Erster Kongress unter Infantino Fifa-Macher wählen ihre Kontrolleure künftig selbst

Alles sollte anders werden unter dem neuen Fifa-Chef. Doch schon bei seinem ersten Kongress sorgte Gianni Infantino für einen Eklat - Chefaufseher Domenico Scala verließ empört den Saal.

Fifa-Chef Gianni Infantino
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Fifa-Chef Gianni Infantino


Der Kongress in Mexiko-Stadt begann ordentlich für den neuen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino. Seine Ernennung der senegalesischen Uno-Diplomatin Fatma Samoura zur Generalsekretärin war ein Coup. Doch dieser geriet angesichts einer ungeschickten Entscheidung im Reformprozess schnell in Vergessenheit.

Die Fifa-Vollversammlung hatte auf Vorschlag von Infantino beschlossen, dass das Council bis zum kommenden Jahr die Mitglieder der Audit- und Compliance-Kommission, der Ethikkommission, der Disziplinarkommission und der neuen Governance-Kommission selbst berufen und entlassen kann.

Dieses Recht ist nach den Statuten eigentlich dem Kongress vorbehalten. Pikant ist die Entscheidung deshalb, weil die Kommissionen die Council-Mitglieder kontrollieren sollen, von denen sie nun berufen und entlassen werden können. Sie läuft insofern dem Reformprozess komplett zuwider und erinnert an Skandalzeiten, als die Mitglieder des Exekutivkomitees die Geschicke im Alleingang bestimmen konnten.

Chefaufseher Domenico Scala verließ nach der Entscheidung aus Protest den Saal - der Schweizer Vorsitzende der Audit- und Compliance-Kommission, die den Reformprozess des Weltverbands überwacht, war offensichtlich richtig sauer.

Hintergrund von Infantinos Schritt ist offenbar, dass mehrere potenzielle Kandidaten für die Kontrollgremien den neuen Fifa-Integritätscheck nicht bestanden haben und somit in Mexiko-Stadt nicht ausreichend Bewerber für die zu besetzenden Posten bereit standen.

Um sich diese Blöße nicht einzugestehen, wurde die Wahl ausgesetzt und dem Council die Befugnis übertragen. So muss die Fifa nicht ein Jahr bis zum nächsten Kongress mit der Neubesetzung warten. "Es geht hier nur um die Flexibilität für das kommende Jahr", beteuerte Infantino.

Im Council sitzen allerdings viele Mitglieder des alten, umstrittenen Exekutivkomitees - zum Beispiel Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Mit der Entscheidung, diese Funktionäre mitentscheiden zu lassen, wer sie künftig kontrollieren soll, stellt Infantino die Glaubwürdigkeit der eigenen Reformen infrage.

cte/dpa



insgesamt 68 Beiträge
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ykerniz? 14.05.2016
1. Infantino: Italienisch-Schweizerischer Funktionär
Allein einen Schweizerisch-Italienischen Funktionär mit einem Neustart zu beauftragen und zu hoffen, er räumt mit der Korruption auf. Eine naivere Vorstellung gibt es nicht.
spmc-126521672352922 14.05.2016
2. Das Chaos geht weiter!
Allem Anschein nach hat die FIFA nichts, aber auch gar nichts dazu gelernt. Das altbekannte Gemauschel geht auch unter dem neuen "Blatter" genannt Infantino, lustig weiter und die nationalen Verbaende, auch der DFB schauen weiterhin tatenlos diesem Treiben zu. Gute Nacht Fussball.
jujo 14.05.2016
3. ....
Da muß ein tiefer Schnitt gemacht werden um das Krebsgeschwür der Blatter Mafia herauszuschneiden. Das tut nun nun mal weh, hinterher wächst, so könnte man hoffen, "gesundes Fleisch" nach. Niersbach und andere sind das Problem und nicht Teil der Lösung!
PH-sauer 14.05.2016
4. Korruption ist schick!
Auf Wiedersehn, du schnöde Welt der Anständigen. Sie war zu trist und grau. Nur das Geld ist wirklich wichtig! Ehre? Ideale? Alles Mythen vergangener Zeiten! Wozu braucht es noch Menschen, die für etwas stehen? Vorbilder für unsere Kinder? Ja, das sind sie! Sie lehren alles, was entscheidend ist auf dieser Welt! Und unsere Politik versagt die Verfolgung. Sie profitieren mit. Menschenrechte auf Baustellen?- Lächerlich und unwichtig, solange die Geldquellen funktionieren! Fernsehverträge die Einschaltquoten sichern und die Kameras für schöne Öffentlichkeitsarbeit sorgen- Es wird noch etwas gelehrt: Die schönsten Dinge, wie hier der Fußball, sind am lukrativsten, wenn man sie pervertiert!
salomohn 14.05.2016
5. Der moderne Adel
Was die Fußballfans noch nicht realisiert haben ist, von welchem Geld die Bonzen ihren Hofstaat finanzieren. Wenn sie merken, daß die Funktionäre Parasiten sind und sich andere Sportarten suchen, ist die korrupte Bande am Ende. Darauf darf man sich freuen, denn solche Showdowns sind oft spektakulär.
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