US-Justizministerin zu Fifa-Korruption "Sie haben es immer und immer wieder gemacht"

US-Justizministerin Lynch erhebt schwere Vorwürfe gegen die Fifa: Die Korruption im Fußballweltverband reicht mindestens 24 Jahre zurück, den festgenommenen Fifa-Bossen drohen bis zu 20 Jahre Haft. Sechs verweigern sich der Auslieferung in die USA.
US-Justizministerin Loretta Lynch: "Sie haben das weltweite Fußballgeschäft korrumpiert"

US-Justizministerin Loretta Lynch: "Sie haben das weltweite Fußballgeschäft korrumpiert"

Foto: SPENCER PLATT/ AFP

Die US-Behörden werfen den sieben festgenommenen Fifa-Funktionären Korruption in einem Zeitraum von mindestens 24 Jahren vor. "Sie haben das weltweite Fußballgeschäft korrumpiert, um sich selbst zu bereichern", sagte US-Justizministerin Loretta Lynch bei einer Pressekonferenz in New York. "Sie haben es immer und immer wieder gemacht. Jahr um Jahr, Turnier um Turnier."

Lynch kündigte an, die Korruption im Weltfußball rigoros bekämpfen zu wollen. Die am Mittwochmorgen in Zürich festgenommenen Funktionäre hätten dem Fußball großen Schaden zugefügt. Ihnen drohen laut Lynch bis zu 20 Jahre Haft. Das sei die Höchststrafe in solchen Fällen von organisierter Kriminalität. Ob auch Präsident Joseph Blatter im Visier der Ermittler sei, wollte Lynch nicht beantworten.

Die US-Justizbehörde werde "diesen Praktiken und der Korruption ein Ende setzen und die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen", sagte Lynch. Der Oberstaatsanwalt von New York, Kelly Currie, kündigte an, dass die Festnahmen nicht das Ende, sondern der Anfang der Ermittlungen seien.

"Weitere Personen und Einrichtungen in zahlreichen Ländern" würden noch überprüft. Die Anklageschrift des Justizministeriums verweist auf 25 namentlich nicht genannte Mitverschwörer.

"Diese Art der Korruption und der Bestechung im internationalen Fußball läuft seit zwei Jahrzehnten", sagte Currie. Alle Verdächtigten hätten das US-Finanzsystem für ihre Zwecke missbraucht und amerikanische Gesetze gebrochen. "Was sie gemein hatten, war die Gier." Einzelne Spiele oder Turnierverläufe seien aber nach bisherigen Erkenntnissen nicht manipuliert worden.

Auch der Chef der US-Steuerfahndung übte harsche Kritik am Weltverband. Die Fifa handle aus Eigennutz und Profitgier, sagte Richard Weber. "Dies ist die Weltmeisterschaft des Betrugs, und heute zeigen wir der Fifa die Rote Karte", betonte er und sprach von einem "guten Tag für Fußballfans und einem großartigen Tag für den globalen Kampf gegen Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung".

Ein Überblick der Ermittlungen:

  • Sieben hochrangige Fifa-Funktionäre oder Offizielle der ihr angeschlossenen Konföderationen waren in Zürich festgenommen worden. Die Ermittler werfen ihnen und weiteren Beschuldigten Korruption, organisierte Kriminalität, Überweisungsbetrug und Geldwäsche vor.
  • Es bestehe der Verdacht, "dass bei den Vergaben für die Weltmeisterschaften 2018 sowie 2022 Unregelmäßigkeiten begangen worden sind". Wegen des Verdachts auf Schmiergeldzahlungen und Geldwäsche bei der WM-Vergabe sei ein Verfahren gegen unbekannt eröffnet worden.
  • Ins Visier der Ermittler ist auch die Vergabe der Fußball-WM 2010 in Südafrika geraten. Laut Lynch soll es auch dort zu Schmiergeldzahlungen gekommen sein: "Selbst bei diesem historischen Ereignis haben Fifa-Offizielle und Andere den Bewerbungsprozess korrumpiert, indem sie Bestechungsgelder benutzt haben, um Einfluss auf die Entscheidung zu nehmen." Es war die erste Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent.
  • Außerdem sollen Vertreter von Sportmedien und Sportvermarktungsunternehmen Delegierte der Fifa und andere Funktionäre von Fifa-Unterorganisationen mit etwa 120 Millionen Dollar bestochen haben. Als Gegenleistung sollen sie bei der Austragung von Fußballturnieren in den USA und Lateinamerika die Medien-, Vermarktungs- und Sponsoringrechte erhalten haben.
  • Auch bei der Vergabe der Copa América 2016 in den USA sollen rund 110 Millionen Dollar (101 Millionen Euro) an Bestechungsgeldern geflossen sein.
  • Mittlerweile teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz mit, dass sich sechs der sieben festgenommenen Funktionäre einer Auslieferung an die USA widersetzen.

krä/sid/dpa
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