Finanzregeln aufgeweicht Investoren dürfen Fußballklubs mit Geld zuschütten

Es gilt als Prestigeprojekt von Uefa-Chef Michel Platini: Das Financial Fairplay soll Fußballklubs zu wirtschaftlicher Vernunft zwingen. Doch der Verband hat das Konzept jetzt so weit aufgeweicht, dass es keinen Sinn mehr macht.
PSG-Spieler Cavani, Ibrahimovic: Klub kann wieder investieren

PSG-Spieler Cavani, Ibrahimovic: Klub kann wieder investieren

Foto: Ian Langsdon/ dpa

Die Uefa will die Meldung noch nicht bestätigen, dementiert sie aber auch nicht: Laut der französischen Sportzeitung "L'Equipe" hat die Europäische Fußball-Union die Sanktionen gegen Paris St. Germain (PSG) aufgehoben. Der französische Meister war im Mai 2014 bestraft worden - wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay. Neben einer Geldstrafe von 60 Millionen Euro sollten die Transferausgaben des Klubs auf 60 Millionen Euro begrenzt werden.

Das gilt nun offenbar nicht mehr. Auch andere Medien berichten über die Aufhebung der Sanktionen. Laut dem englischen "Telegraph" reagiert PSG prompt und will nun entweder Cristiano Ronaldo oder Ángel Di María verpflichten. Für den Weltfußballer von Real Madrid müssten die Franzosen wohl 125 Millionen Euro zahlen, für den Argentinier von Manchester United wäre mindestens die Hälfte fällig.

Vor etwas mehr als einem Jahr galt PSG der Uefa noch als Beleg dafür, dass das Financial Fairplay funktioniert. Der Klub wurde bestraft, weil er seine hohen Spielergehälter durch einen "nicht marktüblichen" Zuschuss der katarischen Tourismusbehörde finanziert. 200 Millionen Euro pro Jahr kassiert PSG von dem Emirat - das ist etwa das Zehnfache von vergleichbaren Sponsoring-Verträgen bei Bayern München und Real Madrid.

Doch am Dienstag präsentierte die Uefa Änderungen, die das Financial Fairplay derart aufweichen, dass es kaum noch Konsequenzen geben dürfte. Das Prestigeprojekt von Verbandschef Michel Platini wird zur Luftnummer. "Die Aufweichung bedeutet vermutlich das Ende für das Financial Fairplay", sagt Henning Vöpel, Direktor am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI).

Uefa drohen Niederlagen vor Gericht

So soll es Klubs künftig gerade erleichtert werden, Mittel von externen Investoren aufzutreiben - zum Beispiel aus Katar. Die Geldgeber sollen lediglich nachweisen, dass sie sich "nachhaltig" engagieren und das Ziel verfolgen, die regulären Einnahmen aus dem Fußball zu erhöhen. Eine sehr weiche Formulierung, die mit dem ursprünglichen Plan des Financial Fairplay nichts mehr zu tun hat.

In Deutschland ist ein "nachhaltiges Engagement" von Investoren an konkrete Bedingungen geknüpft: Investoren wie Dietmar Hopp in Hoffenheim müssen sich mindestens 20 Jahre engagieren, um die Mehrheit an einem Klub übernehmen zu dürfen.

Eine weitere Verwässerung des Uefa-Konzepts: Klubs können es künftig offiziell bei der Uefa anmelden, wenn sie im Jahr mehr als 30 Millionen Euro Verluste anhäufen. Statt die Grenze streng zu überwachen, verhandelt der Verband mit den Klubs darüber, wie hoch das Defizit sein darf. Ebenfalls eine deutliche Verwässerung des Konzepts.

Der Kurswechsel hat vor allem zwei Gründe:

  • Zum einen fürchtet die Uefa juristische Niederlagen. Derzeit laufen mehr als zehn Klagen gegen das Financial Fairplay. Anwalt Jean-Louis Dupont, der 1995 das Bosman-Urteil erstritt, vertritt mehrere Kläger. Das damalige Urteil besagte, dass Fußballprofis nach Ablauf ihres Vertrags ablösefrei wechseln dürfen und erklärte die Ausländerregelungen in mehreren Ländern für ungültig. Dupont ist überzeugt, dass das Uefa-Konzept gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstößt. Ein Gericht in Brüssel hat ihm kürzlich Hoffnung gemacht und den Weg vor den Europäischen Gerichtshof eröffnet.
  • Zweitens wurde die Uefa von der Entwicklung im europäischen Fußball überrollt. Als der Verband das Konzept im September 2009 genehmigte, war der massiv wachsende Einfluss von Investoren noch nicht absehbar. Die Uefa wollte diese Entwicklung stoppen. Um glaubwürdig zu sein, hätte sie aber auch Strafen gegen Spitzenklubs wie Real Madrid und den FC Barcelona verhängen müssen. Doch stattdessen wurden vor allem kleine Vereine wie Dynamo Moskau bestraft, die Russen wurden aus der Europa League ausgeschlossen.

Vöpel vom HWWI glaubt deshalb, dass das Financial Fairplay keine Zukunft mehr hat: "Die Idee ist kaputt, die Regeln dürften im europäischen Fußball keine Rolle mehr spielen."

Financial Fairplay - was steckt hinter dem Uefa-Konzept?

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