Proteste in Brasilien Blatter bezeichnet Fußball als Opfer sozialer Unruhen

Seit Monaten demonstrieren Millionen Brasilianer gegen Korruption und Verschwendung im Rahmen der Fußball-WM. Doch die Fifa will damit nichts zu tun haben. Mehr noch: Fifa-Präsident Joseph Blatter sieht den Fußball als Opfer.
Fifa-Präsident Blatter: "Opfer seiner Beliebtheit"

Fifa-Präsident Blatter: "Opfer seiner Beliebtheit"

Foto: Walter Bieri/ AP/dpa

Hamburg - Das brasilianische Militär rückt vor der Fußball-WM in Favelas vor, Millionen protestierten in den vergangenen Monaten für bessere Lebensbedingungen, für Bildung, Gesundheitsfürsorge und eine faire Chance an der gesellschaftlichen Teilhabe. Die Brasilianer demonstrierten auch gegen die Korruption und Geldverschwendung im Rahmen der Weltmeisterschaft (12. Juni bis 13. Juli) und im Zuge der Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro.

Für die Sorgen und Probleme der Bevölkerung will der Fußball-Weltverband Fifa keine Verantwortung übernehmen. Mehr noch, er will damit am liebsten nichts zu tun haben. Fifa-Präsident Joseph Blatter hofft auf eine ruhige Weltmeisterschaft. In einer realitätsfernen Rede im Rahmen des Uefa-Kongresses in Kasachstans Hauptstadt Astana sagte der 78-Jährige: "Während des Confed-Cups 2013 war der Fußball Opfer von sozialen Unruhen. Wir hoffen, dass dies bei der WM nicht der Fall sein wird."

Laut Blatter ist der Fußball "Opfer seiner Beliebtheit und seines Erfolgs. Wir müssen das Spiel vor politischen Einflüssen schützen." Schon jetzt gebe es "politischen Druck", sagte der Schweizer, gegen den es in den vergangenen Jahren immer wieder Korruptionsvorwürfe gegeben hatte.

Am Mittwoch hatte das Vorrücken von Aufklärungstruppen des brasilianischen Militärs ins Armenviertel Mare in unmittelbarer Nähe des internationalen Flughafens von Rio für Aufsehen gesorgt. Dort war in der Vorwoche ein Polizist erschossen worden. Daraufhin hatte Brasiliens Justizminister Eduard Cardozo den Einsatz des Militärs zur Vertreibung der herrschenden Drogenbanden und anderer krimineller Gruppen aus dem Problembezirk angeordnet.

Rios Polizisten genießen bei vielen Favela-Bewohnern allerdings einen schlechteren Ruf als die Verbrecher der Drogengangs: Sie gelten als korrupt und gewaltbereit. Dass an diesen Vorwürfen etwas dran ist, hatte selbst Sicherheitsminister José Mariano Beltrame im vergangenen Jahr eingeräumt.

max/sid
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