Korruptionsskandal Ex-Fifa-Vize Warner stellt sich der Polizei

Jack Warner ist einer der ranghöchsten Beschuldigten im Fifa-Korruptionsskandal. Der ehemalige Vizechef des Weltverbands hat sich den Behörden gestellt. Wenn er auspackt, wird die Lage für Joseph Blatter immer schwieriger.

Ex-Funktionär Warner: "Ich kann nachts ruhig schlafen"
DPA

Ex-Funktionär Warner: "Ich kann nachts ruhig schlafen"


Der Haftbefehl aus den USA zeigt Wirkung: Der ehemalige Vizepräsident der Fifa, Jack Warner, hat sich den Behörden in seinem Heimatland Trinidad und Tobago gestellt. Die US-Justiz wirft dem 72-Jährigen unter anderem Korruption, Betrug und Geldwäsche vor.

Mindestens eine Nacht muss Warner in Gewahrsam verbringen, dann soll er gegen eine Kaution in Höhe von 2,5 Millionen US-Dollar und gegen Auflagen auf freien Fuß kommen. Unter anderem muss der Ex-Funktionär seinen Reisepass abgeben und sich zweimal pro Woche bei der Polizei melden. Der nächste Gerichtstermin ist für Juli angesetzt.

Warner bestritt in einer kurzen Erklärung die gegen ihn erhobenen Vorwürfe: "Was immer gegen mich geplant ist: Es wird nicht gelingen", sagte er in einer auf Facebook verbreiteten Videobotschaft. Er sei bislang nicht zu den Vorwürfen befragt worden und könne weiter nichts zu den Vorgängen sagen. Später erklärte er: "Ich kann nachts ruhig schlafen."

Warner ist in der Vergangenheit mehrfach in Korruptionsskandale rund um die Fifa verstrickt gewesen. 2006 übernahm er die Ticket-Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900.000 Dollar Provisionen ein. Die Fifa-Untersuchung ergab keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn; Warner senior kam mit einer Verwarnung davon.

Rücktritt wegen Korruptionsvorwürfen

Am Mittwoch wurde bekannt, dass Warners Söhne Daryan und Daryll die gegen sie erhobenen Vorwürfe 2013 eingeräumt hätten. Offenbar kooperieren sie seither mit der US-Justiz. Dabei soll es unter anderem um Stimmenkäufe bei der Vergabe der WM 2010 an Südafrika gehen.

Jack Warner war 2011 nach weiteren Korruptionsvorwürfen rund um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 von seinen Fifa-Ämtern zurückgetreten. Bereits seit 2007 sitzt er im Parlament von Trinidad und Tobago. Von 2012 bis 2013 amtierte er kurzzeitig als Minister für Nationale Sicherheit.

Die USA haben nun zwei Monate Zeit, einen förmlichen Auslieferungsantrag zu stellen. Laut einem bilateralen Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Trinidad und Tobago kann er nach einer richterlichen Anhörung ausgeliefert werden.

Sollte es tatsächlich zu einem Verfahren in den USA kommen, könnte es auch für Fifa-Chef Joseph Blatter eng werden. Denn Warner war über Jahrzehnte einer der engsten Weggefährten des Schweizer Verbandschefs.

Chef des englischen Verbands fordert Blatters Rücktritt

Der Präsident des englischen Fußballverbands, Greg Dyke, forderte Konsequenzen. "Sepp Blatter muss als Fifa-Präsident gehen", sagte Dyke der britischen Nachrichtenagentur Press Association. Blatter habe eine Erklärung veröffentlicht, in der es heiße, es sei Zeit, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen. Aber solange Blatter da sei, gebe es keinen Weg, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen, so Dyke.

Am Mittwoch hatten Schweizer Ermittler sieben Fifa-Funktionäre auf Antrag der US-Justiz festgenommen. Insgesamt ermittelt das US-Justizministerium gegen 14 Personen. Sie sollen seit Anfang der Neunzigerjahre Schmiergelder in Millionenhöhe für die Vergabe von Fußballturnieren erhalten haben.

Der frühere brasilianische Nationalspieler Romário, der heute in seiner Heimat als Senator tätig ist, bezeichnete die festgenommenen Funktionäre als "Ratten". Der Weltmeister von 1994 attackierte vor allem Brasiliens Ex-Fußballboss José Maria Marin - dieser sei eine der "Ratten", die er schon oft beschuldigt habe. "Das ist die Person, die mit (Brasiliens) Präsidentin Dilma (Rousseff) während der Fußball-WM Staatschefs empfangen hat", schrieb Romário auf Facebook. "Diebe müssen ins Gefängnis. ... Glückwunsch ans FBI und die Schweizer Polizei."

