonds habe nicht gegen die Regeln der Fifa verstoßen.

Chung hält die Argumente für seine Suspendierung für vorgeschoben und beklagt, es gehe darum, ihn kaltzustellen: "Es handelt sich um ein Manöver, um meine Kandidatur für die Fifa-Präsidentschaft zu verhindern", sagt er.

Schon bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur im August hatte Chung die Führung des Fußball-Weltverbands attackiert: "Die Fifa ist so eine korrupte Organisation geworden, weil die gleiche Person und ihre Kumpanen sie seit 40 Jahren führen", sagt er: "Absolute Macht korrumpiert absolut."

Diese Aussagen seien der eigentliche Grund für seine Suspendierung, vermutet Chung. Er werde aber nicht zurückstecken und um seine Kandidatur kämpfen. "Am Ende werde ich rehabilitiert", gibt sich der 63-Jährige überzeugt. "Die wirkliche Gefahr ist, dass sie nicht nur meine Kandidatur sabotieren, sondern auch die Präsidentenwahl und die Fifa selbst zerstören."

Als vollkommen unbelastet vom Korruptionsskandal, in dem die Fifa spätestens seit Ende Mai steckt, gilt aber auch Chung nicht. Er saß von 1994 bis 2011 im Exekutivkomitee des Verbands und war zeitweise auch Vizepräsident unter Blatter, also lange Zeit Teil des Systems, das er so kritisiert.

Adidas hält Blatter die Treue

Im Gegensatz zu den US-amerikanischen Sponsoren Coca-Cola, McDonald's, Visa und Budweiser verzichtet ausgerechnet Hyundai auf Rücktrittsforderungen gegen Blatter. Der Konzern, den Chungs Vater gegründet hat, forderte am Montag lediglich "schnelle und transparente Reformen".

Auch auf den deutschen Sponsor Adidas kann Blatter zählen. Auch unter den jetzigen Umständen würde der Sportartikelhersteller noch einmal einen Vertrag mit der Fifa abschließen, sagte Adidas-Chef Herbert Hainer der "Sport Bild": "Ja, denn ich habe Vertrauen in die Arbeit der Reform- und Ethikkommission."

Hainer ergänzte, die Schlagzeilen seien "weder gut für den Fußball noch für die Fifa selbst und deren Sponsoren. Daher muss der eingeleitete Reformprozess transparent und zügig fortgesetzt werden".

cte/Reuters/sid
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