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15. November 2017, 12:35 Uhr

Fifa-Korruptionsprozess

"Was machst du? Stimmst du nicht für Katar?"

Es geht um zwielichtige Geldflüsse: In New York müssen sich drei ehemalige hochrangige Funktionäre aus Südamerika vor Gericht verantworten. Ein Zeuge sagte aus, für eine WM-Stimme an Katar sei eine Million Dollar bezahlt worden.

Im Fifa-Prozess gegen drei frühere Top-Funktionäre aus Südamerika wegen Betrug, Verschwörung und Geldwäsche hat gleich der erste Zeuge schwerwiegende Anschuldigungen vorgebracht, vor allem die WM-Vergabe an Katar gerät erneut in den Fokus.

Alejandro Burzaco, früherer Chef einer argentinischen Sportmarketingfirma, machte den südamerikanischen Top-Funktionären Nicolas Leoz, Ricardo Teixeira (beide im US-Verfahren ebenfalls angeklagt) und Julio Grondona (2014 verstorben) schwere Vorwürfe. Das Trio soll unter anderem bei Abstimmungen über die Austragung von Weltmeisterschaften in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Als Leoz es im Dezember 2010 versäumt hatte, für Katar als Austragungsland 2022 zu stimmen, soll er von Teixeira und Grondona bedrängt worden sein. "Sie schüttelten ihn, sie fragten: Was machst du? Stimmst du nicht für Katar?", sagte Burzaco unter Eid vor einem Schwurgericht in New York. Grondona habe später, so Burzaco, eine Million US-Dollar von Teixeira erhalten. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, würde der Druck auf den WM-Ausrichter und die Fifa enorm steigen.

Grondona war eines von 22 Mitgliedern des Fifa-Exekutivkomitees, das im Dezember 2010 in Zürich über die WM-Gastgeber 2018 und 2022 abstimmte. Russland und Katar erhielten damals den Zuschlag. Gegen Grondona waren immer wieder Anschuldigungen wegen möglicher Ethikvergehen laut geworden. Unter anderem war er in dubiose Geldflüsse aus Südafrika verwickelt.

Nach Ermittlungen der US-Justiz zur Fifa-Affäre ab Mai 2015 waren mehrere ehemalige Fußball-Funktionäre verhaftet worden, weil sie für die Vergabe von Fernsehrechten Schmiergelder angenommen haben sollen.

Belastet wurde von Burzaco während der Aussage auch der frühere argentinische Funktionär Jorge Delhon, der als Angestellter eines Regierungsprogramms ebenfalls Bestechungsgeld für TV-Rechte angenommen haben soll. Argentinische Medien berichteten, Delhon habe am Dienstag (im Anschluss an die Verhandlung) in Buenos Aires Suizid begangen.

"Bargeld in Säcken und Umschlägen"

Burzaco gestand zudem, dass sein Unternehmen mehr als ein Jahrzehnt lang Bestechungsgelder für TV-Rechte an die Führungskräfte des südamerikanischen Verbandes Conmebol gezahlt habe. Involviert soll unter anderem auch der US-Medienriese Fox Sports gewesen sein.

Die Gelder seien entweder per Banküberweisung auf ein Schweizer Konto gezahlt oder in Form von Bargeld "in Säcken und Umschlägen" übergeben worden, hieß es. Von der Staatsanwaltschaft vorgelegte Dokumente legen die Existenz einer für das Geld genutzten Firma auf den Turks- und Caicosinseln, einem britischen Überseegebiet in der Karibik, nahe. Burzaco erklärte, er habe die drei Angeklagten bestochen. Die früheren Fußballfunktionäre José Maria Marin, Juan Angel Napout und Manuel Burga sollen in diesem gigantischen Bestechungsnetzwerk eine große Rolle gespielt haben.

Marin, 85, war bis 2015 Präsident des brasilianischen Verbandes, der Paraguayer Napout, 59, zwischenzeitlich Fifa-Vize und Burga, 60, bis 2014 Fußballchef in Peru. Partner von Burzacos Firma (Torneos y Competencias) sollen neben Fox unter anderem auch TV Globo (Brasilien), die argentinische Mediengruppe Full Play und MediaPro (Spanien) gewesen sein. Der Fox-Mutterkonzern 21st Century Fox wies die Anschuldigungen umgehend zurück.

Wir haben den Artikel nach weiteren Aussagen von Alejandro Burzaco aktualisiert.

chh/jan/sid

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