Fifa-Präsident Blatter lehnt Beckenbauer als Nachfolger ab

70 Jahre alt und kein bisschen müde: Joseph Blatter will auch künftig Fifa-Boss bleiben. Franz Beckenbauer hält der Schweizer jedenfalls für keinen geeigneten Nachfolger. Scharfe Kritik äußerte Blatter an den Leistungen der WM-Schiedsrichterassistenten.


Hamburg - "Franz Beckenbauer will nicht, er kann das auch nicht", sagte Blatter dem "Tagesspiegel" über den deutschen WM-Organisationschef. Zunächst strebe Blatter aber ohnehin seine Wiederwahl beim Fifa-Kongress im Mai 2007 in Zürich an. "Ich werde einen Nachfolger aufbauen, aber jetzt noch nicht", erklärte Blatter.

Blatter, Beckenbauer: "Franz will nicht"
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Blatter, Beckenbauer: "Franz will nicht"

Zudem griff der Fifa-Chef im Zuge der Kritik an den Leistungen der WM-Unparteiischen deren Assistenten an. "Schlimm finde ich, dass die drei Assistenten und der fünfte Offizielle bei Fehlentscheidungen nicht reagieren", erklärte Blatter: "Die holen bei jeder Aktion ihre Zettel raus und schreiben mit wie Bengels in der Schule. Dann zeigt der englische Referee Graham Poll einem Spieler drei Gelbe Karten, und keiner von den Schülern bekommt etwas mit." Bei der Vorrundenpartie Australien gegen Kroatien (2:2) hatte Poll dem kroatischen Verteidiger Josip Simunic dreimal die Gelbe Karte gezeigt.

Beim Kartenfestival in der WM-Partie zwischen Portugal und den Niederlanden (1:0) habe der russische Schiedsrichter Walentin Iwanow laut Blatter "leider den Durchblick verloren".

Der Schweizer drängte auf eine einheitliche Umsetzung der Weisung, gefoulte Spieler besser zu schützen: "Einige Schiedsrichter setzen die neue Regelung zu streng um, andere sind zu nachsichtig. Wir werden auch noch einmal auf die Mannschaften einwirken, dass sie zu einem fairen Spiel beitragen", sagte Blatter.

Außerdem sprach er sich in einem ARD-Hörfunk-Interview dafür aus, künftig jüngere Schiedsrichter einzustellen: "Wir werden versuchen, eine etwas jüngere Konstellation der Schiedsrichter zu erreichen. Wenn die meisten Schiedsrichter wissen, dass es für sie die letzte WM ist, weil ja die Altersgrenze bei 45 Jahren liegt, dann ist die Motivation vielleicht nicht überall die gleiche."

pav/sid/dpa



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