Finanzkrise Rauball befürchtet Pleitewelle in der Bundesliga

Der frühere Präsident von Borussia Dortmund, Wirtschaftsanwalt Reinhard Rauball, sieht mehr als fünf Clubs der Fußball-Bundesliga unmittelbar vom Konkurs bedroht. DFL-Geschäftsführer Heribert Bruchhagen legt auch nicht mehr für alle Vereine die Hand ins Feuer.


Düsseldorf - "Ich zähle nicht zu denen, die dramatisieren. Aber ich bin überzeugt, das die Lage für weit mehr als nur eine Hand voll Vereine finanziell höchst kritisch ist", sagte Rauball, in einem Interview mit der "Bild am Sonntag". Er sehe nur bei wenigen Clubs Anstrengungen, massiv gegenzusteuern. Pleiten wie beispielsweise die des belgischen Traditionsclubs KV Mechelen 1988 wolle er auch in der Bundesliga nicht ausschließen.

DFL-Geschäftsführer Bruchhagen denkt angesichts der finanziell angespannten Lage nur noch an Schandensbegrenzung "Auch wenn ich keine Absolution für alle Vereine erteilen kann, bin ich davon überzeugt, dass die Spielzeit 2002/2003 ordnungsgemäß zu Ende gespielt wird", erklärte Bruchhaben. "Wir haben ein Lizenzierungsverfahren, das auf der ganzen Welt bewundert wird. Es ist ein Indikator für die Sicherheit unseres Fußballs." Richtig sei jedoch, dass den Bundesligaclubs in dieser Saison nach der Insolvenz des Kirch-Unternehmens rund 160 Millionen Mark (81,8 Millionen Euro) weniger an TV-Gebühren zur Verfügung stehen. "Das Lizenzierungsverfahren 2003/2004 muss dieser neuen, ernsteren Situation angepasst werden", kündigte Bruchhagen für die Zukunft an.

Da die Schuldenlast der 36 Profivereine bei angeblich bei 600 Millionen Euro liegt, fordert Rauball, dass sofort entschlossen gehandelt werden müsse. "Ich sehe nur eine Lösung. Die Gehälter müssen im Einvernehmen mit den Spielern reduziert werden", sagte Rauball, "Da muss man ein hohes Maß an Überzeugungsarbeit leisten." In den 80er Jahren war dem Ex-Präsidenten dies beim BVB gelungen, als er seine damaligen Profis zu einem Gehaltsverzicht von 18 Prozent bewegte.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.