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29. Mai 2011, 19:19 Uhr

Fifa-Korruptionsvorwürfe

Blatter entlastet, Rivale suspendiert

Fifa-Boss Joseph Blatter muss in der Korruptionsaffäre keine Konsequenzen fürchten. Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes konnte kein Vergehen des Schweizers erkennen. Sein Kontrahent Mohammed bin Hammam und Vizepräsident Jack Warner wurden hingegen bestraft.

Hamburg - Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes Fifa hat die Exekutivkomitee-Mitglieder Mohammed bin Hammam und Jack Warner wegen des Verdachts der Korruption vorläufig suspendiert. Die beiden Spitzenfunktionäre sollen gegen den Ethikcode verstoßen haben, indem sie beim Treffen der Karibischen Fußball-Union am 10. und 11. Mai versucht haben sollen, für die Wahl bin Hammams zum Fifa-Präsidenten Stimmen zu kaufen.

"Die Suspendierung ist bedauerlich, aber so ist die Fifa", schrieb bin Hammam am späten Sonntagabend auf seiner Internetseite: "Für mich hätte die Unschuldsvermutung gelten müssen, stattdessen bin ich von allen Fußball-Aktivitäten ausgeschlossen worden." Und weiter: "Ich hatte immer den Eindruck, dass die Ethikkommission ein absolut unabhängiges Gremium sei. Aber in der Pressekonferenz heute haben wir gesehen, dass der Generalsekretär verdeutlicht hat, dass er derjenige ist, der dieses Komitee beeinflusst."

Auch Vizepräsident Warner äußerte sich zu den Inhalten der Anhörung, die seiner Meinung nach parteiisch gewesen sei. Er habe von einer Blatter-Spende in Höhe von einer Million US-Dollar an den Concacaf-Verband berichtet. Diese Spende hätte Uefa-Präsident Michel Platini, der auch im Fifa-Exekutivkomitee sitzt, verärgert, da es keine Erlaubnis des Fifa-Finanzkomitees gegeben habe, so der 68-Jährige weiter. Warner ist Präsident des Concacaf, dem Verband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik.

Bin Hammam hatte in der Nacht zum Sonntag seine Kandidatur für die Wahl am Mittwoch überraschend zurückgezogen. Abzuwarten bleibt, was nun aus Warners Drohung wird. Er hatte vor der Sitzung der Ethikkommission brisante Enthüllungen angekündigt und gesagt: "In den nächsten Tagen wird man einen Fußball-Tsunami erleben, der die Fifa und die Welt treffen und schockieren wird."

Der ebenfalls zur Anhörung geladene Fifa-Präsident Joseph Blatter blieb ohne Sanktion. Die Kommission unter Vorsitz des Namibiers Petrus Damaseb kam zu dem Schluss, dass bei dem Schweizer nicht von einem Vergehen auszugehen sei. Der 75-Jährige, der am Mittwoch in Zürich für eine vierte Amtszeit als Fifa-Chef kandidiert und jetzt keinen Gegenkandidaten mehr hat, war von bin Hammam beschuldigt worden, von dem Korruptionsvorwurf gewusst, ihn aber nicht angezeigt zu haben.

Mit Blick auf die wegen der Vorwürfe gegen Blatter zuletzt immer häufiger vorgetragene Forderung, die Präsidentenwahl zu einem späteren Zeitpunkt abzuhalten, sagte Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke: "Es gibt keinen Grund, die Wahl zu verschieben. Die Anschuldigungen gegen Herrn Blatter wurden nicht aufrechterhalten."

ham/dpa/AP

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