Fifa-Skandal Schweizer Richter und Staatsanwälte bekamen WM-Finaltickets

"Eine nette Bewerbung" an die Fifa genügte - und schon versorgte der Verband Juristen in der Schweiz mit begehrten Tickets. Das berichtet eine Züricher Zeitung. Betroffen soll auch ein Staatsanwalt gewesen sein, der gegen Joseph Blatter ermittelte.
Weltverband Fifa: Nette Gesten an die Justiz

Weltverband Fifa: Nette Gesten an die Justiz

Foto: Walter Bieri/ dpa

Der Fußball-Weltverband Fifa soll einem Bericht zufolge Richtern und Staatsanwälten aus Zürich auf entsprechende Anfragen bezahlte Karten für die WM-Endspiele von 1990 bis 2006 zur Verfügung gestellt haben. Um die Tickets für die Gruppe zu erhalten, habe er eine "normale nette Bewerbung" an die Fifa geschrieben, sagte der langjährige Präsident des Zürcher Arbeitsgerichts, Hans-Peter Egli, der Schweizer Zeitung "Tagesanzeiger" . Das Arbeitsgericht der Schweizer Stadt ist für die Rechtsstreitigkeiten der Fifa zuständig.

"Mal waren es bessere, zum Beispiel Haupttribüne, mal waren es schlechtere, in der Kurve", erklärte der pensionierte Egli. Ob er in seiner Funktion beruflich mit der Fifa zu tun gehabt habe, wollte Egli nicht sagen. Diese Informationen unterlägen dem Amtsgeheimnis. Einige der Schreiben seien angeblich beim inzwischen suspendierten Fifa-Präsidenten Joseph Blatter gelandet, berichtet die Zeitung unter Verweis auf eine nicht genannte Quelle aus dem Verband.

Eine mögliche Vorteilsannahme sieht Egli nicht, da die Karten bezahlt worden seien. Allerdings wären die Juristen auf dem freien Markt kaum zu den aufgedruckten Preisen an die Eintrittskarten gekommen. Laut Darstellung des "Tagesanzeiger" lag der Marktwert der Tickets bei fast dem Zehnfachen der nominellen Preise. Der frühere Fifa-Antikorruptionsberater Marc Pieth sprach von einem möglichen "Verstoß gegen die Berufsethik".

Der langjährige Oberstaatsanwalt Andreas Brunner, der drei WM-Endspiele als Zuschauer verfolgte, räumte ein: "Hätte ich bei der Spitze der Fifa unter Angabe meines Namens und meiner Funktion ein Ticket bestellt oder bestellen lassen, hätte selbstredend ein Interessenkonflikt bestanden." Tatsächlich habe aber auch Brunner seine Eintrittskarten durch Vermittlung von Gerichtspräsident Egli erhalten, wie die Zeitung berichtet. Brunner habe davon laut eigenen Angaben nichts gewusst.

2002 hatte die Bezirksanwaltschaft Zürich ein Verfahren gegen Blatter wegen des Vorwurfs der Veruntreuung und der ungetreuen Geschäftsführung eingestellt. An diesem war Brunner laut "Tagesanzeiger" "am Rande beteiligt gewesen". Bezirksanwalt Urs Hubmann, der selbst keine Tickets entgegennahm, bestreitet einen Zusammenhang mit der Verfahrenseinstellung: "Ich stellte es ein, weil sich die Vorwürfe zum Teil nicht beweisen ließen und sich zum andern Teil als falsch herausstellten."

rae/dpa
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