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03. Dezember 2015, 22:19 Uhr

Korruptionsskandal

Vor lauter Angst reformiert sich die Fifa

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Die Botschaft scheint angekommen zu sein: Mit weiteren Festnahmen und Anklagen drängen die US-Ermittler die Fifa zu einer umfassenden Reform. Doch mit dem Favoriten auf die Blatter-Nachfolge droht diese zu scheitern.

Der Tag begann mit der Festnahme von zwei Fifa-Vizepräsidenten in Zürich. Er endete mit Anklageerhebungen der US-Justiz gegen weitere 16 Fußballfunktionäre. Und trotzdem könnte dieser 3. Dezember als Tag in die Geschichte eingehen, an dem die Fédération Internationale de Football Association (Fifa) vor dem Untergang gerettet wurde.

In einer kafkaesk anmutenden Krisensitzung stimmten die verbliebenen 20 Funktionäre des ursprünglich 25 Mann umfassenden Exekutivkomitees für ein Reformpaket, das tatsächlich diesen Namen verdient. Der deutsche Interims-Generalsekretär Markus Kattner hatte mit seinem Kompagnon Marco Villiger, dem Rechtsdirektor der Fifa, und den hochbezahlten Anwälten der Kanzlei Quinn Emanuel Urquart & Sullivan (QEUS) auf die einschneidenden Maßnahmen gedrängt.

Mit den am Donnerstagmorgen festgenommenen Fifa-Vizepräsidenten Alfredo Hawit (Honduras) und Juan Angel Napout (Paraguay) müssen zwei weitere Präsidenten von Concacaf und Conmebol langjährige Haftstrafen wegen Korruption, Geldwäsche und anderer Vergehen in gigantischer Höhe befürchten. Die Festnahmen und eine FBI-Razzia in Miami beförderten die Einsicht der letzten Fifa-Exekutivmitglieder. In einer Atmosphäre, die gespenstisch und von Angst geprägt gewesen sein soll, wurde das Reformpaket abgesegnet.

Im Mittelpunkt steht die Umwandlung und Erweiterung des Exekutivkomitees in ein 36 Personen umfassendes Council, das mit dem Präsidenten an der Spitze wie ein Aufsichtsrat wirken soll. Die Fifa-Verwaltung wird künftig von einem CEO und nicht mehr von einem Generalsekretär geführt. Die Zahl der Fifa-Kommissionen wird von 26 auf 9 reduziert. Künftig gilt eine Begrenzung auf drei Amtszeiten, jeder Funktionär kann also maximal zwölf Jahre amtieren.

Scala: Haben den Ernst der Lage erkannt

Der Schweizer Unternehmer Domenico Scala, Chef der Audit- und Compliance-Kommission, hat sich gegen die Bremser in der vom ehemaligen IOC-Generaldirektor Francois Carrard geleiteten Reformkommission durchgesetzt. Scala hatte sein Programm im August öffentlich gemacht, um Carrards Leute unter Druck zu setzen. Nach der Sitzung des Exekutivkomitees sagte Scala, es seien zwar nicht alle Wünsche erfüllt, aber die verbliebene Fifa-Führung habe den Ernst der Lage erkannt und Weichen für eine Zukunft der Fifa gestellt.

Es ist schwer zu glauben, aber die Fifa hat unter Gesichtspunkten moderner Unternehmensführung schon jetzt das zweitbeste Statut der 35 olympischen Weltverbänden. Das ergab eine Analyse der Organisation Play the Game. Sollte das Reformprogramm im Februar vom Fifa-Kongress akzeptiert werden, kann auf dem Papier kein internationaler und nationaler Sportverband mit der Fifa konkurrieren. Dagegen muten die Regelwerke des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), vor allem aber des Europäischen Fußball-Union Uefa oder des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vorsintflutlich an.

Moderne Statuten, deren Kernpunkte künftig auch für die sechs Kontinentalverbände und alle Nationalverbände gelten sollen, sind aber nur ein Teil der Lösung. Die Fifa braucht einen totalen Kulturbruch. Davon sind ihre Funktionäre noch weit entfernt. US-Justizministerin Loretta Lynch erinnerte bei ihrer Pressekonferenz daran, dass die Verbrechen über mehrere Generationen systematisch begangen wurden. Ihre Nachricht an alle Betrüger aus dem Fifa-Reich: "Sie entkommen uns nicht!"

25 Personen umfasst das derzeitige Fifa-Exekutivkomitee:

Die Aufzählung ließe sich beliebig verlängern. Es ist nicht einmal klar, ob in ein paar Monaten die Fifa-Administratoren Kattner und Villiger im Amt bleiben können.

Die Altlasten sind groß und es laufen Ermittlungen der Justiz in den USA, in der Schweiz, wo sich die Zahl der von der Bundesanwaltschaft und der Bundeskriminalpolizei untersuchten verdächtigen Konten ständig erhöht, und in zahlreichen anderen Ländern. Die finanziellen Verluste der Fifa durch ausbleibende Sponsorenverträge und immense Kosten für Juristen und PR-Agenturen bewegen sich 2015 bereits im dreistelligen Millionenbereich.

An diesem Donnerstag hat die arg dezimierte Fifa-Führung versucht, dagegen zu halten - wohl auf Rat der Anwälte. "Wir sind reformfähig", lautet die Nachricht.

Putin will Scheich Salman als Fifa-Chef

Noch aber ist die Gefahr der Selbstzerstörung oder Zerschlagung längst nicht gebannt. Als Favorit auf den Fifa-Thron, der am 26. Februar neu besetzt werden soll, gilt weiter Scheich Salman Bin Ibrahim Al-Khalifa aus Bahrain. Der Scheich wird von einer spektakulären und mächtigen Allianz unterstützt: vom IOC-Strippenzieher und Fifa-Vorstand Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah aus Kuwait, von Katars Emir Tamim Bin Hamad Al-Thani, der ebenfalls dem IOC angehört - und von Russlands Präsidenten Wladimir Putin, dessen Sportminister Witali Mutko weiter im Fifa-Exekutivkomitee sein Unwesen treibt.

Putin und Emir Tamim wollen vor allem die Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar retten. Mit Scheich Salman hätten sie den passenden Kandidaten an der Fifa-Spitze.

Doch wer sich in diesem Business auskennt, weiß: Mit einem Präsidenten Scheich Salman würde die Fifa weiter auf dem alten Kurs bleiben. Was heute noch als Reform verkauft wird, wäre dann Makulatur.

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