+++ Newsblog zum Fifa-Skandal +++ England will die WM 2022

Vor mehr als einer Woche wurden in Zürich ranghohe Fifa-Funktionäre festgenommen, seitdem erschüttern fast täglich neue Nachrichten die Fußballwelt. Hier die aktuellsten Entwicklungen um den Fifa-Skandal.

Kronzeuge Blazer (l.), Fifa-Boss Blatter: Früher waren sie Freunde
DPA

Kronzeuge Blazer (l.), Fifa-Boss Blatter: Früher waren sie Freunde


+++ England hält sich für 2022 bereit

[12.32 Uhr] England wäre dem britischen Kultur- und Sportminister zufolge bereit, anstelle von Katar die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 auszurichten. Es sei zwar unwahrscheinlich, dass 2022 nach Russland wieder ein europäisches Land an die Reihe käme, falls man Katar die WM wegen Korruption wegnehme, sagte John Whittingdale am Donnerstag in London. "Aber falls die Fifa auf uns zukäme und uns bitten würde, die Ausrichtung in Betracht zu ziehen, hätten wir natürlich in diesem Land die Einrichtungen, und natürlich haben wir eine sehr eindrucksvolle, wenn auch erfolglose Bewerbung abgeben, die Weltmeisterschaft 2018 auszurichten." (aha/dpa)

+++ Südafrika untersucht WM-Vergabe 2010 +++

[11.24 Uhr] Wie aus den kürzlich veröffentlichten Protokollen hervorgeht, hat Kronzeuge Chuck Blazer 2013 gestanden, dass bei der Vergabe der WM 2010 in Südafrika Bestechungsgelder geflossen sind. Die US-Behörden ermitteln dazu - und auch ihre südafrikanischen Kollegen haben nun Ermittlungen aufgenommen. "Uns wurden Dokumente ausgehändigt, laut denen Personen in dieses Desaster involviert sind", sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP. Noch sei keine Anklage erhoben worden, die Ermittlungen stünden derzeit nicht mit denen in den USA in Verbindung. Die südafrikanische Regierung, die auch in die Überweisung der zehn Millionen Dollar involviert ist, unterstrich, dass es sich nicht um Bestechungsgeld gehandelt habe. "Wir sind bereit zu erklären, warum es kein Bestechungsgeld war", sagte Sportminister Fikile Mbalula. Noch steht die Erklärung allerdings aus. (luk/sid)

+++ Verbandszentrale in Venezuela durchsucht +++

[10.26 Uhr] Auch gegen den ehemaligen Chef des venezolanischen Fußball-Verbands FVF, Rafael Esquivel, wird ermittelt. Die Behörden durchsuchten nun die FVF-Zentrale nach Beweisen für die Korruptionsvorwürfe gegen Esquivel. Er ist einer der sieben hohen Funktionären des Weltverbands, die in der vergangenen Woche in der Schweiz festgenommen worden waren. Die venezolanischen Behörden ordneten zudem eine Sperrung der Bankkonten an, die von Esquivel, inzwischen ehemaliges Mitglied des Exekutivkomitees des Kontinentalverbands für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (Concacaf), kontrolliert werden. (luk/sid)

+++ Blatter bleibt in der Schweiz +++

[9.53 Uhr] Die US-Behörden ermitteln nach Informationen der "New York Times" und des TV-Senders ABC gegen den Fifa-Boss, in seiner Heimat darf sich Joseph Blatter derzeit noch sicher fühlen. Kein Wunder, dass Fifa-Mediendirektor Walter de Gregorio im Schweizer "Tagesanzeiger" sagt: "Sepp Blatter wird vorerst bestimmt nirgendwohin ausreisen." Blatters Entscheid hat laut de Gregorio nicht primär damit zu tun, dass offenbar auch er in den Fokus des FBI geraten ist. "Wenn ihn die Polizei verhören will, kann sie das auch in Zürich machen." In der Schweiz hat Blatter vorerst wenig zu befürchten. Weder eine Auslieferung in die USA (die Schweiz liefert keine eigenen Staatsbürger an andere Staaten aus), noch juristische Probleme. Kurz nach dem Rücktritt von Blatter hatte die Bundesanwaltschaft gemeldet, dass Blatter kein Beschuldigter in ihrem Verfahren sei. (luk)

+++ Australien untersucht WM-Vergabe 2022 +++

[9.44 Uhr] Die australische Bundespolizei hat eine Untersuchung der WM-Vergabe 2022 angekündigt. Frank Lowy, Chef des australischen Verbandes FFA, hatte tags zuvor erklärt, die umstrittene Vergabe an Katar sei "nicht sauber" gewesen. Sein Wissen habe er den Polizeibehörden mitgeteilt. Zudem beschuldigte er den früheren Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner (Trinidad und Tobago) des Diebstahls. Australien hatte sich neben Katar, den USA, Südkorea und Japan um die WM-Endrunde in sieben Jahren beworben, war aber im Dezember 2010 in Zürich bereits im ersten Wahlgang mit nur einer von 22 möglichen Stimmen ausgeschieden. Lowy wirft Warner vor, 500.000 australische Dollar (knapp 350.000 Euro), die für den Ausbau von Sportstätten in Warners Heimat Trinidad und Tobago überwiesen worden waren, in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Lowy fordert nun die Rückzahlung der finanziellen Zuwendung. (luk/dpa)

Das geschah in der Nacht:

