Folgen des Skandals Chaostage in Italien

Schlammschlacht im Land des Weltmeisters. Erst legten die Topclubs Einspruch gegen das Urteil des Sportgerichts ein, heute zog der Staatsanwalt nach. Damit ist sogar der Liga-Start in Gefahr. Zudem ging ein hoher Funktionär von Juventus Turin auf den AC Mailand los.

Rom - Juventus-Aufsichtsrat Marco Tardelli, Weltmeister von 1982, beschuldigte den AC Mailand, nur dank der politischen Winkelzüge und Drohungen von Club-Boss und Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi den Gang in die Serie B verhindert zu haben. Tardelli verlangt, dass auch der Mailänder Club in die zweite Liga absteigen müsse - so, wie es das Sportgericht für Juventus Turin, den AC Florenz und Lazio Rom entschieden hatte. Seine Worte lösten in Mailand heftige Reaktionen aus. "Tardelli ist ein schäbiger Mensch", hieß es in einer offiziellen Mitteilung des Vereins: "Statt sich um die Probleme seines eigenen Clubs zu kümmern, beschuldigt er die anderen."

Ganz andere Probleme hat der Verband, der sich für alle Eventualitäten wappnen muss. Angesichts der erwarteten Folgeprozesse vor dem Verwaltungsgericht in Rom wird in Erwägung gezogen, den für den 27. August geplanten Start der Serie A um einen Monat zu verschieben. Am Freitag beginnt aber erstmal die Berufungsverhandlung. Dafür rüsten nicht nur die betroffenen Vereine, die allesamt Widerspruch gegen die Urteile des Richters Pietro Sandulli eingelegt hatten, sondern auch die Staatsanwaltschaft sowie ein Professor für Konkursrecht.

Staatsanwalt Stefano Palazzi hat offiziell Einspruch gegen die erstinstanzlichen Urteile eingelegt, weil er diese nicht mit seinen Strafforderungen vereinbar und für zu milde hält. Zudem stößt Palazzi bitter auf, dass fünf der acht von ihm beschuldigten Schiedsrichter freigesprochen wurden. Alle Beteiligten stehen unter Zeitdruck. Der Berufungsprozess soll maximal bis zum 26. Juli (Mittwoch) dauern.

Schon am Dienstag sollen wenn möglich die Urteile endgültig feststehen, da dann die Liste der Starter für die internationalen Wettbewerbe der Europäischen Fußball-Union Uefa vorliegen muss. Sollte keine Einigung zustande kommen, wird der kommissarische Verbandspräsident Guido Rossi die Liste nach dem erstinstanzlichen Urteil gestalten. Es gilt als sicher, dass zumindest die Zwangsabstiege weiter Bestand haben werden.

Damit scheint der Skandal aber noch lange nicht abgeschlossen. Juves Rechtsabteilung hat nach übereinstimmenden Presseberichten, rechtliche Schritte gegen Moggi und den ehemaligen Geschäftsführer Antonio Giraudo einzuleiten. Beide waren zu Geldstrafen und einem fünfjährigen Berufsverbot verurteilt worden. Der Traditionsverein prüft derzeit die Möglichkeit einer Schaden-ersatzforderung.

Moggi startete umgehend eine Gegenoffensive. "Dieser Skandal hat im italienischen Fußball nichts geändert. Aus einem staubigen Haus sind zwei Sandkörner gefegt worden, ich und Giraudo. Und jetzt behauptet man, dass das Haus sauber ist", sagte der 68-Jährige und kündigte an: "Ich kehre als Störenfried in den Fußball zurück. Ich werde Namen nennen und die falschen Moralisten enttarnen."

Gute Nachrichten gab es dagegen von einem Juventus-Angestellten. Drei Wochen nach seinem Selbstmordversuch ist der ehemalige italienische Fußball-Nationalspieler Gianluca Pessotto außer Lebensgefahr. "Der Zustand bessert sich kontinuierlich", sagten die behandelnden Ärzte. Wie lange der 35-Jährige noch im Krankenhaus bleiben wird, ist aber noch unklar. Der Teammanager hatte sich aus dem Fenster seines Büros im zweiten Stock der Geschäftsstelle von Juventus Turin gestürzt. Dabei erlitt der 22fache Nationalspieler mehrere Brüche und innere Verletzungen.

mig/sid

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