Fifa-Wahlkampf Brisante Akten verschwunden

Bei der Fifa in Zürich sind brisante Akten verschwunden, Uefa-Chef Johansson greift Fifa-Präsident Joseph Blatter an und dessen Herausforderer Issa Hayatou erhebt schwere Vorwürfe gegen den Schweizer - der Wahlkampf beim Fußball-Weltverband droht zur Schlammschlacht zu werden.


Erheben schwere Vorwürfe gegen Fifa-Präsident Blatter: Herausforderer Issa Hayatou (links) und Uefa-Chef Lennart Johansson
AFP

Erheben schwere Vorwürfe gegen Fifa-Präsident Blatter: Herausforderer Issa Hayatou (links) und Uefa-Chef Lennart Johansson

Zürich - Der Sonnenberg in Zürich, wo der Fußball-Weltverband hoch über dem See thront, wird zum "Fifagate". Aus den Archiven sind brisante Akten verschwunden, wie Fifa-Sprecher Andreas Herren am Sonntag dem Sport-Informations-Dienst (sid) bestätigte.

Fifa-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen sagte der Schweizer Boulevard-Zeitung "SonntagsBlick": "Ja, das habe ich feststellen müssen. Wenn solche Akten verschwinden, ist es ganz klar, dass es Leute aus der Fifa-Belegschaft gemacht haben. Vermutlich auf Weisung."

Die verschwundenen Unterlagen betreffen einen Vorgang aus dem Jahr 1989. Damals sollte der Blatter-Getreue Jack Warner von seiner eigenen Konföderation Concacaf (Nord- und Mittelamerika, Karibik) nicht zur Wahl zugelassen werden, weil gegen ihn wegen Scheckbetrugs ermittelt wurde. Die Fifa sprach ein Machtwort und ließ Warner zur Wahl zu.

Warner garantiert Blatter fast alle 39 Stimmen seiner Konföderation bei der Neuwahl des Fifa-Präsidenten am 29. Mai in Seoul. Doch für die Wahl des Concacaf-Präsidenten meldete sich der Mexikaner Edgardo Codesal Mendes als Gegenkandidat. Dem wollte die Concacaf die Kandidatur verweigern mit dem Hinweis, er sei ein Angestellter und damit nicht unabhängig. Der mexikanische Verband rief die Fifa an und verlangte ein Machtwort unter Hinweis auf den Präzedenzfall 1989. Zen-Ruffinen suchte die entsprechenden Akten - und fand sie nicht. Am Ende durfte Codesal kandidieren, doch Warner erhielt 36 der 39 Stimmen.

Johansson wirft Blatter "europafeindliche" Politik vor


Unterdessen ist Fifa-Präsident Joseph Blatter fünf Wochen vor dem Wahlkongress des Weltverbandes Ziel massiver Attacken von Lennart Johansson. Der Schwede warf seinem alten Widersacher in einem Brief an alle Uefa-Mitgliedsverbände eigenmächtiges Handeln und "feindliche" Politik gegenüber Europa vor.

"Herr Blatter hat ein zunehmend feindliches Verhalten gegenüber Europa angenommen und Konflikte provoziert, die weder nötig noch im Interesse der Fifa sind", schrieb Johansson, der Blatters Gegenkandidat Issa Hayatou unterstützt. Außerdem habe der Schweizer mit seiner Politik den Ruf des Verbandes zerstört und die Fifa in finanzielle Unsicherheit geführt.

Hayatou warf dem Schweizer indirekt Unregelmäßigkeiten in der Amtsführung vor. Auf die Frage, wie vieler Beweise und Indizien es denn noch bedürfe, um Blatter zu stürzen, antwortete Hayatou in der "Welt am Sonntag": "Die brauche ich persönlich nicht zu suchen. Die fliegen mir von allein um die Ohren. Bis die Bombe irgendwann platzt."



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.