+++ Jack Warner droht Joseph Blatter +++

Der ehemalige Fifa-Vize Jack Warner hat die Reihe seiner skurrilen Auftritte fortgesetzt: In einer TV-Ansprache und einer Rede vor Anhängern kündigte er neue Enthüllungen über die Korruption beim Fußball-Weltverband an. "Ich habe Unterlagen, Dokumente und Schecks zusammengestellt und einer dritten Person übergeben", sagte er. Zudem behauptete Warner, die Fifa habe den Parlamentswahlkampf in seiner Heimat Trinidad und Tobago 2010 beeinflusst und Warners Independent Liberal Party finanziell unterstützt. (luk)

Lesen Sie hier mehr zu den Aussagen von Jack Warner

+++ Vergabe der WM 1998 und 2010 war geschmiert+++

Der ehemalige Fifa-Funktionär Chuck Blazer ist Kronzeuge der US-Behörden im Kampf gegen die Korruption im Weltfußball. Am späten Mittwochabend wurde ein Protokoll mit Blazers Aussagen vom November 2013 veröffentlicht. Dort ist nachzulesen, dass Blazer gegenüber der US-Justiz gesteht, dass er und andere Funktionäre Bestechungsgelder für ihre Stimmen bei der WM 1998 und 2010 angenommen haben. (luk)

Lesen Sie hier mehr zu den Aussagen von Chuck Blazer

Hier finden sie das Protokoll zu Blazers Aussagen (Englisch, via New York Times)

+++ Valcke hat sich "nichts vorzuwerfen" +++

Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke sieht sich in der Korruptionsaffäre nicht belastet. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagte er. Aus seiner Sicht gebe es keinen Grund, warum er nicht auf dem Posten des Generalsekretärs bleiben sollte. "Ich fühle mich ganz sicher nicht schuldig." Nach Berichten der "New York Times" sind US-Ermittler der Ansicht, Valcke sei "der hochrangige Fifa-Offizielle", der 2008 zehn Millionen Dollar im Zuge möglicher Korruption um die WM-Vergabe an Südafrika von einem Fifa-Konto auf ein US-Konto überwiesen habe. (luk)

Lesen Sie hier mehr zu Jérôme Valcke

insgesamt 31 Beiträge
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meikel1953 04.06.2015
1. Blatter
jeder kleine Mann würde bis ans Ende der Welt verfolgt werden. nur solche Leute kommen davon kpruption ohne ende. das sieht mann auch bei der Merkel was die sich rausnehmen darf. da würde jeder Bürger bis ans lenensende in den Knast wandern Sie leistet einem Eid. sie widersetzt sich die mastrichvertraege. sie belügt betrügt und beraubt das deutsche Volk. und das als Kanzlerin. und wird nicht zur Rechenschaft gezogen. Immunität hin oder Herr. das ist ja kein Freibrief. aber das kommt dabei raus wenn einer zu viel macht hat. die anderen Abgeordneten pfeifen aus Angst nach ihrer Nase.
eckawol 04.06.2015
2. Die venezolanischen Behörden dursuchen ?
Es ist nur eine Frage des Preises, das Ergebnis zu gestalten. Beim Maduro-Regime ist leider alles möglich.
sackhuepfen 04.06.2015
3. Kettenreaktion
Frank Lowy, Chef des australischen Verbandes FFA, ist ja auch ein Herzchen: Beschwert sich nun darüber, dass Warner das von Australien gespendete Geld für "den Ausbau von Sportstätten in Warners Heimat Trinidad und Tobago" in die eigene Tasche gesteckt hätte. Seit wann spendet ausgerechnet Australien (kurz vor der Wahl für die Austragung der WM 2012) Trinidad Geld für den Sportstättenausbau? Oder anders: Lowy fordert jetzt mehr oder weniger offiziell seine eigene Bestechungskohle wieder zurück? Wie ist der denn drauf? Wenn die jetzt alle anfangen, sich gegenseitig zerfleischen, wird das ein angenehm kurzer, unterhaltsamer Sommer bis zum Ligastart.
Oskar ist der Beste 04.06.2015
4. Australien...
...hat sich auch nicht richtig verhalten, wieso werden 500.000 AUD an Warner überwiesen und nicht an den dafür Fond, der dann das Geld in einer unabhängigen Weise weiterverteilt. Und mit welcher Intention wurde das Geld denn eigentlich überwiesen....und wieso kann die FIFA mit einem Umsatz von 2MRD solche Vorhaben wie Trinidad nicht aus eigener Kasse finanzieren? Die Sache stinkt viel stärker und auch in den klassischen Sportländern als man sich überhaupt vorstellen kann.
GoldenerKäfig-Bewohner 04.06.2015
5. newsticker fussball
Ich kann es nicht verstehen, dass ein newsticker zum Fifaaskandal (*gibt es da jemanden den das ernsthaft interessiert, weil irgendwie betroffen ?)gibt. Aber als am funktionalem Weltgeschehen interessierter Leser, werde ich wohl niemals in meinem Leben ein newsticker zu Gesicht bekommen, der neben der puren klickrate, noch seiner Form entsprechenden Inhalt kommunizierte. Nein, es bleibt bei Wind, Hagel und fussball newsticker . Irgendwann mach ich das mal, würde als Kriterium z.b. apokalypsentauglichkeit einführen (* bei Fußball halt 0, weil es ja darum geht, mit seinem Fuß ein Ball ins Tor zu spielen und in der Realität keinerlei wichtige Konsequenzen nach sich zieht. .
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