Kongress des Fußball-Weltverbands Fifa bestätigt Infantino als Präsidenten

Er bleibt der wichtigste Mann im Weltfußball: Gianni Infantino ist als Fifa-Boss wiedergewählt worden. Hinterher lobte er die eigene Amtszeit.

Richard Heathcote / Getty Images

Fifa-Präsident Gianni Infantino ist von den Delegierten des Fußball-Weltverbands wiedergewählt worden. Der 49 Jahre alte Schweizer wurde beim Fifa-Kongress in Paris per Akklamation, also durch Applaus, für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Eine Überraschung ist das nicht: Neben Infantino gab es keinen zweiten Kandidaten.

Für seine erste Amtszeit fand Infantino lobende Worte. "In den vergangenen drei Jahren und vier Monaten ist aus dieser vergifteten, fast kriminellen Organisation das geworden, was sie sein soll. Eine Organisation, die sich um Fußball kümmert und den Fußball entwickelt."

Kurz vor seiner Wiederwahl hatte Infantino zwar Fehler eingeräumt. Seine Amtszeit sei "sicherlich nicht perfekt" gewesen, "ich habe sicher Fehler gemacht. Ich habe versucht, mich zu verbessern, aber heute am Wahltag spricht keiner mehr über Krisen. Niemand spricht mehr von Skandalen, niemand spricht mehr von Korruption", sagte Infantino.

Infantino führt die Fifa seit 2016 als Nachfolger von Joseph Blatter an. Intern hat der ehemalige Uefa-Generalsekretär nach dem Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel keine Kontrahenten mehr. Externe Kritiker werfen ihm einen autokratischen Führungsstil und die Aufweichung der Demokratie-Reformen vor.

Dubiose Offerte über 25 Milliarden Dollar

Mit einer dubiosen Investment-Offerte über 25 Milliarden Dollar von namentlich nicht genannten Geldgebern für Vermarktungsrechte konnte sich der Schweizer zuletzt nicht durchsetzen. Sportlich hatte Infantino für die Aufstockung des WM-Turniers von 32 auf 48 Mannschaften gesorgt. Die Regelung greift erstmals 2026 in den USA, Mexiko und Kanada.

Zum ersten Mal seit 2007, als Blatter für seine dritte Amtszeit als Fifa-Boss gekürt wurde, gab es keine Abstimmung, sondern eine Wahl per Akklamation. Die dafür nötige Statutenänderung hatten die Delegierten unmittelbar vor der Infantino-Kür bei nur drei Gegenstimmen gebilligt.

Der DFB hatte am Dienstag verkündet, sich der großen Mehrheit anschließen zu wollen und für Infantino zu stimmen. Das habe vor allem politische Gründe. "Wir sind hier nicht angetreten, um den DFB noch weiter ins Abseits zu stellen, als er ohnehin schon ist", hatte Reinhard Rauball, wie Rainer Koch derzeit Übergangspräsident des Verbandes, gesagt.

Wegen des Rücktritts des früheren DFB-Chefs Grindel nach dessen "Uhren-Affäre" sitzt noch mindestens neun Monate lang kein deutscher Funktionär im Fifa-Council und Uefa-Exekutivkomitee. Die wichtigen Entscheidungen werden ohne den DFB getroffen, was Rauball als "unschön" bezeichnete.

mon/dpa/sid



insgesamt 6 Beiträge
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torren 05.06.2019
1. Folgerichtig
Wenn's kein anderer macht, muss man sich halt selber loben.
tafka_neowave 05.06.2019
2. Traurig.
Zitat: "Wir sind hier nicht angetreten, um den DFB noch weiter ins Abseits zu stellen [...] " _____ Mein lierber Dr. Reinhard Rauball, Danke, Vielen Dank dass Sie uns davor bewahren, von allen anderen in dieser korrupten/kriminellen Vereinigung als nicht ebenbürtig angesehen zu werden. Gut, dass wir Leute wie SIE haben! _____ (Und, dass Rauball Präsident "meines" Vereins ist, macht dieses Versagen für mich doppelt schlimm)
Seifert 05.06.2019
3.
Ist die Mafia jetzt endgültig im Weltsport Fussball angekommen??
cave68 05.06.2019
4. Katar
wird von mir sowieso komplett ignoriert....und ich hoffe,es tun genug andere ebenso.
bs2509 05.06.2019
5. Mafifa
"Mafia+Fifa" sind sich sehr ähnlich. Und in der Südschweiz, im Tessin lassen die "Ehrenmänner" wie bisher ihre Gelder waschen. Gianni Infantino kommt aus dem Tessin und scheint sich dort bestens auszukennen. Das niemand, auch nicht ein einziger, sich gegen ihn ausgesprochen hat, belegt die "Alte Tradition" dieser Ehrenwerten Vereinigung. Eine Anhäufung von "Nicht Korrupten", aber "Käuflichen Damen und Herren" in alter "Blatter-Manier" König Fußball wurde unter Infantino und seinen Anhängern schon lange auf's Schafott geschleift. Requestat in Pace Fußball . . .
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