Erster Kongress unter Infantino Fifa-Macher wählen ihre Kontrolleure künftig selbst

Alles sollte anders werden unter dem neuen Fifa-Chef. Doch schon bei seinem ersten Kongress sorgte Gianni Infantino für einen Eklat - Chefaufseher Domenico Scala verließ empört den Saal.
Fifa-Chef Gianni Infantino

Fifa-Chef Gianni Infantino

Foto: HENRY ROMERO/ REUTERS

Der Kongress in Mexiko-Stadt begann ordentlich für den neuen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino. Seine Ernennung der senegalesischen Uno-Diplomatin Fatma Samoura zur Generalsekretärin war ein Coup. Doch dieser geriet angesichts einer ungeschickten Entscheidung im Reformprozess schnell in Vergessenheit.

Die Fifa-Vollversammlung hatte auf Vorschlag von Infantino beschlossen, dass das Council bis zum kommenden Jahr die Mitglieder der Audit- und Compliance-Kommission, der Ethikkommission, der Disziplinarkommission und der neuen Governance-Kommission selbst berufen und entlassen kann.

Dieses Recht ist nach den Statuten eigentlich dem Kongress vorbehalten. Pikant ist die Entscheidung deshalb, weil die Kommissionen die Council-Mitglieder kontrollieren sollen, von denen sie nun berufen und entlassen werden können. Sie läuft insofern dem Reformprozess komplett zuwider und erinnert an Skandalzeiten, als die Mitglieder des Exekutivkomitees die Geschicke im Alleingang bestimmen konnten.

Chefaufseher Domenico Scala verließ nach der Entscheidung aus Protest den Saal - der Schweizer Vorsitzende der Audit- und Compliance-Kommission, die den Reformprozess des Weltverbands überwacht, war offensichtlich richtig sauer.

Hintergrund von Infantinos Schritt ist offenbar, dass mehrere potenzielle Kandidaten für die Kontrollgremien den neuen Fifa-Integritätscheck nicht bestanden haben und somit in Mexiko-Stadt nicht ausreichend Bewerber für die zu besetzenden Posten bereit standen.

Um sich diese Blöße nicht einzugestehen, wurde die Wahl ausgesetzt und dem Council die Befugnis übertragen. So muss die Fifa nicht ein Jahr bis zum nächsten Kongress mit der Neubesetzung warten. "Es geht hier nur um die Flexibilität für das kommende Jahr", beteuerte Infantino.

Im Council sitzen allerdings viele Mitglieder des alten, umstrittenen Exekutivkomitees - zum Beispiel Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Mit der Entscheidung, diese Funktionäre mitentscheiden zu lassen, wer sie künftig kontrollieren soll, stellt Infantino die Glaubwürdigkeit der eigenen Reformen infrage.

cte/dpa
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