Fifa und Korruption Die größten Skandale der Fußball-Funktionäre

Die Festnahme von mindestens sechs Fifa-Funktionären wirbelt die Fußballwelt durcheinander. Der Weltverband kämpft seit Jahren mit Skandalen, ihm und Präsident Joseph Blatter wird Korruption vorgeworfen. Ein Überblick zeigt die wichtigsten Fälle.

Fifa-Boss Blatter: Will wiedergewählt werden, trotz allem
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Fifa-Boss Blatter: Will wiedergewählt werden, trotz allem


Alles war hübsch angerichtet im eleganten Hotel Baur Au Lac am Zürcher Seeufer. Dort wollten sich die Funktionäre des Fußballweltverbands Fifa in Ruhe auf den Wahlkongress am Freitag vorbereiten - doch dann kam alles anders. Die Kantonspolizei Zürich hat sechs Fifa-Männer in ihren Hotelzimmern festgenommen, darunter Mitglieder des Exekutivkomitees. Die US-Staatsanwaltschaft für den östlichen Bezirk New York ermittelt gegen sie wegen des Verdachts auf Korruption.

Eine Überraschung? Ganz und gar nicht. Offenbar betreffen die Ermittlungen der US-Behörden um Bestechungszahlungen für Vermarktungsrechte einen Zeitraum, der zurückreicht bis 1998, also noch vor die Präsidentschaft von Joseph Blatter. Obwohl auch gegen ihn ermittelt worden sein soll, ist der Schweizer angeblich nicht unter den Festgenommenen. Doch die Liste der Skandale im Weltverband unter der Führung Blatters ist lang. Eine Auswahl:

  • Die Präsidentschaftswahl 1998: Der damalige Fifa-Generalsekretär Blatter gewinnt die Wahl gegen Uefa-Präsident Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter zurückweist.

  • Der ISL-Skandal: Blatters Vorgänger João Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixeira kassierten Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite gegangenen Vermarkter ISL. Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, dabei hatte er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen. Es musste damit zumindest Kenntnis vom System gehabt haben.

  • WM-Vergaben 2018 und 2022: Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei Fifa-Exekutivmitglieder wegen Bestechlichkeit suspendiert. Mehrere Funktionäre sollen bereit gewesen sein, ihre Stimmen zu verkaufen oder das sogar getan haben. Die Fifa ließ die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber von ihrer Ethik-Kommission untersuchen und den sogenannten Garcia-Bericht anfertigen. Doch die Ergebnisse dessen wurden der Öffentlichkeit bislang nicht komplett zugänglich gemacht - von Konsequenzen ganz zu schweigen.

  • Die Präsidentschaftswahl 2011: Lange Zeit schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der Concacaf-Zone galten als wahlentscheidend, Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle Fifa-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband - und flog auf, weil andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre redeten.

  • WM-Tickets: Ex-Fifa-Vizepräsident und Blatter-Vertrauter Jack Warner übernahm 2006 die Ticket-Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900.000 Dollar Provisionen ein. Die Fifa-Untersuchung ergaben keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn; Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben. 2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile verstorbenen argentinischen Funktionärs Julio Grondona.

psk/dpa

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verbal_akrobat 27.05.2015
1. Nachdem fast alles schief gelauufen ist
scheint ja zumindest, ansatzweise, jetzt etwas richtig zu laufen. Interessant wird die Frage ob und wenn ja wer, am Ende vor Gericht verurteilt wird!
ackergold 27.05.2015
2. Der Präsident hat die volle Verantwortung
Man kann es drehen und wenden wie man will, Hauptverantwortlicher für die Vorgänge an der Spitze der FIFA ist und bleibt Josef Blatter. Wenn jetzt dort Leute verhaftet werden, dann kann er niemals außen vor sein, das dürfte doch wohl eindeutig sein. Er sollte von seinem Amt sofort zurücktreten, denn wir brauchen dringend wenigstens sauberen Sport. Blatter hat seinen korrupten Laden offensichtlich nicht im Griff, und das gilt auch dann, wenn man ihm selbst keine Korruption nachweisen kann. Es ist davon auszugehen, dass er die Vorgänge kennt und zumindest geduldet hat.
imforeverblowingbubbles 27.05.2015
3. Da fehlt was
Im Vorfeld dieser Wahl: Wurde da dem Concacaf-Verband nicht ein neuer WM Startplatz zugesprochen? Zufälligerweise kurz nachdem dieser seine Unterstützung für Blatter bekanntgab?
karlbe 27.05.2015
4. Endlich tut mal jemand was
Auch wenn mir die Rolle der USA als Weltpolizei angesichts der häufigen Durchsetzung eigener Interessen der USA als suspekt erscheint und auch ein Zusammenhang zu der WM-Vergabe nach Russland der Anlass zu sein scheint, so will mein von Walt Disney gewaschenes Gehirn doch, dass endlich die Bösen in der FIFA bestraft werden und das Gute gewinnt. Nachdem das ganze "System Blatter" schon seit vielen Jahren in der Kritik steht und das Vorherrschen von Korrumption in der FIFA-Leitung eigentlich ein offenes Geheimnis ist, erscheint die Strafverfolgung mehr als überfällig. Ganz Disney-gemäß muss der Oberschurke, Sepp Blatter, zuletzt gefasst werden, am besten nach einem Fluchtversuch in Katar, Saudi-Arabien oder Russland. Dass Sepp Blatter sich strafrechtlich verantworten muss, halte ich für sehr wahrscheinlich, denn die anderen FIFA-Funktionäre werden - spätestens in Guantanamo ;-) - alles für eine Strafmilderung tun und die NSA hat bestimmt schon längst alle Kontenbewegungen und sonstigen elektronischen Daten gesichert. Und frau merkel wird uns dann erklären, dass das alles gar nicht möglich gewesen wäre, wenn es in 2013 schon ein No-spy-Abkommen gegeben hätte.
Greggi 27.05.2015
5. Hoffentlich wagt sich ...
mal einer an den schweizerischen Obermafiso. Das ist doch der Strippenzieher. Vermutlich hält die Wacht darüber die Schweizer Regierung. Möglicherweise auch "gepempert" mit Millionen. Unglaublich, was in demokratischen Staatswesen alles möglich ist.
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