Zu den Beschuldigten gehört der frühere Chef des südamerikanischen Fußballverbandes Conmebol, Nicolás Leoz aus Paraguay. Auch gegen ihn hat die US-Justiz einen internationalen Haftbefehl erwirkt. Leoz' Anwalt teilte mit, sein Mandant werde wegen einer Grippe-Erkrankung im Krankenhaus behandelt.

Video: Fifa-Präsident Blatter in der Kritik

REUTERS

syd/AP/dpa

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humbahumba 28.05.2015
1. freikaufen
Dieser Gegner ist selbst für die FIFA zu mächtig. Sie kann sich jedoch immer noch freikaufen, so wie dies bereits vor ihr die kriminellen Großbanken getan haben, auf die es die US-Justiz abgesehen hatte. Allerdings wäre in diesem Fall da noch die Sache mit der WM in Russland. Und die spielt wohl keine unbedeutende Rolle im plötzlichen Tatendrang der geballten US-Justiz. Die US-Justiz will viel Geld sehen (das ist üblich) und, und das ist der wahre Grund, die Absage der WM in Russland. Ohne Letzteres wird der Freikauf nicht klappen.
izra_l. 28.05.2015
2. Warum gerade jetzt?
Kann SPON diese simplenfrsge nicht stellen? Warum gerade jetzt? Warum 2 tGe vor Blatters Wiederwahl? Warum ist Amerika, die unter Football was gänzlich anderes verstehen plötzlich der Fifa Polizist? Blatter wünsche ich Knast für 40 Jahre aber WARUM GERADE JETZT? Und warum kann SPON diese simple Frage nicht stellen?
triniandi 28.05.2015
3. Hallo Redaktion
Ich wohne in Trinidad und meines Wissens sind es 2.5millionen TT$ das ist umgerechnet etwa 400.000, 00 US Dollar. ...
mike75074mike 28.05.2015
4. wie schön
aber was soll das....seit vielen Jahren werden die WMs indirekt an den Meistbietenden verhökert und hallo das ist nur eins: Kapitalismus pur mit all seinen teils unschönen Nebenwirkungen. Das Gemauschel mit den Söhnen ist doch kalter Kaffee. Letztendlich hat man sich in der FIFA nur innerhalb des eigenen Ladens belogen und betrogen daher greift auch nicht wirklich irgendein Gesetz selbst das der Amerikaner wird nicht greifen und die Herren sind in Nullkommanix wieder in der Schweiz. Wie die Schweizer dazu kamen sich mit den Amis zu verbünden muss auch erstmal erklärt werden denn zu deren Vorteil gereicht diese Bruderschaft nicht wirklich. Haben die Amis den Schweitzern gedroht? wahrscheinlich! Na ja am Ende dieser Verhaftungsfarce bleibt nur heisse Luft und sonst garnichts...tolle Leistung des CIA und des FBI! nur mal so nebenbei: wenn ich ein Unternehmen gründe darf ich innerhalb meines Unternehmens so viel unterschlagen und lügen und betrügen wie ich will denn 1.ich schade keinem Aussenstehenden 2. mir gehört ja der Laden. Wenn ich also dulde das mich Mitarbeiter beklauen ist es meine Entscheidung zu reagieren oder auch nicht. Also lasst den Blatter mal machen es ist sein Laden und was mir fehlt ist die "Leiche"...keine Leiche ergo kein Mord! Also wo sind die Geschädigten? gibt es überhaupt wen der Schaden genommen hat ob solch unchristlichen Tuns?
Eckfahne 28.05.2015
5. Die Schweiz verliert....
.... langsam ihren Heiligenschein, der Jahrzehntelang dieses Land von allen Anwürfen frei hielt. Langsam wird auch in der Schweiz festgestellt, dass sie keine Insel der Glückseeligkeit ist. Die Realität dieser Welt hat sie eingeholt. Den USA ist zu verdanken, dass sie unnachgiebig den Banken zusetzte, sodass letztlich das schweizer Bankgeheimnis gebrochen wurde. Auch die FIFA sollte sich auf kommende schwere Zeiten einstellen und nicht glauben, Blattner sei unangreifbar.
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